Taufkirchen: Ochsen und Kamele bei Wettrennen verletzt und verängstigt – PETA erstattet Strafanzeige gegen Verantwortliche und reicht Fachaufsichtsbeschwerde ein

Ein ochse wird an den Hörnern gezerrt

Die Freiwillige Feuerwehr Taufkirchen veranstaltete Anfang Juni ein „Kamel- und Ochsenrennen“, bei dem zehn Ochsen und vier Kamele aus dem Circus Baldoni gegeneinander antreten mussten. Nach dem Rennen erreichte PETA eine Whistleblower-Meldung samt Bild- und Videomaterial, das nach Auffassung der Tierrechtsorganisation klare Verstöße gegen tierschutzrechtliche Bestimmungen zeigt. Die Aufnahmen dokumentieren einen rohen Umgang mit den Ochsen und Kamelen sowie Verletzungen an Kopf und Körper einiger Tiere. Die Tierrechtsorganisation erstattete daraufhin am 10. Juni Strafanzeige gegen die Verantwortlichen bei der Staatsanwaltschaft München I. PETA appellierte am vergangenen Freitag an Landrat Christoph Göbel, im Landkreis München keine Tierwettkämpfe mehr zu erlauben, und an die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, sie landesweit zu verbieten.

„Dass Veranstaltungen wie diese nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar sind, hatten wir dem zuständigen Veterinäramt zuvor ausführlich vorgetragen. Die Angst war vielen Tieren regelrecht ins Gesicht geschrieben. Neben vermeidbarem Leid durch Stress und Anstrengung haben sie Verletzungen von dieser traurigen Gaudi davongetragen, deren Heilung einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte. Trotzdem feuerten die Zuschauenden dieses Tierleid noch an“, so Julia Weibel, Fachreferentin bei PETA. „Kein Rind oder Kamel nimmt freiwillig an einem Wettrennen teil. Wir rufen den Landrat und die Landesregierung auf, dem endlich einen Riegel vorzuschieben und klarzustellen: Unterhaltung rechtfertigt kein Tierleid.“

Ein ochse wird an den Hörnern gezerrt
ein Kamel wird durch eine Menschenmasse gezerrt

Diese und weitere Bilder können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden. Videoaufnahmen können auf Anfrage bereitgestellt werden.

Die Whistleblower-Meldung berichtet von Tieren, die aufgrund des Lärms, der ungewohnten Umgebung und der Menschenmenge deutliche Stressreaktionen gezeigt hätten. Auf den Aufnahmen sind Ochsen zu sehen, die eng mit dem Kopf an Betonblöcke gebunden werden, sodass sie sich nicht gegen das Besteigen der „Reiter“ wehren können. Sie werden samt „Reiter“ am Halfter und den empfindlichen Hörnern an die Startlinie gezogen. Auch die Kamele werden mit großem Kraftaufwand an den Halftern gezogen. Mindestens ein Kamel wies eine blutige Wunde an der Kehle auf. Auch bei Ochsen wurden eine blutige Wunde auf der Nase und ein Schnitt an der Brust dokumentiert.  „Vereinzelt hörte man Menschen sich die Frage stellen, ob das nicht doch eine ziemliche Tierquälerei sei“, heißt es in der Meldung außerdem.

PETA legt Beschwerde gegen das Veterinäramt ein

Zuständige Mitarbeitende des Veterinäramts des Landkreises München waren bei der Veranstaltung vor Ort, versäumten es aber augenscheinlich, die verängstigten und teils verletzten Tiere vor Missbrauch zu schützen. PETA legte daher am Freitag Fachaufsichtsbeschwerde beim Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ein. Die Tierrechtsorganisation hatte die Veranstaltenden und das Veterinäramt im Vorfeld kontaktiert und sie gebeten, von der Aktion abzusehen bzw. diese zu untersagen. Nach Auffassung von PETA sind Veranstaltungen dieser Art nicht mit dem Tierschutzgesetz vereinbar und vermitteln den Anwesenden, dass es in Ordnung sei, Tiere zum Spaß zu misshandeln.

Dass solche Rennen für die Tiere erhebliche Folgen haben können, zeigt ein Vorfall aus München: Im Rahmen der Festwoche „1.250 Jahre Allach“ am Pfingstmontag 2024 erlitt ein Tier beim „1. Allacher Ochsenrennen“ so schwere Verletzungen, dass dieses noch vor Ort getötet wurde. Auch hier erstattete PETA Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft München I.

Tierleid zur reinen Belustigung

Bei den meisten sogenannten Ochsenrennen tragen die Tiere kleinere oder größere Verletzungen davon. Auch der Stress während des Transports und der Veranstaltung kann zu erheblichem Leid bei den Tieren führen. Während Veranstalter die Risiken kleinreden, berichteten Augenzeugen von bayerischen „Ochsenrennen“ in der Vergangenheit, dass Tiere aufgrund der Aufregung an Durchfall litten und zitterten. PETA betont, dass laut Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) niemand einem Tier ohne „vernünftigen Grund“ Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Außerdem ist es laut Paragraf 3 TierSchG verboten, Ochsen durch Peitschenschläge eine möglichst hohe Leistung abzuverlangen, die unnatürlich für sie ist. [1] Demnach dürfen Tiere nicht zur Belustigung Leid und Schmerzen ausgesetzt werden.

Auch Kamele werden zu Unterhaltungsobjekten degradiert und für wirtschaftliche Zwecke ausgebeutet – unter anderem für Touristenritte, als Fotorequisiten sowie in Zirkussen. Dabei müssen die Tiere häufig lange Transporte, ungewohnte Umgebungen und den ständigen Kontakt mit fremden Menschen ertragen. Die Haltung und Zurschaustellung sind für sie untrennbar mit Leid verbunden und oft von Gewalt und Zwang geprägt. Kamele sind intelligente und soziale Lebewesen, die in keiner Weise dafür geeignet sind, Menschen stundenlang auf ihren Rücken herumzutragen, in der Zirkus-Manege Kunststücke vorzuführen oder an Wettrennen teilzunehmen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Tierschutzgesetz § 3 Nr. 1. Online abrufbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__3.html. (03.06.2026).

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