Tote Tauben am Köpenicker Rathaus: PETA stellt Strafanzeige und fordert Verbot von „Bird Free“-Paste

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Taubenmanagement geht besser: Am Rathaus Köpenick wurden im vergangenen Dezember Taubenabwehrspikes durch die Vergrämungsmethode „Bird Free“ ersetzt. Dabei handelt es sich um eine Paste, die durch optische und olfaktorische Reize Vögel vertreiben soll. In der Praxis kann es jedoch zu Verklebungen des Gefieders kommen, wenn die Tiere doch versehentlich mit der Gelmischung in Berührung kommen. So laut Taubenschützerinnen auch am Rathaus Köpenick: An einer „Futter“-Stelle wurde eine Taube mit verklebtem Gefieder beobachtet. In der Nähe der Petrischalen mit dem Gel wurden zwei von einem Beutegreifer zerfetzte tote Tauben gefunden. Es besteht die Möglichkeit, dass die Vögel aufgrund verklebter Flügel nicht vor dem im Rathausturm lebenden Turmfalken fliehen konnten. PETA hat Strafanzeige bei der Staatanwaltschaft Berlin wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz erstattet und fordert ein bundesweites Verbot von „Bird Free“. In Bayern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Bremen besteht ein solches bereits.

„Immer wieder sind Stadttauben die Opfer qualvoller Vergrämungsmethoden“, so Lisa Kainz, Fachreferentin bei PETA. „Dabei ist ihre hohe Population in den Städten menschengemacht – Stadttauben sind schließlich Nachkommen von gezüchteten ‚Brieftauben‘. Es liegt also in der Verantwortung der Kommunen und Länder, genug Geld für ein tierfreundliches und nachhaltiges Taubenmanagement bereitzustellen. Wir beraten die Stadt Berlin gerne dazu, wie ein solches Management aussehen kann – falls das noch nötig sein sollte. Denn wir begrüßen ausdrücklich, dass die Thematik in der vergangenen Woche im Rechtsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses Thema war und die Reaktionen zum Vorschlag betreuter Taubenschläge durchweg positiv ausfielen.“

Die Situation der Tauben in Berlin

Zwar gibt es in Berlin bereits einige Taubenschläge, diese reichen jedoch nicht für die Populationsgrößen aus. Die Stadt benötigt PETAs Auffassung nach mehr Taubenschläge, Maßnahmen wie wöchentlichen Eiertausch an wilden Brutplätzen sowie tierschutzkonforme Vergrämungen an den Stellen, an denen keine Eier getauscht werden können oder keine Tauben nisten sollen. Zudem müssen die Ursachen für den stetigen Nachzug von Tauben in die Städte bekämpft werden: Diese sind Taubenauflässe bei Hochzeiten oder anderen Festlichkeiten, Taubenzucht sowie Taubenwettflüge.

Verletzungsgefahr durch Taubenspikes

In vielen Bahnhöfen und an Gebäuden werden scharfkantige Metallstäbe, sogenannte Spikes, zur Vergrämung von Tauben eingesetzt. Da die Vögel nur an bestimmten Stellen brüten und standorttreu sind, verletzen sie sich oft schwer an den bewusst dort aufgestellten Metallstäben. Teils bauen sie aus der Not heraus ihre Nester mitten in die Abwehrsysteme. Auch schlecht angebrachte Netze können zur Todesfalle für die Tiere werden. Statt die Ursachen für das stetige Ankommen von Tauben in den Städten zu beheben, werden die hilfsbedürftigen Tiere an andere Orte vertrieben. Mit vergleichsweise einfachen Maßnahmen ließe sich die Zahl der sogenannten Stadttauben dauerhaft und tierschutzgerecht verringern: Zum Beispiel durch den regelmäßigen Austausch von Eiern, durch Plexiglas oder feste Gitter an Stellen, wo ein Eiertausch nicht möglich ist, sowie durch ausreichende und betreute Taubenschläge. Dort können die Tiere artgerechte Nahrung bekommen, während Kot und Eier kontrolliert entfernt werden.

„Stadttauben“ stammen von „Brieftauben“ ab

„Stadttauben“ stammen von verwilderten sogenannten Haus- und Brieftauben ab, die einst aus der am Mittelmeer heimischen Felsentaube gezüchtet wurden. Als ihre Nachfahren benötigen sie kleine Flächen, um ihre Nester in Städten bauen zu können. Diese finden sie unter anderem an Gebäudefassaden. Nahezu überall werden sie durch Abwehrnetze und Metallspitzen vergrämt. Zudem finden die Vögel als Körneresser in den Städten kaum gesunde Nahrung, sodass sie oft krank werden. Taubenkrankheiten sind zwar kaum auf den Menschen übertragbar, doch stört sich die Öffentlichkeit beispielsweise am Durchfall der Vögel.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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