Der 8. Oktober ist der World Octopus Day. Aus diesem Anlass appelliert PETA erneut an den Zoo Rostock. In einem Brief bat die Tierrechtsorganisation die Zoo-Direktorin vergangene Woche, die aktuell in der Einrichtung eingesperrte Krakendame Raya in ihre Heimat zurückzubringen, wo sie gefangen wurde. Bereits 2024 hatte PETA die Einrichtung aufgefordert, die Krakenhaltung zu beenden. Kraken sind hochintelligente und emotionale Tiere, die aus ihrem natürlichen Lebensraum entführt wurden, um Menschen in Zoos und Aquarien zu unterhalten. Da sie eine Lebenserwartung von nur ein bis zwei Jahren haben, werden für die Haltung in Zoos und Aquarien immer wieder neue Kraken aus ihrem natürlichen Lebensraum gefangen und eingesperrt.
„In ihrer Heimat im Ozean könnte die Krakendame jetzt ihre Höhle dekorieren, gemeinsam mit einer Muräne auf die Jagd gehen oder nach einem Partner suchen. Es ist grausam, sie aus ihrer Heimat zu entführen und den Rest ihres ohnehin sehr kurzen Lebens einzusperren“, so Meeresbiologin Dr. Tanja Breining, PETAs Fachreferentin für Fische und Meerestiere. „Das Meer ist kein Selbstbedienungsladen für Zoos. Tiere dürfen nicht einfach aus ihrem natürlichen Lebensraum gerissen werden.“
Dass ein Umdenken möglich ist, zeigt ein Beispiel auf Sylt: PETA hatte das Sylt Aquarium anlässlich des World Octopus Day 2024 aufgefordert, die Haltung von Kraken zu beenden. Heute lebt dort kein Krake mehr. Auf Nachfrage teilten die Verantwortlichen vergangene Woche schriftlich mit, dass sie „[…] beabsichtigen, in Zukunft auf die Haltung von Kraken zu verzichten.“
Moderne Einrichtungen sorgen mit Live-Webcams und Virtual Reality für Begeisterung
Die Zurschaustellung von Meerestieren verursacht massives Tierleid und trägt dazu bei, dass die Ozeane regelrecht geplündert werden. Moderne Einrichtungen hingegen beweisen, was mit Technologie möglich ist: Besucher des Scottish Seabird Center in North Berwick können Webcams selbst bedienen und so live das Verhalten von Meerestieren und Seevögeln beobachten, ohne sie dabei zu stören. VR-Experiences wiederum entführen Besucher in die Unterwasserwelt und sind gerade auch für Kinder und Jugendliche faszinierender, als traurige Lebewesen in Glasbecken zu beobachten.
Kraken sind „Genies der Meere“
Kraken gelten als die intelligentesten wirbellosen Tiere und werden auch „Genies der Meere“ genannt. Sie sind zu komplexen Denkleistungen fähig, nutzen Werkzeuge, lernen durch Beobachtung und kommunizieren über ihre Haut. Sie sind Verwandlungskünstler; männliche Tiere können sich als weibliche Tiere tarnen und so Rivalen austricksen. Bei der Jagd kooperieren sie mit Muränen und Zackenbarschen [1]. Laut dem Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke sind Tintenfische sehr verspielt und finden ihre Zeitgenossen, ob Mensch oder Tier, auch unterschiedlich sympathisch. Kraken sind nicht nur schlau, sondern auch anpassungsfähig genug, um wieder ausgewildert zu werden. Wie groß der Drang nach Freiheit ist, zeigte im April 2016 Krake Inky: Ihm gelang die Flucht aus einem Aquarium in Neuseeland. Britische Wissenschaftler der London School of Economics and Political Science bestätigen, dass Kraken hochintelligente und schmerzempfindliche Lebewesen sind, die Gefühle wie Freude, Angst und Aufregung spüren können [2].
PETA weist darauf hin, dass die weltweit für Zoos gefangenen Kraken auch in dem jeweiligen Ökosystem fehlen. Gefangene Tiere können sich dort nicht mehr fortpflanzen und fehlen als potenzielle Partner und Elterntiere. Jeder Fang trägt somit auch zur Schwächung der lokalen Population bei.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
