Ein YouTube-Angler ruft dazu auf, bis Ende Oktober gemeinsam 100.000 Grundeln zu töten. PETA sieht darin einen möglicherweise tierschutzwidrigen Wettbewerb und hat erneut Strafanzeige erstattet. Bereits im September hatte der Mann nach eigenen Angaben 989 Grundeln aus der Havel gefangen und getötet, nachdem er sich selbst 1000 Fänge in 20 Tagen zum Ziel gesetzt hatte. Aufnahmen zeigen noch lebende Fische, die in trockenen Eimern und auf einer Wiese zappeln. Der Angler nennt die Tiere „ekelhaft“ und will sie nicht essen. Weil die Tötungen deshalb ohne vernünftigen Grund erfolgt sein dürften, erstattete die Organisation bereits am 8. Oktober Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Potsdam. Auf einer von dem YouTuber errichteten Website können Teilnehmende der sogenannten „Entgrundelung“ ihre Fangzahlen melden. Laut Teilnahmebedingungen müssen die Grundeln getötet werden. In einer Rangliste wird aufgenommen, wer die meisten Fische gefangen hat. PETA sieht darin einen Wettbewerb um möglichst viele getötete Tiere und erstattete deshalb eine zweite Strafanzeige.
„Jede einzelne Grundel ist ein Jemand und kein Etwas und möchte einfach nur in Ruhe gelassen werden“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA. „Mit unserer Anzeige wollen wir verhindern, dass Zigtausende Grundeln in der Havel an Haken aufgespießt, in Todesangst versetzt und qualvoll getötet werden – und das alles für eine bloße Selbstinszenierung auf YouTube.“
Fische sind sensibel, spüren Schmerz und sind hochintelligent
Fische sind neugierige, fühlende Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten. Sie haben ein komplexes Sozialleben, kommunizieren auf vielfältige Weise, schließen Freundschaften, beschützen ihren Nachwuchs und spüren Schmerzen. [1] Internationale Studien bestätigen dies; auch das Friedrich-Loeffler-Institut kam zu dem Schluss, dass Fische schmerzfähig sind und als sensible Lebewesen geschützt werden sollten. [2] Studien zeigen zudem, dass die Tiere über bemerkenswerte kognitive Fähigkeiten verfügen: Putzerfische können ihr Gesicht auf Fotos und im Spiegel wiedererkennen [3] und Seebrassen Tauchende an der Farbe ihrer Ausrüstung voneinander unterscheiden. [4] Forschende der Universität Bonn fanden heraus, dass Fische addieren und subtrahieren können. [5] Eine Studie von Februar 2026 zeigt außerdem, dass Putzerfische nicht nur ihr Spiegelbild erkennen, sondern auch mit diesem interagieren, indem sie ein Stück Nahrung benutzen. Dieses Verhalten gilt als „Kontingenzprüfung“ und deutet auf hohe kognitive Fähigkeiten hin. Es wurde auch bei Delfinen beobachtet. [6]
Laut § 17 Nr. 1 Tierschutzgesetz ist die Tötung von Wirbeltieren eine Straftat – es sei denn, es gibt dafür einen vernünftigen Grund. Der hier erkennbar im Vordergrund stehende Wettbewerb ist kein solcher Grund, Fische zu töten. Die Tötungen sind daher aus Sicht von PETA rechtswidrig. Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation ist auch die menschliche Ernährung kein vernünftiger Grund, Fische zu töten, da eine gesunde Ernährung in Deutschland problemlos ohne Fischfleisch möglich ist.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
