PETA hat heute einen offenen Brief an die Bundestierschutzbeauftragte Silvia Breher und das Tierschutzreferat des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) übergeben. Gemeinsam mit 81 Fachleuten aus Medizin, Veterinärmedizin, Biologie, Philosophie und Recht fordert die Tierrechtsorganisation darin das Ende des Forced Swim Tests (FST) in Deutschland. Bei dem Tierversuch werden Mäuse oder Ratten in einen Wasserbehälter gesetzt, aus dem sie nicht entkommen können.Experimentatoren messen, wie lange die Tiere schwimmen, bevor sie sich nur noch treiben lassen. FrüheresTreibenlassenwird als Zeichen von Verzweiflung oder als depressionsähnliches Verhalten gedeutet. PETA und die Mitunterzeichnenden kritisieren den Test als wissenschaftlich unzuverlässig und ethisch nicht vertretbar. Sie fordern, ihn künftig nicht mehr zu genehmigen. Die Bundestierschutzbeauftragte und das BMLEH sollen das Anliegen unterstützen und in einem ersten Schritt Richtlinien zur Einschränkung des Forced Swim Tests erarbeiten. Großbritannien und Irland haben bereits entsprechende Richtlinien erlassen.
„Mit dem Forced Swim Test nach Antidepressiva zu suchen, ist, als würde man an Apfelbäumen nach Birnen Ausschau halten“, so Sabrina Engel, Biotechnologin und Fachreferentin im Bereich Tierversuche bei PETA. „Wie lange Mäuse oder Ratten in Todesangst um ihr Leben paddeln, sagt nichts über eine Depression aus – und die Ergebnisse lassen sich nachweislich nicht auf Menschen übertragen. Dieser Test ist ein wissenschaftlicher Fehlschlag und verursacht enormes Tierleid. Er muss endlich abgeschafft werden.“
Studie stellt Aussagekraft des Forced Swim Tests infrage
Der Forced Swim Test ist nicht geeignet, um neue Antidepressiva zu identifizieren. Das zeigt eine Untersuchung von Dr. Emily Trunnell, Leiterin der Abteilung Science Advancement and Outreach von PETA USA, und der Psychologin Dr. Constança Carvalho. Die Wissenschaftlerinnen analysierten Versuche, die 15 führende Pharmaunternehmen mit mehr als 15.000 Mäusen und anderen Kleintieren durchführten. Von 109 im Forced Swim Test untersuchten Substanzen wurden 31 auch in klinischen Studien getestet. In nur 7 Fällen war das Ergebnis des Forced Swim Tests mit der Wirkung beim Menschen vergleichbar. Kein einziges dieser Mittel ist heute als Antidepressivum für Menschen auf dem Markt. [1]
Warum Wissenschaftler den Test kritisieren
Der Forced Swim Test wurde ursprünglich zur Untersuchung von Antidepressiva entwickelt und später auch in der Depressionsforschung eingesetzt. Die Interpretation des Verhaltens ist jedoch wissenschaftlich umstritten: Das Treibenlassen könnte auch eine erlernte Strategie sein, um Energie zu sparen oder sich an die Situation anzupassen. Der akute Kampf ums Überleben, in dem die Tiere sich hier wähnen, ist jedenfalls nicht mit der komplexen Erkrankung einer menschlichen Depression vergleichbar. Deshalb raten zahlreiche internationale Fachgremien von der Verwendung des Tests ab.
Aufholbedarf in Deutschland
Während international bereits zahlreiche Pharmafirmen und Universitäten zugesichert haben, den Forced Swim Test nicht mehr durchzuführen, in Auftrag zu geben oder zu finanzieren und Förderer und Behörden sich gegen seinen Einsatz ausgesprochen oder – in New South Wales – sogar verboten haben, wird er in Deutschland weiterhin genehmigt und durchgeführt.
PETA fordert alle Universitäten, Förderinstitutionen, Pharmaunternehmen und zuständigen Behörden auf, sich gemäß der wissenschaftlichen Datenlage zum Forced Swim Test ebenfalls davon abzuwenden und den Test zukünftig nicht durchzuführen, zu finanzieren, in Auftrag zu geben oder zu genehmigen.

Dieses und ein weiteres Motiv stehen hier zum Download bereit und können für die Berichterstattung verwendet werden.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
