Amtstierärzte lassen mehrfach gequälte Hunde im Stich
Nordhausen / Stuttgart, 25. Februar 2021 – Top oder Flop? PETA hat die besten und schlechtesten deutschen Veterinärbehörden 2020 gekürt. Berücksichtigt wurden Ämter, die bei ihrer Arbeit besonders positiv oder negativ aufgefallen waren, nachdem sie von der Tierrechtsorganisation über einen Missstand informiert wurden.
Das Veterinäramt Nordhausen landet auf der Liste der Flop 5: Bereits 2019 bot sich bei einer Züchterin von Landseer-Hunden ein Bild des Grauens. Mehrere Hunde und Dutzende weitere Tiere, darunter Hühner, Schafe, Kaninchen und Enten, wurden unter furchtbaren Bedingungen in einem Schrebergarten in Bleicherode gehalten. Trotz einer Anzeige von PETA und Vor-Ort-Kontrollen durch das Veterinäramt Nordhausen änderte sich auch 2020 kaum etwas an den Missständen. Neues Bildmaterial eines Whistleblowers, das PETA im April zugespielt wurde, zeigte, dass sich viele Hunde noch immer in einem schlechten gesundheitlichen Zustand befanden, die Kaninchen nicht ausreichend mit Wasser und Nahrung versorgt und Hühner zwischen toten Artgenossen gehalten wurden. Anstatt spätestens jetzt die Tierhaltung aufzulösen, zweifelte das Veterinäramt sogar die Aktualität des neuen Bildmaterials an. Vor allem die verharmlosende Darstellung der Behörde führte im Januar 2020 zur Einstellung von PETAs Strafanzeige. Doch nach einer Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft Thüringens in Jena gegen die Verfahrenseinstellung mussten die Ermittlungen gegen die Tierhalterin im Mai 2020 wieder aufgenommen werden. Im Zuge der Untersuchungen stellte sich heraus, dass die Hunde mehrere Tage lang nicht versorgt wurden.
Ein weiterer Fall von Hundequälerei sorgte im Juli 2020 im Landkreis Nordhausen sogar für internationale Schlagzeilen: Kinder schlugen ihrem hilflosen Familienhund über 20-mal mit einem Metallnapf auf den Kopf. Laut Zeugen geschah dies nicht zum ersten Mal. Doch anstatt das Tier sofort aus der leidvollen Situation zu befreien, wurden vom Veterinäramt lediglich tierärztliche Untersuchungen angeordnet. Bei den Untersuchungen, ebenfalls auch von der Leiterin der Veterinärbehörde mit vorgenommen, seien keine Hinweise auf Verletzungen oder Verhaltensauffälligkeiten festgestellt worden. Dies führte dazu, dass die Strafanzeige von PETA von der Staatsanwaltschaft Mühlhausen eingestellt wurde. Der Hund befindet sich derzeit noch immer bei der Familie. Das Veterinäramt Nordhausen wurde daher für das Jahr 2020 in die Flop 5 der schlimmsten Veterinärbehörden Deutschlands aufgenommen.
„Nach unserem Eindruck werden im Landkreis Nordhausen die Tierhalter geschützt und nicht die Tiere. Das Veterinäramt sollte sich darauf besinnen, was sein eigentlicher Auftrag ist – nämlich das ‚Schützen des Lebens und Wohlbefindens der Tiere sowie Verhütung von Leiden‘, wie es auf der Internetseite des Landratsamtes geschrieben steht“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei PETA. „Wir hoffen, dass diese Negativauszeichnung zu einem Umdenken bei der Behörde führt.“
Hintergrundinformationen
Veterinärämter sind für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet den Behörden jeden Monat zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert, ob und wie die Behörden daraufhin im Sinne des Tierschutzgesetzes tätig werden. Während in vielen Fällen in Zusammenarbeit mit Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielt werden, gibt es noch immer zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht genügend umsetzen. Seit 2012 kürt die Tierrechtsorganisation jährlich die aus Tierschutzsicht positiv oder negativ aufgefallenen Veterinärämter. Im Ranking wird stets die gesamte Behörde genannt, auch wenn oftmals einzelne Amtstierärzte positiv oder negativ hervorstachen.
Zeugen von Tierquälerei sollten sich an die zuständige Veterinärbehörde ihrer Stadt oder ihres Landkreises wenden. Beobachtungen sollten detailliert und sachlich zusammengefasst werden. Besonders hilfreich ist Bild- und Videomaterial. Empfehlung von PETA: Nach der Meldung beim Veterinäramt unbedingt so lange nachhaken, bis der Missstand beseitigt ist. Eine Übersicht mit ausführlichen Tipps, wie Zeugen gegen Tierquälerei vorgehen können, gibt es unter PETA.de/Whistleblower.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein: eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.


Bilder beweisen das Tierleid in Bleicherode. / © PETA Deutschland e.V.
Diese und weitere druckfähige Motive stehen hier und hier zum Download zur Verfügung.
Weitere Informationen:
PETA.de/Neuigkeiten/Veterinaeraemter-2020/
PETA.de/Veterinaeraemter-2019
PETA.de/Themen/Hunde-Zuechter-Nebenan/
PETA.de/Neuigkeiten/Kinder-misshandeln-Hund/
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Sophie Burke, +49 711 860591-528, [email protected]
