Frankfurt am Main / Stuttgart, 8. Dezember 2022 – Am 4. Juni 2021 hat PETA Strafanzeige gegen einen Mann erstattet, der in Frankfurt-Sachsenhausen bedrohte Singvögel gefangen und damit gegen das Bundesnaturschutzgesetz und das Tierschutzgesetz verstoßen haben soll. Für den Täter endete der Fall nun mit einer bloßen Verwarnung. Laut Augenzeugenberichten fing der Mann mehrere Stieglitze, um sie anschließend als „Haustiere“ zu verkaufen. Da aber nur der Fang eines Vogels anhand von Bildmaterial nachgewiesen werden konnte, stellte die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Az. 7130Js / 226143/21) das Verfahren im Februar 2022 ein und gab den Fall zur Prüfung und Verfolgung einer Ordnungswidrigkeit an die zuständige Behörde der Stadt Frankfurt ab. Das Frankfurter Rechtsamt teilte nun mit, dass die Untere Naturschutzbehörde das Vergehen als geringfügige Ordnungswidrigkeit gemäß §56/1 OWiG einstufte und das Verfahren „mit einer Verwarnung ohne Verwarngeld“ abschloss. An dieser Entscheidung der Naturschutzbehörde Frankfurt, den Täter ohne Bußgeld davonkommen zu lassen, übt PETA scharfe Kritik.
„Singvögel aus der Natur einzufangen, ist ein Verbrechen an der Natur und an den eingesperrten Tieren selbst. Dennoch hat die Naturschutzbehörde in Frankfurt der Tat weniger Gewicht beigemessen, als Falschparken“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Die ‚Verwarnung ohne Verwarngeld‘ hat keinerlei abschreckende Wirkung. Dass Frankfurt es nicht für nötig hält, wenigstens ein paar Euro Bußgeld gegen die Plünderung der Natur zu verhängen, ist beschämend und gefährlich.“
Für einige selbsternannte „Vogelliebhaber“ und „Vogelliebhaberinnen“ sind Stieglitze wegen ihrer bunten Farben und ihrem schönen Gesang begehrte Trophäen. In einem Käfig verkümmern die Tiere aber und sterben oft viel zu früh. Wie alle Singvögel stehen sie unter Schutz und dürfen nicht eingefangen werden. Stieglitze gehören zur Familie der Finken und sind fast überall in Deutschland zu Hause. Im Frühjahr gehen sie auf Partnersuche und folgen dem Gesang. Wegen des Verlusts an Lebensraum hat sich die Anzahl der Tiere in Deutschland seit 1990 halbiert. Michael Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland hob 2016 hervor, wie bedeutend die Frankfurter Kleingärten für das Überleben der Tierart sind. [1] Das hat sich der Vogelfänger in Sachsenhausen offenbar zunutze gemacht.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.
[1] Frankfurter Neue Presse (2016): Bedrohter Singvogel. Stieglitz kämpft in Frankfurt ums Überleben. Online abrufbar unter: https://www.fnp.de/frankfurt/stieglitz-kaempft-frankfurt-ueberleben-10638810.html. (08.12.2022).


Frankfurt: Ein eingesperrter Stieglitz soll Artgenossen anlocken, um sie einzufangen und zu verkaufen. / © PETA Deutschland e.V.
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