Kritik an geplanter Tötung von Muntjak-Hirschen im Zoo Leipzig

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Leipzig / Stuttgart, 24. Januar 2017 – Der Zoo Leipzig hat am Samstag bekannt gegeben, seine fünf Chinesischen Muntjak-Hirsche perspektivisch töten und verfüttern zu wollen. Grund dafür sei die neue EU-Verordnung, wonach diese Tierart als invasiv gilt und weder transportiert noch nachgezüchtet werden darf. Die Muntjaks könnten daher nicht mehr artgerecht gehalten werden. Mittlerweile rudert der Zoo zurück, nachdem die EU-Kommission klarstellte, dass die Verordnung auch Ausnahmegenehmigungen zulässt. Zudem ist es den Mitgliedsstaaten überlassen, in welcher Ausprägung die Verordnung umgesetzt wird. Der Zoo müsse die Rahmenbedingungen nun neu prüfen. Auch die Tierrechtsorganisation PETA weist darauf hin, dass kein Zwang für den Zoo besteht, die Tiere zu töten. Vielmehr betont die Europäische Kommission ausdrücklich, dass die in Zoos lebenden Tiere bis zur ihrem natürlichen Lebensende dort gehalten werden dürfen [1]. Die Angabe des Zoos Leipzig, eine artgerechte Haltung ohne die Möglichkeit der Fortpflanzung sei nicht möglich, spiegelt dagegen die Scheinheiligkeit der Zoo-Verantwortlichen wider: Zoos greifen ohnehin ständig in das Fortpflanzungsgeschehen und die Sozialstruktur ihrer Tiere ein – ohne Rücksicht darauf, ob die Tiere darunter leiden oder nicht. So wird vielerorts die Fortpflanzung von Tieren unterbunden, weil es gerade in das Zuchtmanagement passt, oder bestehende Familien werden auseinander gerissen. PETA weist darauf hin, dass die Tierart sowieso überwiegend als Einzelgänger lebt [2]. Die Hirsche sollten sterben, weil der Zoo das Gehege zu einem Themenpark Südamerika umbauen will, der mehr Besucher anlocken soll. Für die kleinen Paarhufer gäbe es nach dem Plan keinen Platz mehr in der Einrichtung. PETA fordert den Zoo Leipzig auf, die Tiere bis zu ihrem natürlichen Tod bestmöglich unterzubringen.
 
„Der Verdacht liegt nahe, dass sich der Zoo Leipzig unter dem Vorwand der EU-Verordnung einer unbeliebten Tierart entledigen will, um Platz für Publikumslieblinge zu schaffen“, so Peter Höffken, Fachreferent für Tiere in der Unterhaltungsbranche bei PETA. „Es ist schon auffällig, dass sich Zoos immer nur dann um das seelische Wohlbefinden ihrer Tiere sorgen, wenn es in ihre Argumentation passt. Wenn aber Tiere in ihrer Obhut wegen zu kleiner Gehege unter sichtbaren Verhaltensstörungen leiden oder bestehende Familien im Namen des Zuchtmanagements auseinander gerissen werden, interessiert sie der Tierschutz dagegen kein bisschen.“
 
Muntjaks sind eine in Asien lebende Tierart aus der Familie der Hirsche. Mit einer Schulterhöhe von rund 45 bis 50 Zentimeter sind Chinesische Muntjaks kleiner als andere Muntjak-Arten. Sie leben überwiegend solitär und beanspruchen dabei ein Territorium von 20 bis 30 Hektar. Natürlicherweise leben sie in den Wäldern des südlichen und zentralen Chinas sowie in Taiwan.
 
PETA setzt sich grundsätzlich für ein Nachstellverbot von exotischen Tieren in Gefangenschaft ein, weil die artwidrigen Haltungsbedingungen häufig schwere Verhaltensstörungen und Tierleid hervorrufen. Auswilderungen sind insbesondere bei den bedrohten Tiergruppen wie Menschenaffen, Eisbären oder Großkatzen nicht möglich, weil die Tiere im Zoo die dafür notwendigen Verhaltensweisen nicht erlernen können. Eine repräsentative Meinungsumfrage im Dezember 2015 ergab, dass mit 49 Prozent die Mehrheit der Deutschen das Einsperren von exotischen Tieren für moralisch bedenklich hält. Lediglich 37 Prozent äußerten keine Bedenken [3].
 
[1] http://ec.europa.eu/environment/pdf/13_07_2016_QA_en.pdf
[2] http://www.iucnredlist.org/details/full/42191/0
[3] Meinungsumfrage des Instituts Yougov zu den Themen Zoo und Zirkus vom Dezember 2015. Online unter: https://yougov.de/news/2015/12/16/tiere-fur-viele-ein-grund-nicht-den-zirkus-zu-gehe/
 
Weitere Informationen:
PETA.de/Zoo
 
Kontakt:
Denis Schimmelpfennig, +49 (0)711 860591-528, [email protected]
 

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