Am Donnerstag wurde auf dem Oktoberfest eine 29-Jährige von einer anfahrenden Brauerei-Kutsche verletzt. Laut einem Medienbericht wollte die Frau ein Foto mit der Kutsche machen, als diese plötzlich anfuhr. Die 29-Jähre erlitt dabei eine Prellung am Knie und musste vor Ort vom Rettungsdienst behandelt werden. Die Kutscher bemerkten die Verletzte offenbar nicht und setzten ihre Fahrt einfach fort. Eine Streife der Wiesnwache machte sie schließlich ausfindig. Die Münchner Verkehrspolizei ermittelt. Angesichts dieses Vorfalls appellierte PETA heute in einem Schreiben an Oberbürgermeister Dieter Reiter, endlich ein Verbot von Pferdekutschen auf dem Oktoberfest einzuführen. Die Tierrechtsorganisation warnt seit vielen Jahren vor den Risiken bei der Nutzung von Pferden auf dem Volksfest.
„Pferdekutschen auf dem Oktoberfest einzusetzen ist allein schon wegen der Menschenmassen fahrlässig. Das kleinste Erschrecken der Pferde kann eine Tragödie auslösen. Auf ähnlichen Veranstaltungen kommt es so immer wieder auch zu schweren, teilweise tödlichen Unfällen. Ein Verbot ist daher längst überfällig“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Tradition oder sogenanntes Brauchtum sind zudem keine Rechtfertigung für Tierquälerei. Pferde gehören auf grüne Wiesen und nicht auf die Wiesn. Sie in einer solchen stressvollen Umgebung dazu zu zwingen, schwere Gespanne zu ziehen, bedeutet für die Tiere enormes Leid.“
46 Unfälle bei Kutschfahrten im Jahr 2022
Jährlich ereignen sich zahlreiche Unfälle mit von Pferden gezogenen Kutschen. 2022 wurde bei insgesamt 46 Kutschunfällen in Deutschland vier Menschen getötet und mindestens 83 wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Darüber hinaus starb 2022 auch ein Pferd, mindestens sieben weitere Tiere verletzten sich. Die mit Abstand häufigste Unfallursache war ein Erschrecken eines oder mehrerer Pferde.
Die Tierrechtsorganisation weist darauf hin, dass die häufig schweren Verläufe der Unfälle vor allem auf fehlende Sicherungsvorrichtungen wie Gurte und Airbags sowie mangelhafte Beleuchtung und unzureichende Bremssysteme zurückzuführen sind. Rothenburg ob der Tauber beschloss 2010 nach einem schweren Pferdekutschenunfall ein Kutschverbot im Innenstadtbereich, das der Bayerische Verwaltungsgerichtshof bestätigte.
Immer wieder Tierleid auf dem Oktoberfest und Nebenveranstaltungen
Am 1. Oktober 2017 brach ein Pferd der Augustiner-Brauerei tot zusammen, als es eine Kutsche vom Oktoberfest in den Stall zurückzog. Schon nach dem Oktoberfest 2016 zeigte PETA mehrere Pferdehalter wegen Haltungsmissständen und Misshandlungen an, die von den ermittelnden Behörden bestätigt wurden. In einem Fall hatten die Fuhrleute eines Gespanns der Spaten-Franziskaner-Bräu GmbH die eingespannten Pferde auf dem Bayerischen Zentral-Landwirtschaftsfest mit Schlägen und Stichen durch Bogenpeitsche und Gespannleinen sowie heftige Rucke am Zaumzeug misshandelt, um die Kutsche aus Morast zu befreien. In einem weiteren Fall hielten die Verantwortlichen der Augustiner-Bräu Wagner KG Pferde während des Oktoberfestes fast durchgängig angebunden in schmalen, offenen Boxen in der Landbergerstraße. Nach einer PETA-Anzeige teilte das Kreisverwaltungsreferat mit, dass die Brauerei bis zum Oktoberfest 2017 eine „tierschutzgerechte Aufstallungsform, beispielsweise eine Einzelboxenhaltung“ umsetzen solle.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Pferdekutschenunfälle fordern immer wieder Opfer bei Mensch und Tier. / © 112-magazin.de
Das druckfähige Motiv steht hier zum Download zur Verfügung.
