Ratsgruppe stellt Antrag für pferdefreie Karnevalsumzüge in Köln – PETA ruft Fraktionen zur Unterstützung auf

Gewaltsames Zerren an einem Pferd im Kölner Karneval

Am kommenden Donnerstag berät der Ausschuss für Klima, Umwelt und Grün des Kölner Stadtrates über den Antrag „Vom toten Pferd absteigen – JETZT?!“ der Ratsgruppe KLIMA FREUNDE & GUT. Dem Antrag zufolge sollen lebende Tiere nicht mehr bei Karnevalsumzügen eingesetzt werden dürfen. Zur Begründung wird auf das Leid der Pferde verwiesen. PETA hat heute Vormittag in einem Schreiben an die Fraktionen und Mitglieder des Ausschusses appelliert, dem Antrag zuzustimmen. Die Tierrechtsorganisation verweist darin auf die abermals untragbare Situation der Tiere im diesjährigen Rosenmontagszug und das eindeutige Ergebnis einer repräsentativen Meinungsumfrage.

„Wird der Albtraum für die Pferde vom Stadtrat endlich beendet? Es ist längst überfällig, dass Mitgefühl an die Stelle von falsch verstandener Tradition tritt“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Auch dieses Jahr waren zahlreiche panische, gestresste Pferde und gefährliche Situationen zu beobachten.“

Bevölkerung gegen Pferde bei Umzügen

Eine Anfang Februar 2025 durchgeführte repräsentative INSA-Meinungsumfrage unter 1.000 Bürgerinnen und Bürgern aus Nordrhein-Westfalen ergab, dass mittlerweile 70 Prozent der Befragten ein Verbot von Pferden bei Karnevalsumzügen befürworten. 20 Prozent lehnen dies ab. Anfang 2018 sprachen sich bei einer repräsentativen INSA-Umfrage nur 47 Prozent für eine Verbotsregelung aus, 45 Prozent waren dagegen.

Missbrauch, kein Brauchtum

Pferde in einer Innenstadt einzusetzen, ist nach PETAs Ansicht Missbrauch. Laute Musik und Menschenmassen setzen die Tiere enormem Stress aus. Selbst bei trainierten Pferden kann eine geringe Störung den Fluchtinstinkt auslösen. Gegen die vom Land Nordrhein-Westfalen 2021 veröffentlichten Leitlinien zum Einsatz von Pferden in Karnevalsumzügen wird regelmäßig verstoßen, etwa indem Pferde unmittelbar vor oder nach Musikkapellen laufen müssen.

Experten bestätigen Tiermissbrauch bei Rosenmontagszügen

Der Fachbuchautor und Experte für hippologische Fachfragen Ingolf Bender erklärte im Mai 2024 in einer neunseitigen Stellungnahme, dass die „Nutzung von Pferden in Karnevals-Umzügen vor allem aus Tierschutzgründen in Verbindung mit der Gefahrenabwehr für Menschen kompromisslos abzulehnen“ sei. Zudem könnten „Motive wie Tradition und ‚Volksbelustigung‘ […] niemals als vernünftige Gründe gelten, die es rechtfertigen würden, Tierleid zu akzeptieren.“ Im Juni 2024 analysierte der Fachtierarzt für Pferde und Buchautor Dr. med. vet. Maximilian Pick ein 27-minütiges Video mit Szenen vom Rosenmontagszug 2024 in Köln. Er kam zu dem Ergebnis, dass das Verhalten einiger Pferde als Ausdruck von Angst zu verstehen ist und „Angst […] zu einem erheblichen Leiden der Pferde“ führt, was als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz zu sehen sei.

Städte wie Bonn gehen mit gutem Beispiel voran

In Bonn werden keine Pferde mehr beim Rosenmontagsumzug eingesetzt. Das Präsidium des Festausschusses Bonner Karneval begründete die Entscheidung 2021 mit Tierwohl und Sicherheit. Auch die Verantwortlichen der Cranger Kirmes in Herne gaben 2023 bekannt, den dazugehörigen Umzug künftig ohne Pferde zu gestalten. Ebenfalls 2023 hat der Schützenverein Warburg aus Sicherheits- und Tierschutzgründen entschieden, seine Umzüge ohne Kutschen und berittene Schützen durchzuführen.

Gewaltsames Zerren an einem Pferd im Kölner Karneval

Das druckfähige Motiv finden Sie hier zum Download.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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