Innerhalb von nur einer Woche sind zwei Gorillas im Zoo Leipzig gestorben. Am 27. März hat der Zoo den Tod des siebenjährigen Gorillas Kio bekanntgegeben. Aufgrund zunehmender Krankheitssymptome wie Abgeschlagenheit und Appetitlosigkeit musste der Primat unter Vollnarkose untersucht werden. Kio konnte nicht aus der Narkose erweckt werden. Er starb an Kreislaufversagen. Nur eine Woche später, am 3. April, verkündete der Zoo Leipzig den Tod der 21-jährigen Gorillafrau Kibara. Sie zeigte dieselben Krankheitssymptome wie ihr Artgenosse. Auch Kibara wurde unter Narkose untersucht und starb während der Behandlung. PETA kritisiert die Primatenhaltung des Zoos Leipzig scharf: Aufgrund der unnatürlichen und mangelhaften Haltungsbedingungen in Gefangenschaft kommt es bei Menschenaffen immer wieder zu plötzlichen Todesfällen, die häufig mit Infektionserkrankungen in Verbindung stehen. Laut der Tierrechtsorganisation ist die Gefangenhaltung von Menschenaffen in Zoos mit der lebenslangen Inhaftierung eines Menschen vergleichbar. PETA fordert die Verantwortlichen des Zoos Leipzig auf, die Zucht und die Aufnahme neuer Tiere zu stoppen und die Haltung auslaufen zu lassen.
„Das künstliche Klima in den Innengehegen, die Nahrung und das viel zu kleine Gehege: Einfach alles ist unnatürlich an der Zoohaltung von Gorillas. Es ist kaum verwunderlich, dass so viele Menschenaffen in Gefangenschaft sterben. Eine Diskussion über das Auslaufen ihrer Haltung ist längst überfällig“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Auch das Argument des Artenschutzes zählt nicht: Im Zoo geborene Menschenaffen erfolgreich auszuwildern, ist nahezu unmöglich. Mit den Steuergeldern, die der Zoo Leipzig für die Haltung von Menschenaffen verpulvert, könnten weite Gebiete ihrer natürlichen Lebensräume langfristig geschützt werden.“
Artgerechte Haltung von Menschenaffen in Gefangenschaft unmöglich
In deutschen Zoos sind seit Anfang 2010 mindestens 28 junge Menschenaffen gestorben. Die Todesursachen sind bei den meisten Tieren Infektionen. Die Primaten haben enorme Ansprüche an ihren Lebensraum und leiden Studien zufolge in Zoos häufig unter schweren Verhaltensstörungen – auch in vergleichsweise großen Zoogehegen, die für Laien akzeptabel aussehen. [1, 2] Ihr psychisches Leid äußert sich beispielsweise durch Selbstverstümmelung, extreme Zurückgezogenheit, permanentes Hin- und Herschaukeln des Oberkörpers bis hin zum Verzehr der eigenen Exkremente. Zum Teil verabreichen Zoos den Tieren sogar Psychopharmaka, damit sie die lebenslange Gefangenschaft überhaupt ertragen.
PETA plädiert für echten Artenschutz
Deutsche Zoos können keine Auswilderungen bei Menschenaffen vorweisen. Die Tiere können Verhaltensweisen, die für ein Überleben in der Natur unverzichtbar sind, in Gefangenschaft nicht oder nur schwer erlernen. Trotzdem investieren zoologische Einrichtungen Millionen Euro an Steuergeldern in teure und sinnlose Nachzuchtprogramme und kostenintensive Bauprojekte. Durch Maßnahmen zum Erhalt des natürlichen Lebensraums der Tiere hingegen könnten weitaus mehr Menschenaffen geschützt werden, als dies in Zoos je möglich ist.
INSA-Umfrage: Mehrheit der Befragten befürwortet Ende der Menschenaffenhaltung
Laut einer von PETA in Auftrag gegebenen INSA-Meinungsumfrage vom April 2020 befürwortet mit 41 Prozent die relative Mehrheit der Befragten ein Ende der Zucht und Haltung von Menschenaffen in deutschen Zoos. Mit einer Petition auf ihrer Kampagnenwebsite appelliert die Tierrechtsorganisation an das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), die Gefangenhaltung und Zurschaustellung der sensiblen Tiere schnellstmöglich auslaufen zu lassen.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So werden beispielsweise Schweine, Rinder und Hühner gequält und getötet, Hunde und Katzen hingegen liebevoll umsorgt.
