Einem Medienbericht zufolge hat ein Jäger aus Recklinghausen im Neusser Ortsteil Rosellen ein Pferd erschossen. Wie erst jetzt bekannt wurde, ereignete sich der Vorfall bereits am 9. Oktober gegen 2 Uhr. Nach eigenen Angaben habe der Mann in einem Waldstück aus erhöhter Position eine Gruppe Wildschweine auf einer Pferdeweide im Visier gehabt. Als er auf eines der Tiere zielte und es tödlich traf, bemerkte er, dass es sich um ein Pferd handelte. Die alarmierte Polizei nahm den Fall auf. Für die weitere Prüfung ist nun die Jagdbehörde des Kreises Recklinghausen zuständig. PETA weist darauf hin, dass Hobbyjagende jedes Jahr ungewollt mehrere Dutzend Tiere und Menschen verletzen oder – wie in diesem Fall – sogar töten. Zudem fügen sie Hunderttausenden Tieren erhebliches Leid durch Fehlschüsse zu. Die Tierrechtsorganisation fordert die Bundesregierung auf, für Deutschland ein Verbot der Hobbyjagd zu beschließen.
„Die Jagd auf Wildschweine ist schlimm genug, aber dabei ein Pferd ‚aus Versehen‘ zu erschießen, muss bestraft werden. Wir fordern die Kreisjagdbehörde in Recklinghausen auf, sicherzustellen, dass dieser Jäger nie wieder eine Waffe in der Hand halten darf“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Jedes Jahr ereignen sich zahlreiche solcher Tragödien, weil schießwütige Spaßjäger verantwortungslos in der Gegend herumballern. Um weiteres Leid zu verhindern, ist nun der Gesetzgeber gefragt. Wie viele Menschen und Tiere müssen noch sinnlos sterben oder verletzt werden, bevor die Hobbyjagd endlich verboten wird?“
Unfälle mit tödlichen Schüssen und Selbstverletzungen häufen sich
In den vergangenen Jahren sorgten bereits zahlreiche schwere Jagdunfälle für Empörung. Ende April wurde ein 69-Jähriger in Haltern am See schwer verletzt, als sich ein Schuss aus der Jagdwaffe seines 56-jährigen Begleiters löste. Ebenfalls im April erschoss sich ein Jäger in Hagen versehentlich selbst, als sich bei der Beobachtung von Wildschweinen ein Schuss aus seiner Waffe löste. Anfang Januar wurde ein Jäger auf einem Hochstand bei Ruchow von einer mutmaßlich verirrten Kugel eines Jagdkollegen tödlich getroffen. Im Dezember 2024 wurde eine Frau bei einer Treibjagd in Barßel vor ihrem Wohnhaus durch einen Schuss schwer verletzt. Im August 2024 verletzte ein Jäger seinen Jagdbegleiter in Heubach schwer durch einen Schuss im Kopfbereich. Im Juni 2024 erlitt eine Frau in Huglfing einen Oberschenkeldurchschuss. Im Mai 2024 wollte ein Jäger einen Fuchs in Aholming töten und traf die Wand eines Wohnhauses. Die Gewehrkugel landete im Schlafzimmer unter dem Bett der Anwohner. Im Januar 2024 wurde eine Joggerin in Sachsen bei einer Treibjagd angeschossen.
Renommierte Fachleute bestätigen: Jagd ist grausam und überflüssig
Anerkannte Studien belegen, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. So findet dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten statt. [1] Auch englische Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass sich beispielsweise Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren von selbst regulieren. [2] Die Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. Die Jagd ist unnötig, kontraproduktiv und grausam. Den rund 400.000 Hobbyjagenden in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjägerinnen und -jäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
