Achtung „Dschungelprüfung“: Läusesekret und Bienenspucke in Lebensmitteln und Kosmetika

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 „Dschungelcamp“ in aller Munde: Seit Freitag läuft die neunzehnte Staffel der Reality-Show „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ auf RTL. Und die Zuschauenden ekeln sich mit den Teilnehmenden durch die sogenannten Dschungelprüfungen. Dabei ist vielen Menschen nicht bewusst, dass unzählige ihrer täglich genutzten Kosmetikprodukte und Lebensmittel verschiedene Läusesekrete oder Bienenspucke enthalten. Die tierischen Bestandteile verstecken sich in der Deklaration oft hinter E-Nummern und sind dadurch nur schwer erkennbar. Sabrina Engel, Fachreferentin für den Bereich Tierversuche bei PETA, erklärt, welche Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs sind und wie Konsumierende mit tierfreundlichen Alternativen die tägliche „Dschungelprüfung“ in den eigenen vier Wänden umgehen.

„Viele Menschen wissen nicht, dass auch sie im Alltag Ausscheidungen von teils getöteten Insekten essen oder sich auf die Haut auftragen“, so Sabrina Engel. „Sie sollten ihren Ekel vor den ‚Dschungelprüfungen‘ ernst nehmen und sich bei Lebensmitteln und Kosmetikprodukten bewusst für tierleidfreie Produkte entscheiden.“

Die alltäglichen „Dschungelprüfungen“:

Ekel 1: Zerkochte Läuse für Lippenstifte und Marmelade

Karmin (E 120):

Karmin ist der rote Farbstoff, der durch das Vertrocknen und Auskochen schwangerer Cochenille-Schildläuse (Dactylopius coccus) hergestellt wird. Es ist auch als Karminsäure oder Cochenille bekannt und versteckt sich hinter der E-Nummer 120. In Kosmetika wird der Farbstoff vor allem bei der Herstellung von Lippenstiften, Rouge oder Lidschatten verwendet. Karmin kann auch in Lebensmitteln enthalten sein, z. B. in Süßwaren, Backwaren, Joghurt, Kaugummis und verschiedenen Getränken. Es kann allergische Reaktionen auslösen.

Die Alternativen:

Konsumierende sollten auf Produkte zurückgreifen, die pflanzliche Auszüge wie Rote Beete, Alkannawurzel oder Sanddorn enthalten. Auch Eisenoxid ist eine nicht-tierische Alternative.

Ekel 2: Läusesekret in den Haaren

Schellack (E 904):

Schellack ist ein von der Lackschildlaus (Kerria lacca) gebildetes Ausscheidungsprodukt, das nach der Verdauung eines bestimmten Baumsafts entsteht. Mit diesem Lack wollen die Läuse ihre gelegten Eier schützen – zur Schellackproduktion wird dieser allerdings teils mitsamt den Läuse-Nachkommen von den Ästen und Baumstämmen abgekratzt. Schellack wird im Kosmetikbereich in Haarlacken, Haarsprays und Nagellack verwendet. In Lebensmitteln versteckt sich Schellack oft hinter der E-Nummer 904. Die Ausscheidungen können so unwissentlich beim Verzehr von Backdekorationen, Schokoladendragées, Süßwaren, Nüssen oder gewachstem Obst aufgenommen werden. Auch Kaffeebohnen und Nahrungsergänzungsmittel können mit Schellack überzogen sein.

Die Alternativen:

Beim Kauf von Kosmetika sollten Menschen auf Produkte zurückgreifen, die als tierversuchsfrei und vegan deklariert sind – diese enthalten dann härtende Elemente aus pflanzlichen Wachsen oder Proteinen. Alternativen bei Lebensmitteln sind beispielsweise Carnaubawachs oder Gummi Arabicum. Obst kommt bei sorgfältiger Herstellung und Lagerung auch gänzlich ohne diese Zusatzstoffe aus.

Ekel 3: Drüsensekret-Speichelmischung in Süßwaren

Bienenwachs (E 901):

Bei Bienenwachs handelt es sich um Ausscheidungen aus den Drüsen an der Unterseite des Hinterleibes der Westlichen Honigbiene (Apis mellifera). Diese Ausscheidungen werden zur Weiterverarbeitung von den Bienen mit Sekreten aus ihren Kieferdrüsen vermengt. Bienenwachs wird sowohl in der Kosmetik- als auch in der Lebensmittelindustrie verwendet. In Lebensmitteln versteckt sich Bienenwachs hinter der Deklarierung E 901 und wird vorwiegend als Überzugs- und Trennmittel bei Süßwaren verwendet. Die Herstellung von Wachs ist für Bienen mit einem großen körperlichen Aufwand und einem hohen Verbrauch von Honig verbunden. Das Wachs dient eigentlich als Baumaterial für Waben.

Die Alternativen:

Fruchtgummi beispielsweise gibt es auch als tierleidfreie Version mit Sonnenblumenöl oder Carnaubawachs (E 903) als Überzugs- und Trennmittel.

So lassen sich eklige Inhaltsstoffe ganz leicht aufspüren:
 

  • Angaben auf der Verpackung lesen: Viele tierische Zusatzstoffe, die von oder aus Insekten stammen, befinden sich am Ende der Zutatenliste. Eine entsprechende Bitte an Nahrungsmittelhersteller, rein pflanzliche Produkte zu kennzeichnen, kann helfen, deren Bewusstsein für die Bedürfnisse vegan lebender Menschen zu schärfen.
  • Die wichtigsten E-Nummern (u. a. E 120, E 904 und E 901) kennen: Auf dem Einkaufszettel notiert oder mit der entsprechenden App lassen sich die Inhaltsstoffe schnell identifizieren.
  • Bezeichnungen wie „natürlich“ oder „nur mit natürlichen Zutaten“ hinterfragen: Dahinter können sich Bestandteile tierischer Herkunft und somit auch von Insekten stammende Inhaltsstoffe verstecken.

 
Für die Sendung „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ wird eine Gruppe von Prominenten für rund zwei Wochen in einem Camp im australischen Dschungel untergebracht und von Kameras beobachtet.

Bei vielen der sogenannten Dschungelprüfungen werden getötete Tiere verzehrt oder lebende Tiere zerquetscht oder anderweitig getötet.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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