Mit lauten Rufen und einem Protestschild hat eine PETA-Aktivistin heute Nachmittag in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle die Manege gestürmt. Mit dem Vorwurf „Cavalluna = Tierquälerei“ prangert sie die Gewalt, den Zwang und den Missbrauch an, denen Pferde für Dressurshows wie „Tor zur Anderswelt“ ausgeliefert sind. Anlass für die Aktion ist Videomaterial aus dem aktuellen Programm, das unter anderem zeigt, wie die Tiere in extrem enge Kopf-Hals-Positionen (sogenannte Rollkur) gezwungen werden. Diese gelten laut den Leitlinien für Pferdehaltung als tierschutzwidrig und schränken die Sicht und Atmung der Tiere ein. [1] Hinzu kommen riskante Kunststücke, auch mit Feuer und grellen Lichteffekten. PETA fordert, den Einsatz von Pferden für Unterhaltungsshows zu verbieten, und appelliert eindringlich an alle Menschen, solche Darbietungen nicht durch ihren Besuch zu unterstützen.
„Was als magische ‚Anderswelt‘ verkauft wird, ist für Pferde eine Welt aus Lärm, Schmerzen und Erwartungsdruck. Grundlegende Bedürfnisse der empfindsamen Fluchttiere werden völlig ignoriert. Wer die Shows besucht, bezahlt dafür, dass Pferde still leiden“, erklärt Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsindustrie bei PETA.
Aus Rücksicht auf die Pferde ließ PETA den Protest kurz vor Showbeginn stattfinden.

Protest bei der heutigen Cavalluna-Show in Stuttgart. / © PETA Deutschland e.V.
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Hintergrundinformationen:
Verstrickungen von Cavalluna-Reitern in umstrittenes Stierkampfmilieu offengelegt
PETAs Recherche offenbart, dass zwei der für Cavalluna engagierten Equipen in Zusammenhang mit der Stierkampfszene stehen. Reiter der Teams Sebastián Fernández und Laury Tisseur treten nicht nur für Cavalluna auf, sondern sind bzw. waren in Spanien und Frankreich als Stierkämpfer zu Pferd aktiv. [2, 3] Dieser lebensverachtenden Praxis fallen nicht nur Stiere zum Opfer. Auch Pferde werden häufig verletzt, verängstigt, ausgebeutet und sterben teils in der Arena.
Kein Ende von gewaltsamer Dressur trotz wiederholter Kritik
Seit Jahren erhält PETA immer wieder Whistleblower-Meldungen zu Missständen bei Auftritten von Cavalluna. Das umfangreiche Videomaterial aus mehreren Cavalluna-Shows und Dressurproben der vorherigen Saison belegt einem Fachgutachten und PETAs Einschätzung nach, den tierschutzwidrigen Umgang mit den Tieren. Deshalb hat die Tierrechtsorganisation im Mai 2025 Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin (Aktenzeichen PETA: 55/25 HH) erstattet. Sie richtet sich gegen die Geschäftsführung und Mitarbeitende in verantwortungsvollen Positionen bei Cavalluna (Apassionata World GmbH) sowie die auftretenden Reitteams. Die Strafanzeige ist weiterhin anhängig.
Dressurvorführungen sind mit der Lebenswelt von Pferden unvereinbar
Aufnahmen zeigen unter anderem den wiederkehrenden Einsatz der sogenannten Rollkur bei Cavalluna. Bei dieser Reitweise wird der Pferdehals stark überdehnt und nah an die Brust gezogen. Im Training gehen die Verantwortlichen roh mit den Tieren um. Nachdem ein Pferd im Galopp stürzt, wird lediglich die Reiterin ausgetauscht, das verunfallte Tier muss weiter proben. Das kann durchaus gesundheitsschädlich sein. Ein Pferd wird mit Peitschenschlägen zur Kapriole bewegt. Dies ist ein unnatürlich hoher Sprung, bei dem das Tier mit den Hinterbeinen ausschlägt. Neben den körperlichen Gefahren werden die Fluchttiere bei Cavalluna Stress und Angst ausgesetzt. Denn aufsehenerregende Feuer-, Licht- und Soundeffekte sind feste Bestandteile des Programms und sollen Publikum anziehen. In vielen Szenen zeigen Pferde Zeichen von Unwohlsein wie angelegte Ohren, starkes Schweifschlagen und Widersetzlichkeit.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
