Greifvogelvorführungen und Ritterturnier mit Feuer: PETA kritisiert „Mittelalterliches Spektakulum“ in Angelbachtal

Auf dem Ritterfest in Berlin-Spandau wurden im April 2026 Greifvögel und Eulen für Foto-Gelegenheiten angeboten.

Am kommenden Wochenende findet das „Mittelalterliche Spektakulum“ im Schlosspark Eichtersheim statt. Auf dem Programm stehen Vorführungen einer Falknerei und mehrere Ritterturniere, darunter auch ein Nachtturnier, bei dem sich laut Veranstaltungsseite Feuer und Pferde „begegnen“. [1] PETA kritisiert, dass die sensiblen Tiere auf dem Mittelaltermarkt inmitten von Menschenmassen, Lärm und ungewohnter Umgebung erheblichem Stress ausgesetzt werden. Für Pferde bedeuten Ritterturniere und Feuer zudem Angst und ein hohes Verletzungsrisiko. Die Tierrechtsorganisation appellierte daher am 21. Juli an den Veranstalter, dieses und künftige Feste nur noch ohne Tiere durchzuführen.

„Pferde zu zwingen, durch oder nahe am Feuer zu laufen, ist Tierquälerei. Freiwillig würden sie dies nie tun. Die schwere Ausrüstung der Reiter sowie der Lärm bedeuten zusätzlichen Stress für die sensiblen Fluchttiere“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Auf Veranstaltungen wie Mittelalter-Events sitzen Greifvögel oft stundenlang angebunden oder werden inmitten von Menschenmengen als Fotorequisite ausgenutzt. In Freiheit fliegen die Tiere weite Strecken.“

PETA erhält jedes Jahr Beschwerden von Besuchern von Mittelaltermärkten, auf denen Greifvögel und andere Tiere als vermeintliche Attraktion präsentiert werden. Versuche, der belastenden Situation durch Wegfliegen zu entkommen, werden durch die Anbindung unmöglich gemacht. Laut „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Greifvögeln (Accipitriformes, Falconiformes) und Eulen (Strigiformes)“ (BMLEH, 2024) wird „die Zurschaustellung von Greifvögeln oder Eulen an ständig wechselnden Orten (einschließlich Flugschauen) und deren Haltung in mobilen Einrichtungen […] abgelehnt.“

PETA fordert generelles Verbot der Falknerei

Falkner sind überwiegend Hobbyjäger, die Falken und Greifvögel wie Adler, Habichte oder Bussarde einsperren und über Nahrungsentzug gefügig machen, um sie bei der Beizjagd auf andere Wildtiere zu hetzen. Die sensiblen und hochintelligenten Vögel jagen in Freiheit, um zu überleben. Falkner richten sie schon als Jungtiere ab, wobei sie größtenteils auf den Menschen fehlgeprägt werden, und nutzen sie dann für die Jagd auf Hasen, Tauben, Füchse oder andere Tiere aus. Gängige Haltungsform in der Falknerei ist die stunden- oder tagelange Anbindung der Vögel, sodass sie große Teile ihres Lebens an den Füßen angebunden auf einem Holzpflock verbringen. Ein selbstbestimmtes Leben wird ihnen verwehrt. Gemäß den in Deutschland geltenden Mindestanforderungen an die falknerische Haltung von Greifvögeln ist die Haltung zulässig, wenn sie jeden zweiten Tag kurz fliegen dürfen – und dies nur in der Trainings- und Freiflugzeit. Ihrem natürlichen Verhalten können sie somit kaum nachgehen.

Rittershows: Stress und Verletzungsrisiken für Pferde

Für Ritter- und Feuershows werden Pferde häufig gewaltvollen Dressurmethoden sowie erheblichem Stress ausgesetzt und zu unnatürlichen Verhaltensweisen gezwungen. Die Fluchttiere müssen in lauter, ungewohnter Umgebung auftreten. Menschenmengen und Feuereffekte versetzen sie zusätzlich in Stress. Wenn sie durch oder nahe an Flammen geführt werden, geschieht dies unter Zwang und birgt erhebliche Risiken wie Verletzungen oder Panikreaktionen. Häufige und beengte Transporte, unzureichende Auslaufmöglichkeiten und ungewohnte Umgebungen verschärfen diese Belastung zusätzlich. Zudem vermitteln solche Shows dem Publikum nach Auffassung von PETA ein problematisches Bild, indem sie tierschutzwidrige Praktiken als Unterhaltung darstellen und die Bedürfnisse der Tiere ignorieren.

Auf dem Ritterfest in Berlin-Spandau wurden im April 2026 Greifvögel und Eulen für Foto-Gelegenheiten angeboten.
Symbolbild: Auf vielen Ritterfesten, wie hier im April 2026 in Spandau, werden angebundene Greifvögel zur Schau gestellt oder als Fotomotiv angeboten. / © PETA Deutschland e.V.

Dieses und ein weiteres Foto können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Mittelalterliches Spektakulum Angelbachtal 8.-9. August 2026. Online abrufbar unter: https://www.ritterfest-angelbachtal.de/infos/. (04.08.2026).

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