PETA hat Mitte April Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Memmingen gegen die verantwortlichen Personen des Memminger Fischertagsvereins e.V. sowie gegen beteiligte Teilnehmende erstattet. Der Vorwurf: mehrere Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Grundlage ist neues Videomaterial, das gravierende Missstände beim Fischertag in Memmingen im vergangenen Jahr zeigt. Zu sehen sind Fische, die in den Keschern übereinanderliegen und gequetscht werden. Teilweise wurden mehrere Tiere in kleine Behälter geworfen, einige wirken bereits vor Erreichen der Tötungszelte leblos. Die Aufnahmen zeigen auch eine Person, die mit einem Stock mehrfach auf einen Fisch einschlägt. Bereitgestellt wurde das Material von der Captain Paul Watson Foundation Germany (CPWF).
„Der Memminger Fischertag ist ein Tierqualspektakel, bei dem jährlich Tausende Forellen in Panik versetzt und getötet werden. Jahr für Jahr werden Tierschutzverstöße bei dieser Veranstaltung dokumentiert. Die Stadt muss die Veranstaltung endlich in ein tier- und familienfreundliches Fest ohne Gewalt umgestalten!“, so Dr. Tanja Breining, Meeresbiologin und Fachreferentin für Fische und Meerestiere bei PETA.


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Im Mittelpunkt der jährlich stattfindenden Veranstaltung des Memminger Fischertagsvereins e.V. steht die Forellenjagd. Die Teilnehmenden konkurrieren um den schwersten Fang. Wer die schwerste Forelle mit einem Kescher aus dem Wasser zieht, wird „Fischerkönig“ oder „Fischerkönigin“. Die Aufnahmen der CPWF dokumentieren auch die Reaktionen des Publikums: Es wird gejubelt und gegrölt, sobald ein Fisch gefangen wird. Damit stehen beim Fischertag im Memmingen zweifelsfrei der Wettbewerb und das „Spektakel“ im Vordergrund.
Zur Vorbereitung wurden zudem zusätzliche Forellen ins Wasser gesetzt, um der hohen Anzahl an Teilnehmenden überhaupt erst die Möglichkeit zu geben, die Tiere zu fangen – und damit die Veranstaltung zu verlängern. Fische gezielt in ein Gewässer zu setzen, um sie bei einem Fest zu fangen und zu töten, ist PETAs Ansicht nach ebenfalls ein Verstoß gegen § 17 Nr. 1 Tierschutzgesetz, da kein vernünftiger Grund für die Tötung vorliegt. Vielmehr verdeutliche dieses Vorgehen, dass es beim Memminger Fischertag primär um den Wettbewerb und die Unterhaltung der Menschen geht. PETA hat nach Strafanzeigen gegen Teilnehmende von Pokal-, Hege- und sonstigen Wettangelveranstaltungen bereits mehrfach Sanktionen erreicht.
Gemeinsamer Brief
In einem gemeinsamen Anschreiben Mitte April an den Oberbürgermeister sowie an den Fischertagsverein appellierten die CPWF, PETA, Animals United und das PETA Streetteam Memmingen an die Verantwortlichen, ein neues, tierleidfreies Konzept zu entwickeln. Ein Beispiel hierfür wäre das „Forellenrennen“. Dabei könnten nummerierte Forellen aus Kunststoff in den Stadtbach gesetzt werden. Bürgerinnen und Bürger hätten die Möglichkeit, eine oder mehrere solcher Forellen beim Fischertagsverein zu erwerben und damit am Wettbewerb teilzunehmen. Die Forelle, die als Erste das Ziel erreicht, würde sodann über den Titel „Fischerkönig“ oder „Fischerkönigin“ bestimmen.
Fische sind sensibel, spüren Schmerz und sind hochintelligent
Fische sind neugierige, fühlende Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten. Sie haben ein komplexes Sozialleben, kommunizieren auf vielfältige Weise, schließen Freundschaften, beschützen ihren Nachwuchs, und sie spüren Schmerzen. [1] Internationale Studien bestätigen dies; auch das Friedrich-Loeffler-Institut kommt zu dem Schluss, dass Fische schmerzfähig sind und als sensible Lebewesen geschützt werden sollten. [2] Studien zeigen zudem, dass die Tiere über bemerkenswerte kognitive Fähigkeiten verfügen: Putzerfische können ihr Gesicht auf Fotos und im Spiegel wiedererkennen [3] und Seebrassen Tauchende an der Farbe ihrer Ausrüstung voneinander unterscheiden. [4] Forschende der Universität Bonn fanden heraus, dass Fische addieren und subtrahieren können. [5] Eine Studie von Februar 2026 zeigt außerdem, dass Putzerfische nicht nur ihr Spiegelbild erkennen, sondern auch mit diesem interagieren, indem sie ein Stück Nahrung benutzen. Dieses Verhalten gilt als „Kontingenzprüfung“ und deutet auf hohe kognitive Fähigkeiten hin. Es wurde auch bei Delfinen beobachtet. [6]
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
