„Versprechen gebrochen“: PETA übt scharfe Kritik am neuen niedersächsischen Jagdgesetz

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Am späten Nachmittag wird der niedersächsische Landtag ein neues Landesjagdgesetz beschließen. PETA übt scharfe Kritik an der Novelle, weil die rot-grüne Landesregierung dem Druck der Jägerschaft nachgegeben und zentrale Tierschutz-Versprechungen aus dem Koalitionsvertrag nicht umgesetzt hat. So bleiben die Jagd auf Katzen und die grausame Ausbildung von Hunden an lebenden Füchsen in Schliefenanlagen sowie an Enten erlaubt. Ebenso bleibt die Baujagd auf Füchse und Dachse im Kunstbau zulässig, nur im Naturbau wird sie untersagt. Zudem sollen Schlagfallen, die Tiere oft nicht sofort töten, weiterhin zum Fang von Steinmardern in Siedlungsbereichen eingesetzt werden dürfen.

„Die Landesregierung ist vor der Jagdlobby eingeknickt wie ein Fähnchen im Wind. Die Versprechungen im rot-grünen Koalitionsvertrag wie das Ende der Katzentötungen hatten am Ende keine Bedeutung mehr. Das ist auch für einen Großteil der Menschen, die sich für mehr Tierschutz bei der Jagd ausgesprochen haben, ein Schlag ins Gesicht“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA.

Landesregierung knickte vor Jagd-Demo ein

Laut Koalitionsvertrag sollten die Ausbildung von „Jagdhunden“ an lebenden Tieren und die Abschüsse von Hunden und Katzen beendet werden. Auch der erste Entwurf des Landesjagdgesetzes sah diese Maßnahmen vor, bis er im Januar 2025 kurz vor einer großen Jägerdemo in Hannover in wesentlichen Punkten geändert wurde. So bleibt die Tötung von „wildernden“ Katzen weiterhin erlaubt, wenn sie mehr als 350 Meter (laut aktuellem Jagdgesetz 300 Meter) von der nächsten Siedlung entfernt sind. Ebenso soll die Ausbildung von Hunden an Füchsen in Schliefenanlagen und an Enten erlaubt bleiben. Die Tötung von Nutrias soll ausgeweitet werden.

Menschen in Niedersachsen wollen mehr Tierschutz bei der Jagd

Eine im Februar 2025 durchgeführte repräsentative INSA-Meinungsumfrage unter 1.000 Bürgerinnen und Bürgern aus Niedersachsen hat ergeben, dass 58 Prozent der Befragten ein Verbot von Katzenabschüssen, derAusbildung von „Jagdhunden“ an lebenden Füchsen und Enten sowie von Totschlagfallen befürworten. 14 Prozent lehnen dies ab, für 27 Prozent war es egal, oder sie machten keine Angaben. Mit 65 Prozent befürworteten besonders viele Frauen mehr Tierschutz bei der Jagd in Niedersachsen, aber auch 52 Prozent der Männer. Bezogen auf die Parteipräferenz der Befragten sprechen sich besonders viele Anhängerinnen und Anhängern der Grünen (72 Prozent) und der Linken (68 Prozent) für ein Verbot von Katzenabschüssen, derAusbildung von Hunden an lebenden Füchsen und Enten sowie von Totschlagfallen aus. Aber auch bei Wählerinnen und Wählern der SPD (58 Prozent) und CDU (57 Prozent) ist die Zustimmung groß.

Jagd laut Experten nicht notwendig

Anerkannte Wildbiologen sind sich einig, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. So findet dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit und Krankheiten statt. [1] Auch englische Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass sich beispielsweise Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren von selbst regulieren. [2] Die Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. Die Jagd ist daher unnötig, kontraproduktiv und grausam.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Reichholf, J. H. (2009): Die Wahrheit über die Jagd – Evolutionsbiologe Prof. Josef Helmut Reichholf widerlegt Jägerlügen. TV-Dokumentation SWR BW.
[2] Baker, P.; Harris, S., & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report. University of Bristol/University of York. / Baker, P. & Harris, S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK.

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