Bad Waldsee: Hund beißt Mädchen auf Schulhof, Halterin geht einfach weiter – PETA fordert verpflichtenden Hundeführerschein in Baden-Württemberg

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Nachweis kann schwere Unfälle verhindern und ermöglicht Hunden ein tiergerechteres Leben 

Laut einem Medienbericht hat ein freilaufender Hund am Donnerstag in Bad Waldsee eine Schülerin attackiert. Das Mädchen spielte in der Mittagspause auf dem Schulhof der Döchtbühlschule in Bad Waldsee, als ein kleiner weißer Hund auf sie zulief und ihr in die Hand biss. Die Hundehalterin sprach kurz mit dem Mädchen, lief dann aber weiter. Die Schülerin schilderte den Vorfall daraufhin einer Lehrerin. Der Polizeiposten Bad Waldsee ermittelt und bittet unter der Telefonnummer 07524 4043-0 um Hinweise. Angesichts dieses Vorfalls fordert PETA die Landesregierung auf, den sogenannten Hundeführerschein in Baden-Württemberg für alle Hundehalter verpflichtend einzuführen.

„Viele Halterinnen und Halter haben Schwierigkeiten, das Verhalten, die Signale und die Körpersprache der Hunde richtig zu interpretieren und zu verstehen. Daher ist die eigentliche Ursache von Beißvorfällen beim Menschen zu suchen und nicht beim Tier. Egal, ob der Hund einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix‘ ist, falsch gehalten, missverstanden oder schlecht behandelt kann jeder Vierbeiner potenziell gefährlich für Mensch und Tier werden“, so Jana Hoger, Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA und Tierpsychologin. „Ein Hundeführerschein auf freiwilliger Basis ist nicht zielfördernd: Wer kein Interesse daran hat, sich im Vorfeld mit den Bedürfnissen des Hundes und der damit einhergehenden Verantwortung auseinanderzusetzen, wird ein freiwilliges Angebot kaum in Anspruch nehmen.”

Deutliche Mehrheit für Hundeführerschein 

Nach einer von PETA in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von August 2023 sprechen sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus. Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter und Halterinnen bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben. Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames, obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule. Ein solcher Nachweis kann sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern. 

Niedersachsen und Bremen gehen mit gutem Beispiel voran 

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. [1] Zum 1. Juli 2026 wird auch im Land Bremen der Hundeführerschein für Personen, die sich einen Hund zulegen möchten, verpflichtend. [2] Österreich geht noch einen Schritt weiter: Dort wird ab dem 1. Juli 2026 bundesweit ein verpflichtender Hundeführerschein eingeführt. [3] In Berlin sind Halterinnen und Halter seit dem 1. Januar 2017 aufgefordert, sich bei der Aufnahme eines Hundes die notwendige Sachkunde anzueignen. Einige Städte setzen zusätzlich Anreize: In München gibt es nach bestandenem Hundeführerschein ein Jahr Hundesteuerbefreiung, in Mannheim zwei Jahre.

Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80.000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden. 

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Niedersächsisches Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) (2011). Online abrufbar unter: https://www.laves.niedersachsen.de/startseite/tiere/tierschutz/tierhaltung/das-niedersaechsische-hundegesetz-nhundg-110827.html. (15.06.2026).
[2] Freie Hansestadt Bremen – Die Senatorin für Inneres und Sport: Hundeführerschein ab 1. Juli 2026. Online abrufbar unter: https://www.inneres.bremen.de/inneres/buerger-und-staat/hundefuehrerschein-30149. (15.06.2026).
[3] PETBOOK.de (11.02.2025): Kein Hund ohne Sachkunde! Europäisches Land macht ab 2026 ernst. Online abrufbar unter: https://www.petbook.de/hunde/oesterreich-sachkundenachweis-hund. (15.06.2026).

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