Letzte Affenhaltung in deutschem Zirkus: PETA fordert Veterinärbehörden auf, Berberaffen aus Circus Barus in Hanau zu retten

Affen die in einem Netzgehege eingesperrt sind

Circus Barus gastiert derzeit in Hanau und ist nach Kenntnisstand von PETA der letzte Zirkus in Deutschland, der Primaten auf laufender Tournee mitführt. In der Pause der Zirkusshows werden Berberäffin Daisy und ein Artgenosse den Besuchenden präsentiert. Eines der Tiere wird offenbar auch für Werbe- oder Spendenaktionen an den Gastspielorten „spazieren“ geführt. Ein PETA-Video zeigt, dass die Affen in einem kleinen Lkw-Innenbereich und einem kargen, von Netzen umgebenen Außengehege untergebracht sind. PETA hat die Veterinärbehörden des Main-Kinzig-Kreises sowie in Dillingen an der Donau aufgefordert, die Berberaffenhaltung zu untersagen und die Abgabe an eine auf Primaten spezialisierte Auffangstation mit verfügbaren Plätzen, wie z.B. Animal Advocacy and Protection (AAP), zu veranlassen.

„Bei Circus Barus werden Berberaffen in einem engen Transporter von Ort zu Ort gefahren, und anscheinend zum Betteln missbraucht. Die sensiblen Wildtiere gehören in soziale Gruppen und weite Lebensräume – nicht in einen reisenden Zirkusbetrieb“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Wir rufen die Veterinärbehörden auf, ihren Handlungsspielraum zu nutzen und die Tiere zu retten.“

Affen die in einem Netzgehege eingesperrt sind
Ein Affe hinter einer Netzabsperrung zur Schau gestellt für Zuschauer

Diese und weitere Motive stehen hier zum Download zur Verfügung. Auch Videoaufnahmen sind auf Anfrage erhältlich.

Hinweise auf deutlich zu kleines Gehege bleiben folgenlos

Primaten leben in komplexen Sozialstrukturen und benötigen vielfältige Kletter-, Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Im Zirkus werden die intelligenten Tiere in ihrem Verhalten stark eingeschränkt und unterfordert. Laut einer 2022 erteilten Auskunft der Stadt Offenbach am Main war das Innengehege der Affen bei Circus Barus etwa zehn Quadratmeter groß und damit weniger als halb so groß wie vorgeschrieben. Das Außengehege soll laut Angaben der Behörden zwar den Mindestanforderungen entsprechen, erschien einer Whistleblower-Meldung und PETA vorliegenden Aufnahmen zufolge allerdings deutlich kleiner. 

Berberaffe offenbar für Werbung und Bettelgänge missbraucht

Laut Medienberichten und mehreren PETA vorliegenden Whistleblower-Meldungen führte ein Zirkusangehöriger einen Berberaffen – teilweise in ein Kostüm gezwängt – auch außerhalb des Zirkusgeländes „spazieren“. [1, 2] Möglicherweise sollte das Tier so Aufmerksamkeit für Gastspiele erregen und Passanten zu Geldspenden bewegen. Nach Angaben der für die Tierhalteerlaubnis zuständigen Veterinärbehörde Dillingen an der Donau gab es hierzu Beschwerden und das Betteln mit Tieren wurde untersagt. Informationen über mögliche Sanktionen liegen jedoch nicht vor. [3] 

Bereits seit über 20 Jahren Missstände bei Circus Barus dokumentiert

Der Zirkus hielt früher neben Berberaffen auch Paviane. PETAs Chronik des Circus Barus zeigt, dass die Affenhaltungen seit mehr als zwei Jahrzehnten Gegenstand behördlicher Kontrollen sowie von Beschwerden und Gerichtsverfahren sind. Beanstandet wurden unter anderem die Unterbringung und der Transport der Tiere. Auch ein gerichtliches Urteil wegen vorsätzlichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz gab es bereits.

PETA spricht sich grundsätzlich gegen die Haltung von Wildtieren in Gefangenschaft aus und appellierte Ende Juni in einem Schreiben an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, ein deutschlandweites Verbot der Haltung von Primaten in Zirkussen auf den Weg zu bringen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Osthessen-News.de (2025): Herr Nilsson auf Abwegen! Tierischer Besuch in der Kult-Pizzeria „Tomate“. Online abrufbar unter: https://m.osthessen-news.de/n11777677/herr-nilsson-auf-umwegen-tierischer-besuch-in-der-kult-pizzeria-tomate.html. (25.06.2026).
[2] Frankfurter Neue Presse (2018): Nordend: Ich glaub?, mich laust ein Affe. Online abrufbar unter: https://www.fnp.de/frankfurt/nordend-glaub-mich-laust-affe-10404674.html. (24.06.2026).
[3] Beantwortung einer Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz Bayern (BayUIG) beim Landratsamt Dillingen a.d. Donau, die PETA vorliegt.

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