Ein RTL-Nord-Bericht zeigt, wie Fische in Reusen gefangen werden und in Plastikkisten ersticken. Beim Fang prallen sie fortwährend gegeneinander und gegen die Wände der Reusen. Anschließend werden sie noch lebend ohne Wasser in Kisten übereinandergestapelt. Die Tierrechtsorganisation PETA hat deshalb am 2. Juli bei der Staatsanwaltschaft Lüneburg Straf- und Ordnungswidrigkeitenanzeige gegen zwei Berufsstintfischer aus Winsen erstattet. Der Verdacht: Verstöße gegen § 17 und § 18 Tierschutzgesetz sowie § 12 Tierschutz-Schlachtverordnung (TierSchlV). Die Beschuldigten fischen auf der Elbe vor allem Stinte und verarbeiten sie in ihrem Restaurant.
„Fische aus dem Wasser zu ziehen und einfach ersticken zu lassen, ist kein Kavaliersdelikt, sondern grausam und zudem auch ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz“, so Meeresbiologin Dr. Tanja Breining, Fachreferentin für Wassertiere bei PETA.
Fische spüren Schmerz und brauchen unseren Schutz
Fische sind neugierige, fühlende Wirbeltiere mit individuellen Persönlichkeiten. Sie haben ein komplexes Sozialleben und kommunizieren mittels vielfältiger Laute, über Körpersprache und Gerüche. Außerdem schließen sie Freundschaften, lernen, geben ihr Wissen weiter und beschützen ihren Nachwuchs. [1] Internationale wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren. Auch das Friedrich-Loeffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, kommt in seiner Stellungnahme für die Bundesregierung zu dem Schluss, dass „Fische zur Schmerzwahrnehmung fähig sind und entsprechend als sensible Lebewesen behandelt und geschützt werden sollten“. [2]
Forschung zeigt: Fische sind hochintelligent
Studien ergaben, dass Putzerfische ihr Gesicht auf Fotos und im Spiegel wiedererkennen [3] und Seebrassen Tauchende an der Farbe ihrer Ausrüstung voneinander unterscheiden können. [4] Forschende der Universität Bonn fanden heraus, dass Fische addieren und subtrahieren können. [5] Professorin Dr. Vera Schlüssel folgert aus den Experimenten, dass Menschen andere Tierarten tendenziell unterschätzen – besonders jene, die nicht zu den Säugetieren zählen. [6] Eine Studie von Februar 2026 zeigt außerdem, dass Putzerfische (Labroides dimidiatus) nicht nur ihr Spiegelbild erkennen, sondern auch mit dem Spiegelbild interagierten, indem sie ein Stück Nahrung benutzten. Dieses Verhalten gilt als „Kontingenzprüfung“ und deutet auf hohe kognitive Fähigkeiten hin. Es wurde auch bei Delfinen beobachtet. [7]
Strafbar macht sich, wer einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt. Die Fische ersticken langsam und qualvoll. Nach der TierSchlV müssen Fische vor der Tötung betäubt werden, und zwar so, dass sie schnell und unter Vermeidung von Schmerzen und Leiden in einen bis zum Tod anhaltenden Zustand der Empfindungs- und Wahrnehmungslosigkeit versetzt werden. Lebende Fische dürfen nur in Behältern aufbewahrt werden, deren Wasservolumen den Tieren ausreichende Bewegungsmöglichkeiten bietet. „Tötung durch Ersticken“ ist keine zugelassene Tötungsmethode.
Der Stint (Osmerus eperlanus) ist ein Meeresfisch, der in den Küstengewässern Europas von der Ostsee bis zum Golf von Biskaya heimisch ist. In der Laichzeit zwischen Februar und März wandern Gruppen der Tiere in die Nebenarme großer Flüsse, um ihre Eier auf sandigem oder kiesigem Grund abzulegen.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
