Video: Pinguin im Zoo am Meer Bremerhaven von Artgenossen getötet – Kinder werden Zeugen der tödlichen Attacke | PETA prüft Strafanzeige

Pinguine beugen sich über einen Artgenossen im Zoo am Meer Bremerhaven

– PETA wurde ein Video aus dem Zoo am Meer Bremerhaven zugespielt. Es zeigt, wie ein Humboldt-Pinguin von zwei seiner Artgenossen angegriffen wird. Laut hinweisgebender Person sollen mehrere Kinder anwesend gewesen sein, als das Tier mit blutenden Augen- und Kopfverletzungen in der Ecke des Geheges lag und weiter attackiert wurde. Mittlerweile hat der Zoo bestätigt, dass die Seevögel den Pinguin namens Linkspfeil getötet haben. Der Meldung zufolge sei das Zoopersonal mehrfach von den Geschehnissen unterrichtet worden, es habe jedoch fast eine halbe Stunde gedauert, bis Verantwortliche eingegriffen hätten. Die Tierrechtsorganisation hat das zuständige Veterinäramt in Bremen informiert und prüft derzeit, ob sie Strafanzeige erstattet. PETA fordert die Einrichtung auf, die Pinguinhaltung über einen Zucht- und Importstopp auslaufen zu lassen.

„Wenn Kinder miterleben müssen, wie ein Pinguin von Artgenossen getötet wird, bröckelt die Fassade der vermeintlich idyllischen Zoowelt. Da die Tiere dort auf engstem Raum und ohne ausreichende Ausweichmöglichkeiten zusammenleben müssen, sind Konflikte vorprogrammiert“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Zoos dürfen solche Vorfälle nicht länger verharmlosen. Die Haltung und Zucht von Pinguinen in Gefangenschaft trägt in keiner Weise zum Artenschutz bei und muss beendet werden.“

Die hinweisgebende Person wirft dem Zoo vor, trotz wiederholter, dringender Hinweise durch Zoobesucher nicht schnell genug gehandelt zu haben. PETA hat eine Stellungnahme des Zoos am Meer Bremerhaven angefragt, erhielt aber bislang keine Antwort.

Pinguine beugen sich über einen Artgenossen im Zoo am Meer Bremerhaven

Screenshot: PETA zugespieltes Material zeigt, wie zwei Humboldt-Pinguine im Zoo am Meer Bremerhaven ihren Artgenossen töten. / © PETA Deutschland e.V.

Dieses und zwei weitere Bilder können hier heruntergeladen werden.

Videomaterial stellen wir auf Anfrage zur Verfügung.

PETA hat gegen den Zoobetrieb in Bremerhaven bereits im Juni eine Straf- und Ordnungswidrigkeitenanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bremen, Zweigstelle Bremerhaven, eingereicht. Diese bezog sich auf die Tötungen von Fischen und einem Schimpansenbaby ohne „vernünftigen Grund“ sowie der nicht artgerechten Haltung eines Oktopus.

Beengte Haltung und Stress können Konflikte eskalieren lassen
Revierverteidigung und aggressive Auseinandersetzungen gehören zwar zum natürlichen Verhalten von Humboldt-Pinguinen. Allerdings können sie in freier Wildbahn Konflikten ausweichen, indem sie ihren Abstand vergrößern oder den Brutplatz wechseln. In Zoogefangenschaft werden ihnen diese Möglichkeiten erschwert. Die beengten Gehege können dazu führen, dass Auseinandersetzungen eskalieren und tödlich enden. Eine Studie an Zwergpinguinen deutet zudem darauf hin, dass die Tiere in Gefangenschaft durch die Anwesenheit des Zoopublikums gestresst werden und dies zu erhöhter Aggressivität gegenüber ihren Artgenossen führen kann. [1]

Zoos können den Bedürfnissen von Pinguinen nicht gerecht werden
Pinguine haben hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, die von einer zoologischen Einrichtung kaum erfüllt werden können. Die flugunfähigen Seevögel leben überwiegend in den kalten Klimazonen der südlichen Hemisphäre. In freier Natur jagen Humboldt-Pinguine in Gruppen, schwimmen mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Kilometern pro Stunde durch das offene Meer und tauchen bis zu 50 Meter tief. All dies wird ihnen in Gefangenschaft verwehrt. Die hohe Stressanfälligkeit von Pinguinen wurde vielfach beschrieben. [2] Im Zoo von Scarborough in Großbritannien erhielten Humboldt-Pinguine 2014 sogar Psychopharmaka, um ihr Stressniveau zu senken. [3] PETA kritisiert, dass Tiere dennoch zu Schauzwecken in Zoos gehalten werden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Sherwen, S. L. et al. (2015): Little penguins, Eudyptula minor, show increased avoidance, aggression and vigilance in response to zoo visitors. Applied Animal Behaviour Science, 168, 71–76. Online abrufbar unter: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0168159115001215. (24.07.2026).
[2] ntv (2012): Pinguine leiden unter Stress. Online abrufbar unter: www.n-tv.de/wissen/Pinguine-leiden-unter-Stress-article6695806.html. (24.07.2026).
[3] Die Welt (2014): Wetterstress: Britische Pinguine erhalten Antidepressiva. Online abrufbar unter: welt.de/newsticker/news1/article124628025/Wetterstress-Britische-Pinguine-erhalten-Antidepressiva.html. (24.07.2026).

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