Nach Tod von Oktopus, Seehasen und Schimpansenbaby: PETA erstattet Strafanzeige gegen den Zoo Bremerhaven

Bereits vergangenes Jahr erhielt PETA eine Whistleblower-Meldung, einschließlich Bild- und Videomaterial, über den Zoobetrieb in Bremerhaven. Die Hinweise betrafen zum einen das Aquarium und zum anderen die Tötung eines Schimpansenbabys im September 2025. Im Fall mehrerer „Seehasen“, Fische der Art Cyclopterus lumpus, eines Oktopus sowie dieses Schimpansenkindes besteht der Verdacht sowohl der Strafbarkeit als auch Ordnungswidrigkeit nach dem Tierschutzgesetz. Die Tierrechtsorganisation hat deshalb am 3. Juni eine Straf- und Ordnungswidrigkeitenanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bremen, Zweigstelle Bremerhaven, eingereicht.

„Wildfänge aus dem Meer in Aquarien zu sperren sowie die Zucht von Oktopussen und die Tötung von Fischen, Schimpansen und anderen Tieren müssen beendet werden“, so Meeresbiologin Dr. Tanja Breining, Fachreferentin für Wassertiere bei PETA. „Es ist höchste Zeit, dass der Zoo Bremerhaven sich modernisiert und auf in Gewässern installierte Webcams und virtuelle Angebote umstellt, für die kein Tier mehr leiden muss.“

Fische und Schimpansenbaby ohne vernünftigen Grund getötet

Zwischen 2020 und 2025 wurden im Zoo Bremerhaven laut der Tabelle des Veterinäramts Bremen 118 Seehasen als „Todesfälle“ oder „Abgang“ gelistet. Fotos der Fische im Zoo, die PETA anonym zugeschickt wurden, zeigen, dass die Tiere eine Pilzinfektion aufweisen. Diese seien laut der meldenden Person nicht lebensgefährlich, sondern hauptsächlich kosmetisch störend gewesen. Ob dem tatsächlich so ist, gilt es jetzt durch die Staatsanwaltschaft zu ermitteln. Die Tiere wurden getötet. Daher besteht der Verdacht einer Strafbarkeit nach § 17 Nr. 1 TierSchG. Danach macht sich strafbar, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet.

Derselbe Verdacht besteht im Fall eines Schimpansenbabys, das am Morgen des 6. September 2025 getötet wurde. Das erst zwei Tage alte Tier sei, nach Angaben des Zoos, von seiner Mutter „Lizzy“ nicht angenommen worden. Die Zooleitung berief sich später auf das Ergebnis des Obduktionsberichts, wonach das Neugeborene eine bakterielle Infektion sowie Fruchtwasser in der Lunge aufgewiesen haben soll. Die Tötung kann aber nicht mit dem Ergebnis der Obduktion gerechtfertigt werden, denn zu diesem Zeitpunkt lagen die Informationen noch nicht vor. Eine Tötung, die ohne die vorherige Vergewisserung erfolgt, dass erhebliche, nicht behebbare Schmerzen oder Leiden vorliegen, ist rechtswidrig. Eine tiermedizinische Versorgung und die sogenannte Handaufzucht hätten den Tod des Schimpansenbabys möglicherweise unnötig gemacht.

Oktopus elf Monate lang nicht artgerecht gehalten

Darüber hinaus kam es im Januar 2025 zum altersbedingten Tod eines im Zoo Bremerhaven gehaltenen Oktopus. Zuvor wurde bereits im Frühjahr 2024 ein weiterer Oktopus als „Ersatz“ erworben. Der jüngere Oktopus habe laut Hinweisen bis zum Tod des älteren Tieres etwa elf Monate in einem Becken hinter den Zookulissen gelebt, bevor er in das Becken des älteren, nun verstorbenen Oktopus einziehen konnte. Die Hinweise muss die Staatsanwaltschaft nun prüfen. Das Übergangsbecken habe kaum Rückzugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten geboten und sei sehr klein gewesen. Hier sieht PETA einen möglichen Verstoß gegen § 18 Abs. 2 TierSchG. Danach handelt ordnungswidrig, wer einem Tier ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt. Die Haltungsbedingungen im Übergangsbecken waren nicht artgerecht.

Kraken sind Meeresgenies und Verwandlungskünstler

Wissenschaftler der London School of Economics and Political Science haben nachgewiesen, dass Kraken hochintelligente und schmerzempfindliche Tiere sind, die Gefühle wie Freude, Angst und Aufregung empfinden. [1] Kraken können nicht artgerecht in Gefangenschaft gehalten werden. Die neugierigen Tiere erkunden ständig ihre Umgebung und benötigen vielfältige Reize sowie Beschäftigungsmöglichkeiten. In kahlen Becken leiden sie unter Stress und Unterforderung. Kraken sind intelligent und anpassungsfähig genug, um wieder ausgewildert zu werden.

Menschenaffen-Mütter verstoßen in Gefangenschaft oft ihre Babys

Da die Zoohaltung nichts mit der natürlichen Umgebung frei lebender Menschenaffenfamilien zu tun hat, verstoßen Menschenaffen-Mütter in Gefangenschaft immer wieder ihre Babys. Zudem sind in deutschen Zoos seit Anfang 2010 mindestens 32 junge Menschenaffen gestorben. Die Todesursachen sind häufig Infektionen. Die Einrichtungen können keine Auswilderungen bei Menschenaffen vorweisen – in Gefangenschaft haben die Tiere nahezu keine Möglichkeit, Verhaltensweisen zu erlernen, die in der Natur überlebensnotwendig sind.

Die Motive können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1][1] Birch, Jonathan; Burn, Charlotte; Schnell, Alexandra; Browning, Heather; Crump, Andrew (2021): Review of the Evidence of Sentience in Cephalopod Molluscs and Decapod Crustaceans. Birch, Jonathan; Burn, Charlott[1] Birch, Jonathan; Burn, Charlotte; Schnell, Alexandra; Browning, Heather; Crump, Andrew (2021): Review of the Evidence of Sentience in Cephalopod Molluscs and Decapod Crustaceans.e; Schnell, Alexandra; Browning, Heather; Crump, Andrew (2021): Review of the Evidence of Sentience in Cephalopod Molluscs and Decapod Crustaceans.

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