Horror-Einsatz von „Polizeipferden“ bei Ausschreitungen nach DFB-Pokalspiel in Mannheim: PETA erstattet Anzeige beim Veterinäramt 

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Beim DFB-Pokalspiel Waldhof-Mannheim gegen den 1. FC Kaiserslautern kam es am Freitagabend zu gewaltvollen Ausschreitungen nach Abpfiff des Spiels. Die Polizei griff ein. Auch vier Pferde kamen zum Einsatz. Diese wurden mit Pyrotechnik beschossen. Weil die Tiere so großem Stress und somit auch Leid ausgesetzt waren, erstattete PETA heute Anzeige beim Veterinäramt Mannheim gegen die unbekannten Pyrotechnik-Werfer sowie die Reiter der Polizei beziehungsweise die für den Pferdeeinsatz verantwortlichen Beamten. Weiter fordert die Tierrechtsorganisation Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel auf, den Einsatz von Pferden im Polizeidienst zu verbieten.

„Der Einsatz der Pferde auf dem Spielfeld war nicht nur völlig sinnlos, sondern hat die Tiere auch unnötig in Gefahr gebracht“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin bei PETA. „Die sensiblen Fluchttiere als Abschreckung zu benutzen, ist moralisch einfach nicht vertretbar. Gute Polizeiarbeit kommt ohne Pferde aus. Die Polizei Mannheim sollte es den Kollegen in Hamburg nachtun und ihre Reiterstaffel abschaffen und den Tieren so den blanken Horror bei Einsätzen ersparen.“

Wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, werde die Polizei Hamburg von Ende 2027 an keine Reiterstaffel mehr haben. Die Einheit werde aus Kosten- und Personalgründen aufgelöst. [1]

Bewiesene Tierquälerei bei der Reiterstaffel Mannheim

Im März 2024 wurden zwei Mannheimer Polizisten wegen des Missbrauchs von Pferden für schuldig befunden. Die Beamten der Mannheimer Reiterstaffel hatten Pferde geschlagen und anderweitig misshandelt. Des Weiteren hat ein Beamter über Tage hinweg eine Paste auf Pfefferbasis am Trog eines Dienstpferdes angebracht, vermutlich um eine als „Koppen“ bezeichnete Verhaltensstörung zu unterbinden. Ein Polizist wurde zu 80 Tagessätzen à 115 Euro verurteilt. Sein Kollege erhielt eine Strafe von 140 Tagessätzen à 100 Euro. Er ist damit offiziell vorbestraft und erhielt eine Eintragung ins polizeiliche Führungszeugnis. Zudem wurde ihm der berufsmäßige Umgang mit Tieren jeder Art für zwei Jahre verboten.

Sensible Tiere werden gezwungen Fluchtinstinkt zu unterdrücken

Pferde sind sensible Fluchttiere, die bei der Polizei mit einem harten und brutalen Training dazu gezwungen werden, ihre natürlichen Fluchtinstinkte zu unterdrücken. Sie werden bei Demonstrationen, Fußballspielen, Festumzügen und Fahndungen eingesetzt. Die großen und imposanten Tiere sollen eine einschüchternde Wirkung haben und so potenziellen Unruhen vorbeugen. Pferde sind wie alle Tiere aber letztendlich unberechenbar. Es kann immer passieren, dass sie sich doch erschrecken, sich dann aufrichten oder flüchten. Nur durch ein einziges Ereignis in der Vergangenheit kann die Angstreaktion eines Pferdes geprägt und selbst bei geringer Provokation wieder ausgelöst werden. So wurde 2015 ein Polizeipferd in Allach von einem Hund erschreckt und rannte in Panik los, sodass die reitende Polizistin stürzte und sich schwer verletzte. [2]

Eine Studie hat gezeigt, dass trainierte Pferde, die nach außen hin nur sehr geringe Angstreaktionen zeigen, dennoch ein hohes Stresslevel und eine hohe Herzschlagfrequenz aufweisen. Wenn ein Pferd erschreckt und der Reiter nicht in der Lage ist, die Situation zu händeln, steigen Stressfaktor und Angst des Pferdes noch zusätzlich an. [3] Unkontrollierte Angstreaktionen verursachen nicht nur Unfälle, sie können auch zur „Untauglichkeit“ führen, was für die meisten Tiere den Tod im Schlachthof bedeutet.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Spiegel, 20.08.2026: Hamburger Polizei schafft ihre Reiterstaffel ab. Online abrufbar unter: https://www.spiegel.de/panorama/hamburg-polizei-schafft-ihre-reiterstaffel-ende-2027-ab-a-c1e52cfd-6e2a-4282-8a5c-44f5d7b36cd2. (24.08.2026)
[2] München TV, 02.11.2015: Verletzte Polizistin: Dobermann attackiert Polizeipferd. Online abrufbar unter: https://www.muenchen.tv/verletzte-polizistin-dobermann-attackiert-polizeipferd-135688/#. (24.08.2026)
[3] Munsters, C. C.B.M.; van den Broek, J.; van Weeren, R.;van Oldruitenborgh-Oosterbaan, M. M. S. (30.05.2012): The effects of transport, riot control training and night patrols on the workload and stress of mounted police horses, in: Applied Animal Behavior Science 143 (2013) 52-60.

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