Melle: Hochgiftige Schlange beißt Mann – PETA fordert Haltungs- und Verkaufsverbot für gefährliche Wildtiere

PETA Logo

Ein 33-jähriger Mann aus Melle wurde am vergangenen Freitag in seiner Wohnung von einer Klapperschlange gebissen als er sie füttern wollte. Laut einem Medienbericht musste er mit einer schweren Vergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden und schwebte in Lebensgefahr. Auch eine Vogelspinne fanden Polizeibeamte in seiner Wohnung. Das Veterinäramt nahm beide Tiere in Obhut. Ob der Man eine Genehmigung für die Haltung der Klapperschlange hatte, sei bislang unklar. Im Hinblick auf Vorfälle wie diesen fordert PETA Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer auf, endlich ein bundesweites Verbot für den Handel und die Privathaltung von „exotischen“ Wildtieren auf den Weg zu bringen.

„Der erschütternde Vorfall in Melle zeigt einmal mehr, dass Wildtiere nichts in Privathand zu suchen haben“, sagt Monic Moll, Fachreferentin bei PETA. „Obwohl die anspruchsvollen und teilweise auch gefährlichen Tiere in Privathaushalten niemals artgerecht gehalten werden können, sind sie auf Tierbörsen und im Internet mit einem Klick regelmäßig frei verkäuflich. Immer wieder sind Halter schnell überfordert, setzen die Tiere aus oder lassen sie einfach sterben. Zum Schutz von Mensch und Tier muss in Deutschland endlich die Haltung und der Verkauf ‚exotischer‘ Tiere verboten werden.“

PETA fordert generelles Haltungsverbot von Wildtieren in Privathaushalten

Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass der Kauf von gefährlichen und anspruchsvollen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen noch immer erlaubt ist. In der Folge brechen jedes Jahr Hunderte aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Personen einfach ausgesetzt. Tierheime und Tierauffangstationen sind häufig überfüllt mit Wildtieren, die einen besonders großen Anspruch an ihren Lebensraum haben. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten. [1]

Das Ergebnis einer Studie, welche vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) 2020 vorgestellt wurde, bestätigt zudem, dass der Handel mit „exotischen“ Wildtieren zum weltweiten Artensterben beiträgt und dass besonders aus Gründen des Arten- und Naturschutzes dringend entsprechend gehandelt werden muss.

Auch ungiftige Wildtiere können gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von „exotischen“ Tieren her. [2]

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress.
[2] Robert Koch-Institut (2013): Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.

Kontakt

Kontakt
Kopieren