Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat das Ermittlungsverfahren gegen Verantwortliche der Wilhelma eingestellt. PETA hatte im Januar 2025 Strafanzeige erstattet, nachdem die Tierrechtsorganisation bei Besuchen im Juli und Oktober 2024 Verhaltensauffälligkeiten bei mehreren Tieren dokumentiert hatte. Bei ihrer Entscheidung folgte die Staatsanwaltschaft den Einschätzungen der zuständigen Amtstierärztin und sah keinen Anfangsverdacht für eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz. Aus Sicht von PETA ist insbesondere problematisch, dass keine unabhängige verhaltensbiologische oder tiermedizinische Begutachtung durch externe Sachverständige erfolgte. Die Ermittlungen zum Flügelstutzen bei Flamingos laufen hingegen weiterhin.
„Wenn Tiere Verhaltensauffälligkeiten zeigen – wie im Fall der Elefantinnen sogar seit Jahren – darf dies nicht einfach als belanglos abgetan werden. Wir bedauern sehr, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart die Ermittlungen eingestellt und dieses offensichtliche Tierleid als nicht strafrechtlich relevant eingestuft hat“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Besonders besorgniserregend ist, dass kein externes Gutachten eingeholt wurde. Wir drängen weiter darauf, dass nun zumindest das tierschutzwidrige Flügelstutzen geahndet und beendet wird.“
PETA appelliert an alle Menschen, Zoos und Tierparks nicht zu besuchen und keine Einrichtungen zu unterstützen, die Tiere zu Unterhaltungszwecken einsperren. Die Tierrechtsorganisation setzt sich für ein Ende der Haltung von Tieren in Zoogefangenschaft ein.
PETA-Recherchen dokumentieren Tierleid in der Wilhelma
Seit Jahren erhält PETA immer wieder Whistleblower-Meldungen von eklatanten Missständen in der Wilhelma in Stuttgart. Die Tierrechtsorganisation machte sich deshalb im Juli 2024 gemeinsam mit Rapper Pikayzo ein Bild von der Lage. Im Oktober 2024 folgte eine weitere Recherche durch PETA. Dabei dokumentierte die Tierrechtsorganisation unter anderem Flamingos, die durch das tierschutzwidrige Stutzen ihrer Flügel flugunfähig gemacht wurden, sowie Verhaltensauffälligkeiten bei mehreren Tieren. Elefanten zeigten sogenanntes Weben, Reptilien liefen wiederholt gegen Glasscheiben und Menschenaffen rissen sich Haare aus und verzehrten ihren eigenen Kot. Anhand der Missstände geht PETA davon aus, dass den Tieren durch ihre Haltungsform länger anhaltende erhebliche Leiden zugefügt wurden und werden. Die Tierrechtsorganisation erstattete deshalb im Januar 2025 bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart Strafanzeige (Az. 172 UJs 400/25).
Unabhängig von dem nun eingestellten Verfahren sind die Ermittlungen zu den Flamingos der Wilhelma noch nicht abgeschlossen. Die Vorwürfe zum Flügelstutzen wurden von der Staatsanwaltschaft in ein separates Verfahren überführt.
Zoos bedeuten Tierleid
Ob verhaltensgestörte Tiere, das Verstümmeln von Vögeln oder das Einsperren von Menschenaffen und Elefanten: Zoos und Tierparks bedeuten Tierleid. PETA setzt sich grundsätzlich dafür ein, die Zucht und Haltung von Tieren in Zoo-Gefangenschaft zu beenden, weil die artwidrigen Haltungsbedingungen unweigerlich Tierleid verursachen. Die Tierrechtsorganisation fordert, finanzielle Mittel stattdessen direkt in den Schutz der natürlichen Lebensräume zu investieren.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
