Geschlagen, durstig und erschöpft: Aktuelle PETA-Recherche zeigt erneut, wie die Maultiere und Esel auf Santorini bei sengender Hitze als „Touristen-Taxis“ missbraucht werden

Aktivistin und Eseltreiber

Anhaltender Missbrauch: Über 500 Stufen sind es vom Hafen von Firá auf Santorini hinauf zur Altstadt. Zahlreiche Touristen lassen sich die Strecke von den Maultieren und Eseln vor Ort tragen. Eine aktuelle PETA-Recherche zeigt, wie sehr die Tiere darunter leiden. Sie werden routinemäßig mit Stockschlägen angetrieben und wirken erschöpft und apathisch, während bei hohen Temperaturen Menschen aller Gewichtsklassen auf ihren Rücken sitzen. Die Schattenplätze sind rar, die Wasserstellen ebenso. Viele der Tiere haben Narben von Verletzungen. Bei einer Aktion der Tierrechtsorganisation am 4. September wurden Aktivistinnen von mehreren Eseltreibern angegriffen. PETA appelliert nun zum wiederholten Mal an die Gemeinde und die griechische Regierung, die „Eseltaxis“ zu verbieten. Zudem bittet PETA Reisende, stattdessen tierfreundliche Alternativen wie die direkt neben der Karavolades-Treppe gelegene Seilbahn zu nutzen.

„Die aktuellen Aufnahmen zeigen, dass sich für die Tiere trotz jahrelanger Kritik wenig geändert hat“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsindustrie. „Während über den Angriff auf unsere Aktivistinnen gesprochen wird, werden die Esel und Maultiere auf Santorini weiterhin für touristische Zwecke ausgebeutet und müssen dabei Tag für Tag Schläge dieser gewaltbereiten Menschen fürchten. Genau deshalb braucht es endlich einen Ausstieg aus den sogenannten Eselritten und den Umstieg auf moderne, tierfreundliche Alternativen.“

Eseltaxi auf Santorini
Esel als Taxi für Touristen
Aktivistin und Eseltreiber

Die Eseltreiber scheuchen die Tiere stetig mit Schlägen eines Stockes weiter. / © PETA Deutschland e.V.

Einige Esel zeigen Verhaltensauffälligkeiten und scheinen apathisch. / © PETA Deutschland e.V.

Bei einer Aktion gegen das Leid der Esel auf Santorini wurde eine PETA-Aktivistin von einem Eseltreiber geschlagen. / © PETA Deutschland e.V.

Diese und weitere Fotos und Videos stehen Ihnen hier zum Download zur Verfügung:

PETA-Aktion und Angriff auf Aktivistinnen: Fotos, Videos

Leidende Esel auf Santorini: Fotos

Die PETA-Aktivistinnen konnten vor Ort beobachten, wie die Eseltreiber die Tiere während des Auf- und Abstiegs sowie an den Warteplätzen äußerst brutal behandelten. Die Esel und Maultiere konnten zum Teil nicht in Ruhe urinieren oder koten, sondern wurden stetig mit Schlägen weitergescheucht. Fotos zeigen, wie einige Maultiere die Mauer ableckten, an der sie angebunden waren. Dies kann auf Wasser- beziehungsweise Nährstoffmangel hindeuten oder eine Verhaltensstörung darstellen. Wasserstellen für die Tiere waren nur jeweils am Beginn und Ende der Treppe zu sehen. Zu ihnen hatten die Maultiere und Esel allerdings keinen freien Zugang. Denn ein Großteil der Tiere wurde auch auf Zwischenabschnitten der Treppe angebunden, teils in der prallen Sonne. Ein altes Tier schien in einem schlechten körperlichen Zustand zu sein und hatte einen deutlich eingefallenen Rücken, der auf hohe Traglast zurückzuführen sein könnte, sowie eine geschwulstartige Wucherung in der Achselhöhle.

Missstände bereits seit 2018 bekannt

PETA veröffentlicht bereits seit 2018 immer wieder Augenzeugenberichte und Fotos, die Tiere mit schmerzhaften Abschürfungen und Wunden zeigen – verursacht durch schlecht sitzende und abgenutzte Sättel oder provisorische Sattelgurte. Auch das Zaumzeug der Tiere ist oftmals ungeeignet. Manche Esel und Maultiere weisen mit Fliegen übersäte Wunden auf. Während die sensiblen Lebewesen gezwungen werden, in der Sonne auszuharren und auf die nächste Tour zu warten, stellen ihnen die Treiber oftmals nicht einmal essenzielle Dinge wie Wasser, Schattenplätze oder einen Witterungsschutz zur Verfügung. Außerdem stolpern viele Tiere auf den Stufen – oft, nachdem sie mit einem Stock geschlagen wurden –, eine Gefahr für sie selbst sowie alle beteiligten Menschen. Die tierschutzwidrigen Zustände sind seit 2018 wiederholt dokumentiert und 2022 gutachterlich bestätigt worden. 2023 hat PETA zusammen mit der griechischen Organisation Ippothesis – Panhellenic Equine Welfare Society Strafanzeige sowohl gegen die Tierhalter und Eseltreiber als auch gegen die lokalen Behörden erstattet. Trotz zahlreicher Hinweise auf systematische Tierquälerei wurde das Verfahren inzwischen eingestellt. Lediglich gegen einen Tierhalter wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

PETA fordert Verbot aller Esel- und Maultierritte

Keine der von der Regierung ergriffenen Maßnahmen zum Schutz der Tiere wird ausreichend überwacht oder durchgesetzt – und Fehlverhalten wird nur selten geahndet. Deshalb fordert PETA ein Verbot touristischer Ritte auf Santorini. Als Alternative hat PETA angeboten, die Anschaffung sogenannter Exoskelette – mechanische Gehhilfen – finanziell zu unterstützen, sollten die Eselritte eingestellt werden. Die verbleibenden etwa 100 Esel und Maultiere sollen an sichere Orte wie geeignete Auffangstationen übergeben werden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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