Medienberichten zufolge sind im Freizeitbad „Spreewelten“ in Lübbenau innerhalb weniger Wochen acht Pinguine verstorben. Demnach erlagen sieben der Wasservögel einer viszeralen Gichterkrankung, ein weiterer starb an den Folgen eines Revierkampfes. Weitere Todesfälle können nicht ausgeschlossen werden. Die viszerale Gicht ist eine seltene Erkrankung, bei der sich Harnsäurekristalle in den Organen absetzen. Eine mögliche Ursache für die Krankheit kann eine falsche Ernährung in Gefangenschaft sein. Auch tödlich endende Revierkämpfe kommen in der Natur kaum vor. PETA wandte sich heute daher erneut schriftlich an die Leitung und forderte einen Haltungsstopp der Humboldt-Pinguine im Wellnessbad. Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation könnten Webcams oder VR-Tauchbrillen einen viel besseren Einblick in die natürliche Welt der Pinguine ermöglichen, als die meist verhaltensgestörten Tiere in Gefangenschaft.
„Humboldt-Pinguine sind in südamerikanischen Gewässern zuhause. In deutschen Wellnessbädern können sie weder artgerecht tauchen, noch brüten oder jagen,“ so Tanja Breining, PETAs Fachreferentin für Wasserbewohner. „Spätestens jetzt nach den aktuellen Todesfällen muss die Haltung der sensiblen Wasservögel endlich beendet werden. Die verbleibenden Pinguine sollten in ein artgerechtes Zuhause übermittelt werden, idealerweise in einer südamerikanischen Auffangstation.“
Hintergrundinformationen
Seit 2008 hält das Freizeitbad „Spreewelten“ Humboldt-Pinguine als vermeintliche Besucherattraktion, seitdem kam es immer wieder zu Todesfällen unter den Tieren. Bereits 2018 starben vier Pinguine, als ein Wildtier – vermutlich ein Fuchs – in die Anlage eingedrungen war und die Vögel tötete. Zudem züchten die Inhaber die Tiere und verscherbeln den Nachwuchs in alle Welt wie nach Philadelphia, Seoul und Antalya. Nachdem PETA außerdem mehrere Besucherbeschwerden erreichten, forderte die Tierrechtsorganisation die Geschäftsführung 2019 in einem Schreiben auf, die Pinguinzucht umgehend einzustellen und die verbleibenden Tiere in eine naturnahe Auffangstation zu überführen. Selbst unter hohem Aufwand ist die Haltung der empfindlichen Tierart in einem Freizeitbad nicht mit dem Tierschutz vereinbar. Im Zoo vom britischen Scarborough erhielten Humboldt-Pinguine 2014 sogar Psychopharmaka, um ihr Stressniveau zu senken [1]. Lange Transporte, Veränderungen des Klimas und der Routine sowie die Begegnung mit einer neuen Gruppe können das Immunsystem der Pinguine schwächen und gelten als mögliche Faktoren für eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber Krankheiten. In der Natur brüten Humboldt-Pinguine in großen Kolonien und jagen in Gruppen. Die hervorragenden Schwimmer können bis zu drei Minuten lang und 60 Meter tief tauchen. In Gefangenschaft können sie ihr natürliches Verhalten dagegen niemals ausleben. Die saisonal wechselnden Ernährungsgewohnheiten der Tiere können in Gefangenschaft außerdem nur schwer nachgestellt werden. Auch ethisch ist es nicht vertretbar, den Badegästen – insbesondere Kindern – ein falsches Bild vom Umgang mit Tieren und deren Bedürfnissen zu vermitteln, indem man sie fernab von ihrer Heimat einsperrt.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
