Haltern am See / Stuttgart, 30. August 2019 – Tierschutzwidrige Zustände statt ländlicher Idylle: Bereits 2011 wurden gravierende Missstände in der Tierhaltung auf dem Prickings-Hof im nordrhein-westfälischen Haltern am See aufgedeckt, woraufhin PETA Anzeige gegen die Verantwortlichen erstattete. Nun ließ ein Zeuge der Organisation aktuelles Bildmaterial zukommen. Dieses zeigt unter anderem Ziegen mit einwachsenden Hörnern und vernachlässigten Hufen sowie ein auf der Weide zurückgelassenes, totes Lamm. Zudem bergen die Gehege und verkoteten Ställe zahlreiche Verletzungsgefahren. Anscheinend wurden die Tiere trotz des früheren Verfahrens auch in den vergangenen acht Jahren stark vernachlässigt. Daher erstattete PETA nun bei der Staatsanwaltschaft Essen erneut Strafanzeige gegen die Verantwortlichen des Prickings-Hofs und gegen die Verantwortlichen des zuständigen Veterinäramts Recklinghausen. Zudem fordert die Tierrechtsorganisation ein Tierhalteverbot für die Hofbetreiber.
„Aufgrund der aktuellen Bilder müssen wir leider davon ausgehen, dass sich die Zustände auf dem Prickings-Hof in den letzten Jahren um keinen Deut gebessert haben. Es ist unfassbar, dass das zuständige Veterinäramt nicht eingegriffen hat – wie kann es sein, dass nach nunmehr acht Jahren noch immer Tiere unter desolaten Bedingungen dort gehalten und derart vernachlässigt werden? Wir fordern eine angemessene Strafe und ein Tierhalteverbot für die Verantwortlichen“, so Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin und PETAs Fachreferentin für Tiere in der Ernährungsindustrie.
Von 2011 bis heute gravierende Missstände auf „Schau-Bauernhof“
Bereits 2011 berichtete PETA von desolaten Zuständen auf dem Prickings-Hof. Unter anderem litten Rinder an möglicherweise ansteckenden, juckenden Hauterkrankungen, die Klauen einiger Tiere waren vernachlässigt, die Haltungsbedingungen lebensverachtend. Zudem bargen die defekten und heruntergekommenen Einrichtungen erhebliche Verletzungsgefahren. Das aktuelle Bildmaterial eines Whistleblowers zeigt zu lange, teils aufgespaltene Hufe, ein totes Lamm auf der Weide sowie Ziegen und Rinder mit stark verformten, teilweise deutlich zu langen Hörnern. Die Fotos lassen bei mindestens einer Ziege vermuten, dass ein Horn bereits in den Hinterkopf einwächst oder zumindest Hautkontakt besteht. Das Horn könnte die Haut durchstoßen und infolgedessen zu inneren Gewebeschäden und Infektionen führen.
Hintergrundinformationen
PETAs frühere Anzeige wurde aufgrund diverser Ermittlungsfehler eingestellt; zum einen zogen sich die Ermittlungen auch aufgrund einer zivilgerichtlichen Drohgebärde des Angezeigten zeitlich in die Länge; zum anderen kündigte das Veterinäramt Recklinghausen Kontrollen auf dem Hof im Vorfeld an und informierte den Verantwortlichen dauerhaft über den Ermittlungsstand. Die aktuelle Strafanzeige der Tierrechtsorganisation beruht auf dem dringenden Verdacht, dass die Pflege der Tiere über einen erheblichen Zeitraum hinweg vollkommen vernachlässigt wurde und die Verantwortlichen das dadurch entstandene, länger anhaltende Leiden sowie erhebliche Schmerzen billigend in Kauf nahmen. Den zuständigen Mitarbeitern des Veterinäramts Recklinghausen wirft PETA vor, weder Auflagen noch Verbote erteilt zu haben und so möglicherweise ihrer Garantenpflicht gegenüber den Tieren nicht ausreichend nachgekommen zu sein. Die Amtsveterinäre hätten gegen die tierschutzrechtlichen Verstöße des Angezeigten vorgehen und auf diese Weise das Leid der Tiere beenden oder zumindest verringern können.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.
Zurückgelassenes totes Lamm auf der Weide. / © PETA Deutschland e.V.
Das Horn der Ziege wächst in die Haut ein. / © PETA Deutschland e.V.
Die Motive stehen hier zum Download zur Verfügung.
Weitere Informationen:
PETA.de/Prickingshof-2019
PETA.de/Prickingshof
PETA.de/Grausamkeitantieren
PETA.de/Whistleblower
Kontakt:
Carolin von Schmude, +49 711 860591-528, [email protected]


