Einem Medienbericht zufolge seien am 22. September in einem Stall im Saale-Orla-Kreis 124 Schweine qualvoll erstickt. In einem Abteil des Betriebs sei die Belüftung ausgefallen. Zudem sollen auch das Alarm- und Notlüftungssystem versagt haben. Ermittlungen zur genauen Ursache seien noch nicht abgeschlossen. PETA hat am 8. Oktober beim Landratsamt Saale-Orla-Kreis eine Ordnungswidrigkeitenanzeige gegen den Inhaber des Stalls erstattet. Zudem fordert die Tierrechtsorganisation die zuständige Behörde auf, mögliche Verstöße gegen die Konditionalitätsvorgaben zu prüfen. Konditionalität bedeutet, dass die Gewährung von EU-Subventionen an Auflagen, insbesondere zur Gewährleistung von Tierwohl-Mindeststandards, gekoppelt ist.
„124 Schweine ersticken qualvoll im Stall, vermutlich weil die Technik marode war oder nicht wie vorgeschrieben überprüft wurde. Ihr grausamer Tod darf nicht folgenlos bleiben: Wir fordern eine lückenlose Aufklärung sowie konsequente Sanktionen und die Rückforderung möglicherweise gezahlter Subventionen bei nachgewiesenen Verstößen“, so Julia Weibel, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft bei PETA. „Jährlich erhält die ausbeuterische Tierwirtschaft etwa 13 Milliarden Euro an Subventionen – Gelder, die dringend in eine zukunftsfähige, tierfreie Landwirtschaft umverteilt werden müssen.“
PETA weist darauf hin, dass vorhandene Beleuchtungs-, Lüftungs- und Versorgungseinrichtungen gemäß den Vorschriften der Tierschutz-Nutztierverordnung mindestens einmal täglich auf ihre Funktionsfähigkeit überprüft werden müssen. Für Notstromaggregate und Alarmanlagen gelten für die Überprüfung die technisch erforderlichen Abstände. Die Tierrechtsorganisation befürchtet, dass die Funktionsfähigkeit der Belüftungsanlage sowie der Alarmanlage nicht ordnungsgemäß überprüft worden sein könnte. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wären über 100 Schweine wegen eines vermeidbaren technischen Defekts gestorben.
Möglicher Verstoß gegen Konditionalität
Aus Sicht von PETA besteht der Verdacht, dass gegen die Anforderungen der Konditionalität, insbesondere gegen die „Grundanforderung an die Betriebsführung bezüglich des Schutzes landwirtschaftlicher Nutztiere“ (GAB) 11, verstoßen wurde. Die Einhaltung der Regelungen der Konditionalität, welche Mindeststandards beim Tierschutz vorschreiben, ist Voraussetzung für EU-Subventionen. Solche Subventionszahlungen stammen aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), dessen Ziel unter anderem die „Verbesserung des Tierwohls“ ist. Erhält der Betrieb entsprechende Subventionen und wird gegen diese vorgegebenen Auflagen verstoßen, können gegenüber der begünstigten Person Sanktionen verhängt oder Gelder gekürzt werden.
Milliarden an Agrarsubventionen – doch Kontrollen bleiben lückenhaft
PETA kritisiert, dass in Deutschland bislang viel zu selten ganzheitliche Kontrollen zur Einhaltung der Konditionalität durchgeführt werden. Laut EU-Recht müssen lediglich ein Prozent der subventionierten Betriebe stichprobenartig kontrolliert werden – bei rund 160.000 Betrieben mit Tierhaltung in Deutschland sind das gerade einmal rund 1.600 pro Jahr. [1] Selbst wenn Verstöße festgestellt werden, fallen Sanktionen meist sehr gering aus. Die EU verteilt jährlich Milliarden an Agrarsubventionen, doch die Überwachung der Einhaltung tierschutzrechtlicher Vorgaben bleibt lückenhaft.
PETA präsentiert Ausstiegsplan aus der Tierwirtschaft
Die tierhaltende Landwirtschaft gehört zu den ressourcenintensivsten und umweltschädlichsten Wirtschaftszweigen unserer Zeit. Es ist dringend eine Agrarwende hin zur tierfreien Landwirtschaft nötig, um das Leben künftiger Generationen zu sichern. PETA hat aus diesem Grund Ende Mai 2025 einen Strategieplan für den Ausstieg aus der Tierwirtschaft veröffentlicht und fordert die Politik damit zum Handeln auf.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
