Elmshorn: Schildkröte in Styroporbox ausgesetzt – PETA bietet 500 Euro Belohnung für Hinweise und fordert deutschlandweites Haltungsverbot von Wildtieren

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Laut einem Medienbericht haben Unbekannte in Elmshorn eine Schildkröte ausgesetzt. Ein Passant entdeckte sie am Samstag gegen 0:10 Uhr im Bereich des Probstendamms in Richtung Wedenkamp. Das Tier befand sich ich einer Styroporbox. Der Finder brachte die Schildkröte zum Polizeirevier Elmshorn, die sie an das Tierheim Elmshorn übergeben haben. Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer 04121/40920 entgegen. Anlässlich des Fundes fordert PETA Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer auf, Handel und Haltung von Wildtieren für Privatpersonen zu verbieten. Lediglich bestehende Haltungen sollten bis zum natürlichen Lebensende der Tiere fortgeführt werden dürfen.

PETA setzt Belohnung aus

Um den Fall aufzuklären, setzt die Tierrechtsorganisation eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für Hinweise aus, die zur rechtskräftigen Verurteilung der tatverantwortlichen Person oder Personen führen. Wer etwas beobachtet oder anderweitig mitbekommen hat, wird gebeten, sich bei der Polizei oder telefonisch unter 0711-8605910 oder per E-Mail bei der Tierrechtsorganisation zu melden – auch anonym.

„Ohne den aufmerksamen Finder hätte die Schildkröte vermutlich nicht lange überlebt. Sie einfach in einer Styroporbox zurückzulassen und ihren Tod in Kauf zu nehmen, ist tierschutzwidrig und muss bestraft werden“, so Monic Moll, Fachreferentin bei PETA. „Die Halter sind nach dem Kauf oftmals überfordert und setzen die Tiere daraufhin einfach aus. Für Reptilien kann dies zu einem qualvollen Tod durch fehlende Nahrung oder zu niedrige Temperaturen führen. Die Bundesregierung muss endlich handeln.“

PETA fordert generelles Haltungsverbot von Wildtieren in Privathaushalten

Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass der Kauf von gefährlichen und anspruchsvollen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen noch immer erlaubt ist. In der Folge brechen jedes Jahr Hunderte aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Personen einfach ausgesetzt. Tierheime und Tierauffangstationen sind häufig überfüllt mit Wildtieren, die einen besonders großen Anspruch an ihren Lebensraum haben. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten. [1]

Das Ergebnis einer Studie, welche vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) 2020 vorgestellt wurde, bestätigt zudem, dass der Handel mit Wildtieren zum weltweiten Artensterben beiträgt und dass besonders aus Gründen des Arten- und Naturschutzes dringend entsprechend gehandelt werden muss.

Auch wenn es sich um ungiftige Tiere handelt, können Wildtiere gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von „exotischen“ Tieren her. [2]

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress.
[2] Robert Koch-Institut (2013): Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.

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