Freiheit für Gänse, Enten und Frösche: PETA erstattet Strafanzeige gegen Düsseldorfer Restaurant Fleher Hof

Auf einem Steinboden liegen tote Froschkörper, deren Köpfe zum Teil abgetrennt sind

Das Restaurant Fleher Hof bietet sowohl Froschschenkel als auch Foie gras an. Für die Gerichte werden Enten, Gänse und Frösche derart misshandelt, dass die Produktion in Deutschland verboten ist. Schon der Import verstößt nach Auffassung von PETA gegen das Tierschutzgesetz. Die Tierrechtsorganisation appellierte im November und Januar an die Betreiber des Restaurants, die Tierqualprodukte von der Speisekarte zu streichen, erhielt jedoch keine Antwort. PETA hat daher letzte Woche bei der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf Strafanzeige gegen sie erstattet.

„Lebenden Fröschen die Beine abzuhacken und Vögeln gewaltsam ein Rohr in den Rachen zu stoßen und sie mit Getreidebrei zu mästen, bis ihre Leber auf ein Vielfaches anschwillt, ist grausam. Die Beihilfe zu dieser Tiermisshandlung ist strafbar – und zwar selbst dann, wenn die Tiere im Ausland gequält und getötet wurden“, so Biologin und PETA-Fachreferentin Dr. Tanja Breining.

Lebendig zerhackt

Da die „Herstellung“ von Froschschenkeln in Deutschland verboten ist, stammt der Großteil der in Europa erhältlichen Froschschenkel von freilebenden Tieren aus Indonesien, Vietnam und Südosteuropa. Eine kürzlich veröffentlichte Recherche von PETA Asien enthüllt die entsetzliche Tierquälerei hinter der „Produktion“ der Froschbeine in Indonesien. Die Aufnahmen zeigen, wie Frösche in der freien Natur gefangen und in überfüllten Säcken bis zu zwei Tage ausharren müssen – viele ersticken qualvoll. Den Überlebenden schneiden die Mitarbeitenden mit Messern in den Nacken oder zerstückeln sie teils bei lebendigem Leib. Auf Froschfarmen breiten sich Krankheiten aus und es kommt zu Kannibalismus, den Tieren werden Aphrodisiaka gespritzt, um die Fortpflanzung zu steigern.

Zwangsgestopft

Für die „Produktion“ von Foie gras werden überwiegend männliche Gänse und Enten „gemästet“, weil die Leber der weiblichen Tiere nicht die gewünschte Größe hat und zu viel Nervengewebe enthält. Jedes Jahr werden daher Millionen weiblicher Küken direkt nach der Geburt am Fließband aussortiert und getötet. Die männlichen Tiere werden mehrmals täglich durch ein Rohr, das ihnen in die Speiseröhre gestoßen wird, mit 450 Gramm bis 1 Kilogramm Getreidebrei „gestopft“. Dies lässt die Lebern der Vögel in nur 10 bis 18 Tagen auf das bis zu Zehnfache ihres Normalgewichts anschwellen. [1] Die Zwangsmast führt neben Verletzungen am Hals und in der Speiseröhre auch zu einer pathologischen Verfettung der Leber, Steatose genannt, sowie zu Atemnot, Knochenbrüchen, Leberblutungen und Herzversagen. Viele Tiere sterben daher bereits, bevor sie in den Schlachthof kommen. [2; 3] Hier werden sie elektrisch betäubt und ausgeblutet. Immer wieder kommt es vor, dass sie vor oder während des Ausblutens aufwachen und unter Schmerzen sterben. [4; 5]

Verkauf von Froschschenkeln und Foie gras ist Beihilfe zur Tierquälerei

Bereits beim Verkauf von Froschschenkeln oder Stopfleber handelt es sich um „Beihilfe zur Tierquälerei“, selbst wenn die Tiere im Ausland getötet und in Deutschland verkauft werden: Wie die Staatsanwaltschaft Koblenz PETA mitteilte, musste ein Unternehmen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz 500 Euro als Auflage an einen Tierschutzverein zahlen, wegen Beihilfe zur Tierquälerei. In Berlin erhob die Staatsanwaltschaft aus demselben Grund Anklage gegen einen Metzger. Laut Medienberichten drohen ihm bei einem Urteil eine Geldstrafe oder bis zu zwei Jahre und drei Monate Haft. [6]

PETA Deutschland begeht im Jahr 2024 ihr 30-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass fordert die Organisation, dass Tiere vor dem Gesetz als Personen, das heißt als Träger von schutzwürdigen Interessen, anerkannt werden und bestimmte Grundrechte erhalten. PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden.

Auf einem Steinboden liegen tote Froschkörper, deren Köpfe zum Teil abgetrennt sind
Lebendig zerhackt für eine vermeintliche Delikatesse – die „Produktion“ von Froschschenkeln ist immer grausam. / © PETA Asia

Diese und weitere Motive stehen hier zum Download zur Verfügung.

Quellen

[1] L214, Foie gras: Des oiseaux malades, online abrufbar unter: https://www.l214.com/stop-foie-gras/des-oiseaux-malades/ (22.01.2024).
[2] Scientific Committee on Animal Health and Animal Welfare (1998), Welfare Aspects of the Production of Foie Gras in Ducks and Geese, online abrufbar unter: https://web.archive.org/web/20201101073517/https:/ec.europa.eu/food/sites/food/files/safety/docs/sci-com_scah_out17_en.pdf (22.01.2024).
[3] Broom D. M., Rochlitz I. (2017), The Welfare of Ducks During Foie Gras Production, Animal Welfare, Vol. 26 n 2, p. 135-149.
[4] L214 (2022), La vérité sur le gavage, online abrufbar unter: https://www.l214.com/stop-foie-gras/le-gavage/ (22.01.2024).
[5] PETA USA: Foie gras in 60 seconds flat, online abrufbar unter: https://www.peta.org/media/psa/foie-gras-in-60-seconds-flat/ (22.01.2024).
[6] Berliner Morgenpost, 26.6.2023. Metzger importiert und verkauft Foie gras: Anklage erhoben. Online abrufbar unter: https://www.morgenpost.de/berlin/article238794453/Metzger-importiert-und-verkauft-Foie-gras-Anklage-erhoben.html. (22.01.2024).

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