Gänse und Enten können aufatmen: Butter Lindner verkauft keine Stopfleber mehr

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Butter Lindner hat den Verkauf von Stopfleber online sowie in allen Filialen beendet. Das Feinkostunternehmen mit Hauptsitz in Berlin hat Niederlassungen in Hamburg und Potsdam. PETA begrüßt die Entscheidung. Die Tierrechtsorganisation informierte Butter Lindner erstmals im Mai über die Qual der Vögel in der Stopfleberindustrie. Nachdem Butter Lindner zuerst bekannt gab, nur im Online-Handel Foie gras aus dem Angebot zu streichen, demonstrierte das freiwillige PETA Streetteam Berlin vor der Filiale am Wittenbergplatz. Zudem erstattete die Tierrechtsorganisation Anfang Juni gegen die Geschäftsführer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Berlin.

„Dass Butter Lindner Foie gras aus seinem Sortiment streicht, ist ein wichtiger Schritt für den Tierschutz in Berlin, Potsdam und Hamburg“, so Dr. Tanja Breining, Biologin und Fachreferentin bei PETA. „Wir appellieren an weitere Restaurants, Berlin und Hamburg zu stopfleberfreien Metropolen zu machen, denn Foie gras ist das kranke Organ eines gequälten Vogels.“

Gegenüber dem PETA Streetteam Berlin gab die Leitung der Berliner Filiale am Wittenbergplatz Mitte September an, dass Stopfleber vollständig aus dem Sortiment genommen wurde. Anfang November bestätigten auch die Filialen in Hamburg und Potsdam PETA auf telefonische Nachfrage den Verkaufsstopp des Tierqualprodukts.

Stopfleberhändler zahlte nach PETA-Anzeige Geldauflage

Ende 2022 musste erstmals ein von PETA angezeigter Händler gemäß Auflage der zuständigen Staatsanwaltschaft 500 Euro an einen gemeinnützigen Verein für Tierschutz zahlen. Die Einordnung als strafbare Beihilfe setzt nicht voraus, dass die Haupttat in dem Land, in dem sie begangen wurde – etwa in Frankreich – strafbar ist. Vielmehr ist es ausreichend, dass die Handlung des Haupttäters, also des Gänse- bzw. Entenmästers, gegen ein deutsches Strafgesetz verstößt und dazu in Deutschland eine Beihilfehandlung geleistet wurde. Dies ist aus PETAs Sicht der Fall. Die Herstellung von Stopfleber erfüllt den Straftatbestand der quälerischen Tiermisshandlung nach Paragraf 17 Nr. 2 lit. b des Tierschutzgesetzes. Die Beihilfehandlung ist in dem Erwerb und Verkauf von Stopfleber zu sehen, da hierdurch deren Herstellung und die damit einhergehende Tiermisshandlung veranlasst bzw. gefördert wird.

Zwangsmast lässt Leber der Tiere bis zum Zehnfachen anschwellen

Für die „Produktion“ von Foie gras werden überwiegend männliche Gänse und Enten „gemästet“, weil die Leber der weiblichen Tiere nicht die gewünschte Größe hat und zu viel Nervengewebe enthält. Allein in Frankreich werden aus diesem Grund jährlich über 13 Millionen weibliche Küken direkt nach der Geburt am Fließband aussortiert und getötet. Den männlichen Tieren wird mehrmals täglich ein Rohr gewaltsam in die Speiseröhre gestoßen, um sie mit 450 Gramm bis einem Kilogramm Getreidebrei zu „stopfen“. Dies lässt ihre Leber in nur 10 bis 18 Tagen auf das bis zu Zehnfache ihres Normalgewichts anschwellen. [1] Die Zwangsmast kann neben Verletzungen am Hals und in der Speiseröhre auch zu einer pathologischen Verfettung der Leber, Steatose genannt, sowie zu Atemnot, Knochenbrüchen, Leberblutungen und Herzversagen führen. Viele Tiere sterben daher bereits, bevor sie ins Schlachthaus kommen. [2; 3] Dort werden sie elektrisch betäubt und ausgeblutet. Immer wieder kommt es vor, dass sie vor oder während des Ausblutens aufwachen und bei Bewusstsein und unter Schmerzen sterben. [4; 5]

Stopfleber-„Produktion“ ist vielerorts verboten

Die „Produktion“ von Stopfleber ist so grausam, dass sie in vielen Ländern der EU verboten ist. Lediglich Frankreich, Spanien, Ungarn, Bulgarien und ein Teil von Belgien produzieren Foie gras. Brasilien erließ im Juli 2026 ein Import- und Verkaufsverbot. Auch in Argentinien, Indien, Israel, Australien, Kalifornien und der Türkei ist die Herstellung bereits untersagt. Zahlreiche Restaurants wie das HENRIKS in Hamburg und das Borchardt in Berlin haben Foie gras bereits ausgelistet. Auch in Frankreich gibt es auf offiziellen Empfängen der Städte Grenoble, Lyon, Straßburg und Villeurbanne keine Tierqualleber mehr zu essen, wie die Bürgermeister der Städte auf Anfrage von PETA Frankreich öffentlich bestätigten. In London hat König Charles III. Foie gras aus all seinen Palästen verbannt.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] L214: Foie gras: Des oiseaux malades. Online abrufbar unter: https://www.l214.com/stop-foie-gras/des-oiseaux-malades/. (03.11.2026).
[2] Scientific Committee on Animal Health and Animal Welfare (1998): Welfare Aspects of the Production of Foie Gras in Ducks and Geese. Online abrufbar unter: https://web.archive.org/web/20201101073517/https:/ec.europa.eu/food/sites/food/files/safety/docs/sci-com_scah_out17_en.pdf.(03.11.2026).
[3] Broom D. M., Rochlitz I. (2017): The Welfare of Ducks During Foie Gras Production.?, Animal Welfare, Vol. 26 n 2, p. 135-149.
[4] L214 (2022): La vérité sur le gavage. Online abrufbar unter: https://www.l214.com/stop-foie-gras/le-gavage/. (03.11.2026).
[5] PETA USA: Foie gras in 60 seconds flat. Online abrufbar unter: https://www.peta.org/media/psa/foie-gras-in-60-seconds-flat/. (03.11.2026).

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