Rabiate Verladung und Verstöße gegen Tierschutztransportverordnung: PETA erstattet Anzeige gegen Europas größten Putenvermehrungsbetrieb

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Grausame Zustände bei der Verladung von Puten: PETA erreichte eine Whistleblower-Meldung mit Videoaufnahmen, die unter anderem zeigen, wie eine Person zwei ausgewachsene Puten gleichzeitig an den Beinen ergreift, herumschleudertund gewaltsam in Transportkisten drückt. Laut Whistleblower seien einzelne Tiere auch kopfüber gehalten worden. Schilder auf dem Gelände im Kreis Ostprignitz-Ruppin weisen auf eine Verbindung zur MOORGUT KARTZFEHN Turkey Breeder GmbH hin, die sich selbst als den „größten unabhängigen Putenvermehrungsbetrieb in Europa“ bezeichnet. PETA hat am 9. Oktober eine Ordnungswidrigkeitenanzeige beim Amt für Verbraucherschutz und Landwirtschaft im Landkreis Ostprignitz-Ruppin wegen des Verdachts auf Verstöße gegen die Tierschutztransportverordnung sowie das Tierschutzgesetz erstattet.

„Puten sind fühlende Lebewesen und keine Gegenstände, die man nach Belieben herumwerfen und in Kisten stopfen kann. Die Aufnahmen machen deutlich, wie wenig ein Tierleben in der Fleischindustrie zählt. Als wäre ein kurzes Leben voller Leid nicht grausam genug, müssen die Tiere vor ihrem Tod auch noch Angst, Schmerzen und Gewalt ertragen“, so Julia Weibel, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft bei PETA. „Wer solche Zustände dauerhaft verhindern will, muss das System dahinter beenden und den Ausstieg aus der Tierwirtschaft vorantreiben.“

Nach Einschätzung von PETA verursachen die dokumentierten Zustände beim Verladen der Puten erheblichen Stress bei den Tieren und bergen das Risiko schmerzhafter Verletzungen. Die Tierrechtsorganisation hat umgehend das zuständige Veterinäramt kontaktiert und eine Kontrolle vor Ort gefordert. Eine Rückmeldung blieb bislang aus. Auch die MOORGUT KARTZFEHN Turkey Breeder GmbH hat auf die Anfrage nach einer Stellungnahme bisher nicht reagiert.

Qualvolle Verladung: PETA sieht mögliche Verstöße

Bei den Tieren handelte es sich um ausgewachsene Puten, die vermutlich für den Transport zur Tötung verladen wurden. Bei einem Kopfüberhalten belastet ihr hohes Körpergewicht die Gelenke und kann Knochenbrüche verursachen. Da gefiederte Tiere keinen Kehlkopf besitzen, können zudem ihre Organe in Richtung Luftröhre rutschen und Atemnot auslösen. PETAs Ansicht nach könnte der dokumentierte Umgang gegen die Tierschutztransportverordnung verstoßen, die einen schonenden Umgang mit Puten bei der Verladung vorschreibt. PETA vermutet zudem eine Unterschreitung der vorgeschriebenen Mindestbodenfläche in den Transportkisten. Auch die Prüfung eines möglichen Verstoßes gegen § 18 Abs. 1 Nr. 1 Tierschutzgesetz durch die Behörden wurde von der Organisation angeregt. Demnach handelt ordnungswidrig, „wer vorsätzlich oder fahrlässig einem Wirbeltier, das er hält, betreut oder zu betreuen hat, ohne vernünftigen Grund erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügt“.

Qualzucht und Tierleid in der Putenindustrie

Als sogenannte Hochleistungshybriden sind Puten auf rasantes Wachstum gezüchtet. Ihnen fehlt zuchtbedingt das natürliche Sättigungszentrum im Gehirn, wodurch sie enorm schnell an Gewicht zulegen. Beinschwächen, Skelettverformungen, Herz-Kreislauf-Probleme und lebenslange Schmerzen sind die Folgen dieser Qualzucht. Fast alle Puten in Mastanlagen haben Skelettverformungen und können sich teilweise kaum noch fortbewegen.

Allein in Deutschland werden jedes Jahr über 30 Millionen Puten für ihr Fleisch getötet. In Mastanlagen leben sie wochenlang dicht gedrängt in stickigen, verdreckten und abgeschotteten Ställen. Durch den ständigen Kontakt mit Kot und Urin erleidet ein Großteil bereits nach kurzer Zeit Verletzungen an den Fußballen. Oftmals bekommen die Vögel Antibiotika verabreicht. Dennoch überleben viele Puten die Mastzeit nicht: Sie sterben teils langsam und qualvoll neben ihren Artgenossen.  

Bei der sogenannten Ausstallung werden die Puten rücksichtslos zusammengetrieben, oft getreten, herumgeschleudert und in engen Kisten per Lkw zum Schlachthof transportiert. Dort hängen Mitarbeiter sie an ihren teils verletzten oder gebrochenen Beinen im Akkord an ein Fließband. Zur Betäubung werden sie kopfüber in ein Wasser-Strombad getaucht oder in ihren Kisten reizendem CO₂-Gas ausgesetzt. Anschließend wird ihnen die Kehle durchtrennt.

PETA präsentiert Ausstiegsplan aus der Tierwirtschaft

Die tierhaltende Landwirtschaft gehört zu den ressourcenintensivsten und umweltschädlichsten Wirtschaftszweigen unserer Zeit. Es ist dringend eine Agrarwende hin zur tierfreien Landwirtschaft nötig, um das Leben künftiger Generationen zu sichern. PETA hat aus diesem Grund Ende Mai 2025 einen Strategieplan für den Ausstieg aus der Tierwirtschaft veröffentlicht und fordert die Politik damit zum Handeln auf.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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