Nächstenliebe auch für Tiere: Mit einer knappen Mehrheit hat heute Vormittag der „Ausschuss für Wirtschaft und Wohnen inkl. Bäderausschuss“ des Stuttgarter Gemeinderates für ein Ende der Ausstellung von Tieren auf Stuttgarter Weihnachtsmärkten gestimmt. Mit der Annahme des gemeinsamen Antrags von der Tierschutzpartei, Die Linke, Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS), PULS, Die Stadtisten, Die PARTEI, KLIMALISTE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und Volt ist die Stadtverwaltung und die städtische Veranstaltungsgesellschaft in Stuttgart nun aufgefordert, „Veranstalter*innen und Beschicker*innen des Weihnachtsmarkts künftig keine öffentlichen Flächen mehr zum Zweck der Unterhaltung mit lebenden Tieren zur Verfügung zu stellen“. PETA hatte am 11. Dezember vergangenen Jahres die Zurschaustellung eines einzeln gehaltenen Esels sowie mehrerer Schafe und Lämmer auf dem Weihnachtsmarkt in der Stuttgarter Innenstadt mit einer Pressemitteilung kritisiert, nachdem die Stadtverwaltung auf ein Schreiben abschlägig reagiert hatte. Die Tierrechtsorganisation begrüßt die Entscheidung ausdrücklich und appelliert an die Mitglieder des Esslinger Gemeinderats, dem Stuttgarter Weg zu folgen.
„Das sind sehr gute Nachrichten für die Tiere, die mitten im Stuttgarter Weihnachtsmarktrubel als vermeintliche Attraktion zur Schau gestellt wurden. Damit sendet der Gemeinderat auch ein vorbildliches Zeichen für den Tierschutz an andere Städte wie Esslingen und Ulm, die noch auf Tiere als Besuchermagnet setzen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA.
Zurschaustellung auf dem Weihnachtsmarkt ist tierschutzwidrig
Laut Tierschutzgesetz müssen Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten und versorgt werden. Auf einem Weihnachtsmarkt mitten in der Stadt ist dies nicht möglich. Für die vermeintliche Attraktion werden die sensiblen Tiere aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen, von ihren Herden getrennt und mit artfremden Tieren in ein Gehege gesperrt. Hier können sie sich nur eingeschränkt bewegen und haben keine Möglichkeit, einander aus dem Weg zu gehen. Der ungewohnte Trubel durch Besuchermassen und der damit verbundene Lärmpegel sowie die verschiedenen Lichter bedeuten enormen Stress für die Tiere. Aufgrund des empfindlichen Gehörsinns reichen provisorische Hütten nicht als Rückzugsort aus. Stehen sie dauerhaft auf feuchtem oder schmutzigem Boden, kann dies zu Huf- und Klauenerkrankungen führen.
Zum anderen ist häufig zu beobachten, dass Besucher die Tiere trotz Hinweisschildern mit ungeeigneter Nahrung wie Lebkuchen oder Waffeln füttern. Dies kann zu gesundheitlichen Problemen und schlimmstenfalls sogar zum Tod führen. Tote Lämmer, Tierdiebstähle und Übergriffe auf diversen Weihnachtsmärkten in Deutschland sind mehrfach dokumentiert. [1-3]
Tiere zu Unterhaltungsobjekten degradiert
Tiere auf Weihnachtsmärkten vermitteln unterschwellig ein falsches Bild. Vielen Menschen –insbesondere Kindern – wird suggeriert, dass Tiere da seien, um uns zu unterhalten. PETAs Ansicht nach sollten Kinder Tiere als Individuen mit eigenen Bedürfnissen kennenlernen, nicht als Unterhaltungsobjekte. Dass eine stimmungsvolle vorweihnachtliche Atmosphäre auch ohne die Zurschaustellung von Tieren möglich ist, beweisen zahlreiche deutsche Städte, die auf ihren gut besuchten Weihnachtsmärkten beispielsweise lebensgroße Holzfiguren aufstellen. Ein gelungenes Krippenspiel mit ausschließlich menschlichen Darstellern könnte ebenfalls zahlreiche Besuchende anlocken. Bad Salzuflen ging mit gutem Beispiel voran und hat 2019 lebende Tiere vom „Weihnachtstraum“ verbannt. Begründet hat die tierfreundliche Stadt dies damit, dass der im Grundgesetz verankerte Tierschutz Vorrang vor dem Unterhaltungsfaktor hat. [4]
Die Tierrechtsorganisation empfiehlt allen tierfreundlichen Menschen, die eine „lebende Krippe“ auf dem Weihnachtsmarkt entdecken, sich mit einer Beschwerde an die Stadtverwaltung, die Veranstalter und das Veterinäramt zu wenden.

Das Bild kann hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So werden beispielsweise Schweine, Rinder und Hühner gequält und getötet, Hunde und Katzen hingegen liebevoll umsorgt.
