Hannover: Wildtiere sterben qualvoll in Amphibienschutzeimern – PETA erstattet Strafanzeige gegen Energieversorger – Unternehmen reagiert

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Schutzmaßnahme wird zu Todesfalle: Laut einem Medienbericht sind in Hannover bei einer Fernwärme-Baustelle des Energieversorgers Enercity zahlreiche Wildtiere qualvoll gestorben. Eine Spaziergängerin habe die Tierleichen in Auffangeimern eines Amphibienschutzzaunes entdeckt, der entlang der Baustelle verlaufe. Teilweise seien nur noch Skelette der Tiere zu erkennen gewesen. Vermutlich seien die Eimer demnach über Monate nicht kontrolliert worden. Die Untere Naturschutzbehörde habe vor Ort unter anderem Spitzmäuse, einen Maulwurf und den Nördlichen Kammmolch und damit besonders geschützte, zum Teil sogar streng geschützte Arten tot aufgefunden. PETA hat am 31. Juli Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hannover gegen die verantwortlichen Personen des Energieversorgers Enercity wegen des Verdachts von Verstößen gegen das Tierschutzgesetz erstattet.

„Es ist erschütternd, dass zahlreiche Tiere in genau den Auffangeimern qualvoll gestorben sind, die ihr Leben eigentlich schützen sollten“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Wer Schutzmaßnahmen errichtet, muss auch sicherstellen, dass diese ordnungsgemäß unterhalten werden. Offenbar wurde zugelassen, dass die Eimer für fühlende Lebewesen zu Todesfallen wurden. Ein derart verantwortungsloser Umgang mit dem Leben von Wildtieren darf nicht ohne juristische Konsequenzen bleiben.“

Dem Medienbericht zufolge habe der Energieversorger Enercity auf Nachfrage der Spaziergängerin angegeben, dass das Unternehmen nicht zuständig sei. Zudem habe die Frau die Untere Naturschutzbehörde informiert, die die Zustände vor Ort kontrolliert habe. Die Eimer seien demnach nicht ordnungsgemäß unterhalten und geleert worden, und auch Schutzmaterial wie Laub habe gefehlt. Außerdem seien keine Ausstiegshilfen für Kleinsäuger vorhanden gewesen. Dadurch seien die Auffangeimer offenbar zur tödlichen Falle für Amphibien und andere Wildtiere geworden. Nach Einschätzung der Unteren Naturschutzbehörde verstoße dies gegen die naturschutzrechtliche Genehmigung und gegen geltendes Artenschutzrecht.

Unternehmen gelobt Besserung

Auf Anfrage von PETA bei Enercity teilte ein Unternehmenssprecher mit, dass man zutiefst bedaure, dass es „im Bereich einer unserer Baustellen“ zu unzureichend umgesetzten Artenschutzmaßnahmen gekommen sei. Man stehe in engem Kontakt mit der Naturschutzbehörde und arbeite mit ihr und der eigenen Umweltbaubegleitung daran, um solche Vorfälle künftig auszuschließen. Die Aufträge für die Umsetzung der Artenschutzmaßnahmen habe man neu vergeben und der Umweltbehörde werde kurzfristig ein neues Konzept vorgelegt. Dieses sehe unter anderem die Wiedererrichtung der Amphibienschutzzäune zu Beginn der nächsten Krötenwandersaison gemäß den behördlichen Vorgaben vor. Dazu gehöre auch das Aufstellen und Kontrollieren der entsprechenden Auffangeimer. Für die sachgerechte Betreuung sorge künftig die eigene Umweltbaubegleitung, die aufgefundene Kröten zuverlässig umsetzen werde, damit sie ihre Wanderung fortsetzen können. Zudem soll es deutlich intensivere Kontrollen und detaillierte Berichtspflichten mit Belegfotos geben.

Amphibienschutzzäune retten Leben – wenn sie richtig betreut werden

Jedes Frühjahr wandern Erdkröten, Frösche und andere Amphibien zu ihren Laichgewässern, um sich fortzupflanzen. Da sie dabei häufig Straßen überqueren müssen, werden entlang vieler Wanderstrecken Amphibienschutzzäune mit eingegrabenen Auffangeimern errichtet. Die Tiere werden in den Eimern gesammelt und von dort sicher auf die andere Straßenseite gebracht. Auch müssen die Vorrichtungen mehrfach, in der Regel mindestens zweimal täglich, auf vorhandene Tiere kontrolliert werden. Unterbleiben diese Kontrollen und die erforderlichen Entleerungen oder fehlen Schutzmaßnahmen wie Ausstiegshilfen für Kleinsäuger, können die Eimer selbst zur tödlichen Falle für Amphibien und andere Wildtiere werden.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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