Höchst/Aschaffenburg: Jäger klagt nach Rindertötungen gegen Entzug von Jagdschein – PETA: „Fehlendes Unrechtsbewusstsein muss Konsequenzen haben”

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Der Jäger, der im September 2025 im hessischen Höchst auf Wildschweine schoss und stattdessen Rinder tötete, klagt nun gegen den Entzug seiner waffenrechtlichen Erlaubnis und seines Jagdscheins. Nach eigenen Angaben schoss der Mann damals gegen 20:30 Uhr von einer erhöhten Position auf Wildschweine und traf zwei Tiere. Die Rinder habe er nicht erkennen können, da sie sich unterhalb der Anhöhe befunden hätten. Zwei Rinder starben sofort, ein drittes musste der Jäger demnach wegen seiner schweren Verletzungen töten. Den Vorfall meldete er erst am folgenden Tag der Polizei. Das für ihn zuständige Landratsamt Aschaffenburg stellte dem Mann Ende Juni einen Bescheid zu, wonach ihm die waffenrechtliche Erlaubnis und in der Folge auch der Jagdschein entzogen würden. Der Bescheid ist nicht rechtskräftig, da er Klage dagegen eingereicht habe, wie das Landratsamt mitteilte. Seine Waffen habe er vorläufig an Berechtige abgegeben.

„Dass der Jäger trotz der Fehlschüsse an seinem blutigen Hobby festhalten will, zeigt sein fehlendes Unrechtsbewusstsein. Wir hoffen, dass das Verwaltungsgericht das ebenso sieht. Wer bei der Jagd ,zufällig´ Rinder trifft, sollte nie mehr mit Waffen hantieren dürfen“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Jedes Jahr ereignen sich zahlreiche Tragödien, weil schießwütige Spaßjäger verantwortungslos in der Gegend herumballern. Um weiteres Leid zu verhindern, ist nun der Gesetzgeber gefragt, die Hobbyjagd zu verbieten.“

Unfälle mit tödlichen Schüssen und Selbstverletzungen häufen sich

In den vergangenen Jahren sorgten bereits zahlreiche schwere Jagdunfälle für Empörung. Anfang Mai verletzte ein Jäger bei Bad Hönningen seinen Begleiter, weil sich beim Entladen der Waffe ein Schuss löste. Im Januar hat ein 22-Jähriger in Warburg von einem Hochsitz aus seinen 23-jährigen Bekannten auf einem nahegelegenen Nachbarhochsitz tödlich getroffen. Ebenfalls im Januar wurde in Beckeln einer 58-Jährigen von einem Jäger in den Oberschenkel geschossen. Im November 2025 hat der Oberbürgermeister von Brand-Erbisdorf seinen 20-jährigen Begleiter angeschossen, als sich beim Kontrollieren des Ladezustandes ein Schuss aus der Waffe löste. Ende April 2025 wurde ein 69-Jähriger in Haltern am See schwer verletzt, als sich ein Schuss aus der Jagdwaffe seines 56-jährigen Begleiters löste. Im selben Monat erschoss sich ein Jäger in Hagen versehentlich selbst, als sich bei der Beobachtung von Wildschweinen ein Schuss aus seiner Waffe löste. Anfang Januar 2025 wurde ein Jäger auf einem Hochstand bei Ruchow von einer mutmaßlich verirrten Kugel eines Jagdkollegen tödlich getroffen.

Renommierte Fachleute bestätigen: Jagd ist grausam und überflüssig

Anerkannte Studien belegen, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. So findet dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef Reichholf zufolge eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten statt. [1] Auch englische Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass sich beispielsweise Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren von selbst regulieren. [2] Die Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. Die Jagd ist unnötig, kontraproduktiv und grausam. Den rund 400.000 Hobbyjagenden in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjägerinnen und -jäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.
[2] Baker, P., Harris, S. & White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report. University of Bristol/University of York. / Baker, P. & Harris, S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK. Springer-Verlag 2005.

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