Einer Mitteilung des Landratsamtes Haßberge vom 19. Februar zufolge haben Behörden in Haßfurt einen schwerwiegenden Fall von Tierquälerei aufgedeckt. Ein Reptilienhalter hat 32 seiner Geckos durch Vernachlässigung qualvoll getötet. Nach Angaben des Veterinäramts sind die Reptilien verhungert oder verdurstet. Weitere 64 lebende Geckos wurden von den Einsatzkräften sichergestellt und vorübergehend anderweitig untergebracht. PETA wird in der kommenden Woche Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Bamberg gegen den Mann erstatten. Die Tierrechtsorganisation fordert Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer auf, endlich ein bundesweites Verbot für den Handel mit und die Privathaltung von „exotischen“ Wildtieren auf den Weg zu bringen.
„Der erschütternde Vorfall in Haßfurt zeigt einmal mehr, dass Wildtiere nichts in Privathand zu suchen haben“, sagt Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Obwohl die anspruchsvollen und teilweise auch gefährlichen Tiere in Privathaushalten niemals artgerecht gehalten werden können, sind sie auf Tierbörsen und im Internet regelmäßig frei verkäuflich. Immer wieder sind Halter schnell überfordert, setzen die Tiere aus oder lassen sie einfach sterben. Zum Schutz von Mensch und Tier muss in Deutschland endlich die Haltung und der Verkauf „exotischer“ Tiere verboten werden.“
PETA fordert generelles Haltungsverbot von „Exoten“ in Privathaushalten
Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass der Kauf von anspruchsvollen und teils gefährlichen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen noch immer erlaubt ist. In der Folge brechen jedes Jahr Hunderte „exotische“ Tiere aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Personen einfach ausgesetzt. Tierheime und Tierauffangstationen sind häufig überfüllt, mit „exotischen“ Tieren, die einen besonders großen Anspruch an ihren Lebensraum haben. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten. [1]
Das Ergebnis einer Studie, welche vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) 2020 vorgestellt wurde, bestätigt zudem, dass der Handel mit „exotischen“ Wildtieren zum weltweiten Artensterben beiträgt und dass besonders aus Gründen des Arten- und Naturschutzes dringend entsprechend gehandelt werden muss. Sterberaten beim Fang und Transport von bis zu 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich. [2]
Auch wenn es sich um ungiftige Tiere handelt, können „Exoten“ gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von „exotischen“ Tieren her. [3]
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
