Hund immer wieder auf verletztes Wildschwein gehetzt: Jäger im Rhein-Lahn-Kreis zu Geldstrafe verurteilt

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Grausamkeit bestraft: Ein Jäger ist laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft Koblenz vom Amtsgericht Diez im Oktober 2025 zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen verurteilt worden. PETA hatte im Februar 2024 Strafanzeige gegen den Mann erstattet. Ein an die Tierrechtsorganisation übermitteltes Video zeigt, wie der Jäger einen Hund immer wieder mit den Worten „Pack sie“ und „Voran“ aufforderte, ein verletztes Wildschwein zu beißen. Der Hund traktierte das Wildschwein daraufhin mit zahlreichen Bissen. Laut Staatsanwaltschaft habe der Mann dem Wildschwein im Wege der Ausbildung des Hundes zum „Schweißhund“ erhebliche Schmerzen zugefügt. PETA hatte Anfang 2024 zudem die Jagdbehörde des Rhein-Lahn-Kreises informiert und sie aufgerufen, dem Verantwortlichen die Waffenbesitzkarte sowie den Jagdschein zu entziehen. Ob die Behörde die Forderung umsetzte, ist unbekannt. Die Tierrechtsorganisation appelliert erneut an die Bundesregierung, ein Verbot der Hobbyjagd auf den Weg zu bringen.

„50 Tagessätze für solch eine Grausamkeit sind keine echte Abschreckung, um Jäger von Tierquälereien abzuhalten. Weil die meisten Fälle ohnehin nie an die Öffentlichkeit gelangen, erneuern wir unsere Forderung nach einem Verbot der Hobbyjagd“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Wir haben der Jagdbehörde zudem erneut unsere Forderung nach einem Entzug des Jagdscheins für den Täter übermittelt. Leider wäre die Jagdbehörde erst ab 60 Tagessätzen verpflichtet, den Jagdschein zu entziehen, aber angesichts dieser Grausamkeiten darf der Jäger nicht einfach weitermachen.“

Jagd laut Experten kontraproduktiv

Anerkannte Wildbiologen sind sich einig, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. So findet, dem renommierten Biologen Prof. Dr. Josef H. Reichholf zufolge, eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten statt. [1] Auch englische Fachleute kamen zu dem Ergebnis, dass sich beispielsweise Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren von selbst regulieren. [2] Bei Wildschweinen zerstört die Jagd die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. [3] Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. Den rund 465.000 Hobbyjägern in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Reichholf, J. H. (2009): Die Wahrheit über die Jagd – Evolutionsbiologe Prof. Josef Helmut Reichholf widerlegt Jägerlügen. TV-Dokumentation SWR BW.
[2] Baker, P.; Harris, S.; White, P. (2006): After the hunt: The future for foxes in Britain. Report. University of Bristol/University of York. / Baker, P.; Harris, S. (2006): Does culling reduce fox (Vulpes vulpes) density in commercial forests in Wales, UK?
[3] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.

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