Polizei erschießt entlaufenen Tiger von Dompteurin Carmen Zander: PETA übt scharfe Kritik am Veterinäramt und fordert Verbot der Tigerhaltung in Deutschland

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Die Polizei hat am Nachmittag einen entlaufenen Tiger von Dompteurin Carmen Zander erschossen. Das Tier war laut Medienberichten aus einer privaten Anlage in Schkeuditz bei Leipzig entkommen, wo Zander mehrere Großkatzen hält. Ein 73-jähriger Mann sei schwer verletzt worden. Bei dem Verletzten handele es sich um einen Helfer Zanders, der sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs im Gehege befand. Der Tiger sei in einer Gartenanlage „erlegt“ worden. Für die Bevölkerung bestehe laut Polizei keine Gefahr mehr. Wie dem Tier der Ausbruch gelungen sei, ist bisher unklar. PETA hat in den vergangenen Jahren wiederholt die mangelhaften Haltungsbedingungen von Carmen Zander kritisiert. Obwohl Zander sogar 2024 einen Jungtiger in Leipzig an der Leine „Gassi“ führte und trotz Verbots mehrfach Nachwuchs produzierte, unternahm das Kreisveterinäramt Nordsachsen jedoch nichts, um Tierschutzbestimmungen durchzusetzen und die Risiken zu minimieren. Die Tierrechtsorganisation fordert die Bundesregierung und Bundesagrarminister Alois Rainer auf, die Haltung von Tigern, Löwen und anderen Wildtieren in Zirkus und Privathand zu verbieten.

„Das Veterinäramt Nordsachsen hat Zander jahrelang gewähren lassen und trägt Mitschuld an dem tragischen Vorfall. Die Behörde muss sofort die übrigen neun Tiger beschlagnahmen. Ein Angebot einer renommierten Auffangstation liegt seit langem auf dem Tisch“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „In der Hälfte aller Bundesländer dürfen völlig legal Tiger, Löwen und Giftschlangen gehalten werden. Die Bundesregierung hat jahrzehntelang geschlafen und muss nun endlich handeln, damit der Missbrauch von Großkatzen und anderen Wildtieren für Zirkus und Privathaltung beendet wird.“

Carmen Zander bereits für Tierquälerei bekannt

Carmen Zander fiel in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen Missständen in der Tigerhaltung auf. 2013 veröffentliche PETA ein Video, das unter anderem zeigt, wie die Dompteurin mit einem Stock auf einen Tiger losgeht. Zander gelang es nicht, die Tierrechtsorganisation gerichtlich dazu zu zwingen, die Szene zu entfernen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf stellte im März 2014 fest, dass Carmen Zander „im Rahmen der Dressur (notwendigerweise) durch dominante Zwangshandlungen den von ihr dressierten Tigern ihren eigenen Willen aufzwingt“.

2019 meldete ein Whistleblower, dass die Tiger im Stammquartier in einem kleinen Zirkuswagen mehrere Tage ohne Auslauf und Nahrung eingesperrt worden seien. PETAs Strafanzeige aufgrund der mutmaßlich tierschutzwidrigen Haltungsbedingungen wurde jedoch mangels hinreichenden Tatverdachts von der Staatsanwaltschaft Leipzig eingestellt. Allerdings hatte die zuständige Veterinärbehörde mit Stand 2019 festgesetzt, dass eine Nachzucht „[…] unter den derzeitigen Haltungsbedingungen nicht erlaubnisfähig“ ist.

Im Juli 2024 meldete eine Augenzeugin, Carmen Zander mitten in Leipzig dabei beobachtet zu haben, wie sie ein im Frühjahr zuvor geborenes Jungtier an einer Leine ausführte und ein Wohnhaus betrat. Die Augenzeugin vermutete, dass Zander das Tierkind dort in der Wohnsiedlung hält. Einen derartigen Umgang mit dem Tigerwelpen hielt PETA aus Tierschutzsicht kritisch und aufgrund des Gefahrenpotenzials verantwortungslos. Die Tierrechtsorganisation hat den Vorfall den zuständigen Veterinärbehörden (Stadt Leipzig und Landkreis Nordsachsen) gemeldet und gebeten, die Haltungsbedingungen zu überprüfen und ein Tierhalteverbot zu verhängen.

Im Oktober 2025 stand die Tigerhalterin wegen Verstößen gegen das Naturschutzgesetz in Eilenburg vor Gericht. Sie hatte trotz fehlender behördlicher Erlaubnis für die Zurschaustellung der Tiere an Ostern eine Tigerschau veranstaltet sowie das Streicheln der Tiger-Jungtiere gegen Bezahlung angeboten. Obwohl das Strafrecht Gefängnisstrafen ab drei Monaten vorsieht, wurde das Verfahren vorläufig eingestellt. Als Auflage musste Carmen Zander 1000 Euro an den Tierschutzverein Wurzen zahlen. 

Missbräuchlicher Umgang mit schutzbedürftigem Jungtier


Um die Dressur zu vereinfachen, werden in Zirkusbetrieben geborene Tiger oft bereits als Babys von der Mutter getrennt und per Handaufzucht auf den Menschen fehlgeprägt. Auffällig häufig behaupten Zirkusse, die Jungtiere seien von der Mutter verstoßen worden oder sie habe zu wenig Milch gehabt. Doch selbst wenn die Tigermütter ihren Nachwuchs tatsächlich ablehnen würden, wäre dies ein deutliches Anzeichen für eine nicht tiergerechte Haltung und eine haltungsbedingte Verhaltensstörung.

Deutschland Schlusslicht beim Schutz von Tieren im Zirkus


Während in den vergangenen Jahren zahlreiche europäische Länder Regelungen erlassen haben, um Auftritte von und mit Wildtieren einzuschränken, gibt es in Deutschland noch immer kein Zirkus-Wildtierverbot. Andere Zirkusgrößen machen es vor: Circus Roncalli verabschiedete sich in den 1990ern von Wildtierdressuren und ist seit 2018 komplett tierfrei.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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