Reutlingen: Tierschutzwidriger Handel mit Qualzucht-Welpen aufgedeckt

Den Welpen wurde eine vergrößerte Nasenfalte angezüchtet

PETA fordert Verbot des Online-Handels

Am vergangenen Freitag wurde in Reutlingen eine mutmaßlich tierschutzwidrige Zucht von Französischen Bulldoggen-Welpen mit einem sogenannten „Big Rope“ – also einer übergroßen Nasenfalte aufgedeckt. In einer Wohnung wurden drei Welpen und eine mutmaßliche Hundemutter präsentiert. Mitarbeitende der Tierrechtsorganisation PETA riefen zur Unterstützung die Polizei und das zuständige Veterinäramt hinzu, die anschließend die Wohnung und die Hunde kontrollierten. Aufgrund der massiven Ausprägung der Qualzuchtmerkmale – insbesondere der extremen Nasenfalte – sowie der Zucht Französischer Bulldoggen fordert die Tierrechtsorganisation die Verhängung eines umgehenden Zuchtverbots gegen die verantwortliche Person und die Wegnahme der in der Wohnung befindlichen Hunde. Zudem soll die zur Zucht eingesetzte Hündin kastriert werden. Nur so kann verhindert werden, dass weitere Tiere massives Leid ertragen müssen und dauerhaft unter Atemnot leiden. PETA appelliert außerdem an die Bundesregierung, den Onlinehandel mit Lebewesen zu verbieten.

„Die Welpen wurden auf ein bestimmtes Aussehen hin gezüchtet, sodass ihr Alltag bereits jetzt nur unter Qualen möglich ist – ihr Leben wird damit zu einem ständigen Überleben“, so Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohnerin bei PETA und Tierpsychologin mit dem Schwerpunkt Hund. „Zwei der Welpen hatten bereits deutliche Atemprobleme – für sie wird eine Operation wohl unvermeidbar sein. Das Veterinäramt muss hier dringend durchgreifen und die weitere Zucht von Hunden in diesem Haushalt verbieten. Nur so kann weiteres Leid für künftige Generationen verhindert werden.“

Dem Veterinäramt lag zu der Tierhaltung in Reutlingen bereits eine Anzeige vor. Die Welpen waren teilweise in der Farbvariante „Blau“ gezüchtet (eine Qualzuchtfarbe, die auf einer Genmutation beruht) und sollten für 1550 Euro über das Internetportal Quoka.de verkauft werden. Ob es sich bei der erwachsenen Hündin tatsächlich um die Mutter der jungen Hunde handelt, konnte bisher nicht bestätigt werden.

Französische Bulldoggen leiden aufgrund ihres extrem verkürzten Schädels häufig unter schweren Atemproblemen, Augenleiden und chronischen Hautentzündungen. Werden sie zusätzlich mit einer übertriebenen „Big‑Rope“-Nasenfalte gezüchtet, verschärft das ihr Leid: Die tiefe Falte führt zu dauerhaften Entzündungen und Infektionen und kann die ohnehin eingeschränkte Atmung weiter behindern. Kommt noch eine Modefarbe wie „Blau“ hinzu, steigt das Risiko für genetisch bedingten Haarverlust und schwere Hauterkrankungen. Eine Kombination dieser Merkmale bedeutet für die Tiere ein deutlich erhöhtes, lebenslanges Gesundheits- und Leidensrisiko.

Hunde werden bewusst auf extreme Merkmale gezüchtet

Aufgrund der kindlich anmutenden Köpfe und der hervortretenden Augen empfinden viele Menschen die Hunde einer brachyzephalen „Rasse“ als niedlich. Durch die „Rassemerkmale“ leiden die Tiere jedoch ihr Leben lang und sterben meist vor ihrer natürlichen Lebenserwartung. Insbesondere hohe Temperaturen machen den Tieren zu schaffen und führen aufgrund der Unwissenheit vieler Halter nicht selten zum Hitzetod. Wegen der vielen Krankheiten liegen die Kosten für die tiermedizinische Versorgung bei brachyzephalen „Rassen“ meist höher als bei anderen Hunden. Außerdem können Züchter aus „Modehunden“ einen größeren Profit schlagen. Die Niederlande haben als bisher einziges Land im Juni 2019 die Zucht von „Hunderassen“ mit einem verkürzten Gesichtsbereich verboten. Trotzdem wird die Zucht hierzulande billigend in Kauf genommen und das Wohlbefinden der Tiere häufig rücksichtslos vernachlässigt.

Rechtlicher Hintergrund

§ 17 Nr. 2 lit. b des Tierschutzgesetzes stellt das Zufügen erheblicher Schmerzen oder Leiden bei Tieren unter Strafe. Zudem verbietet § 11b TierSchG („Qualzuchtparagraf“) die Zucht von Tieren, wenn erblich bedingte Merkmale bei ihnen selbst oder ihren Nachkommen zu Schmerzen, Leiden oder Schäden führen.

Adoptieren statt kaufen

PETA appelliert an alle Menschen, kommerzielle Angebote mit gezüchteten Tieren zu meiden. In Tierheimen warten viele Hunde, Katzen und andere Tiere auf ein neues Zuhause. Die Adoption über ein Tierheim bietet außerdem die Möglichkeit, den künftigen tierischen Begleiter schon im Vorfeld ausreichend kennenzulernen.

Den Welpen wurde eine vergrößerte Nasenfalte angezüchtet

Dieses und zwei weitere Motive stehen hier zum Download zur Verfügung.   

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

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