Schweriner Zoo tötet von Mutter verstoßenes Giraffenbaby – PETA fordert Ende der Giraffenzucht

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Einem Medienbericht zufolge hat der Schweriner Zoo die Entscheidung getroffen, ein zehn Tage altes Giraffenjungtier zu töten. Das Neugeborene wurde von seiner Mutter Daisy nicht angenommen und litt zudem offenbar unter Fehlstellungen, die sein Laufvermögen einschränkten. Der Leichnam des Giraffenbullen wurden den „Raubtieren“ im Zoo zum Essen vorgeworfen. Vor diesem Hintergrund kritisiert PETA scharf, dass zoologische Einrichtungen an der Zurschaustellung der sensiblen Paarhufer festhalten. Mindestens 40 Giraffen sind zwischen 2007 und 2022 in deutschen Zoos verfrüht gestorben. Sie sind meist ausgerutscht und dabei tödlich verunglückt oder kamen in Narkose um. Die Tierrechtsorganisation fordert ein Nachzucht- und Importverbot für Giraffen in deutschen Zoos und appelliert an den Zoodirektor Tim Schikora und an Oberbürgermeister Rico Badenschier, die Haltung im Schweriner Zoo zu beenden.

„Der Todesfall in Schwerin zeigt erneut: Die empfindlichen Giraffen können in Gefangenschaft nicht tiergerecht gehalten werden und haben nichts im Zoo zu suchen“, so Biologin Dr. Yvonne Würz, PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Auswilderungen aus deutschen Zoos finden nicht statt, weshalb auch das Argument des Artenschutzes nicht zählt. Vielmehr vegetieren die Paarhufer häufig verhaltensgestört in beengten Zoogehegen lebenslänglich vor sich hin.“

Giraffen in Zoos leiden unter gesundheitlichen Problemen und Verhaltensstörungen

In der Natur leben Giraffen in komplexen und wechselnden Sozialverbänden. Sie beanspruchen Gebiete von vielen Quadratkilometern und erleben eine Vielzahl von Umweltreizen. Der Zooalltag hingegen ist geprägt von eingeschränkten Sozialkontakten in beengten und eintönigen Gehegen, insbesondere im Winter. Da die Tiere nicht an kalte Temperaturen angepasst sind, verbringen sie die meiste Zeit eingesperrt in engen Stallungen. Zudem leiden Giraffen in solcher Gefangenschaft häufig unter Verhaltensstörungen – laut dem europäischen Zoo-Dachverband EAZA in fast jedem Zoo. [1] Durch die artwidrigen Haltungsbedingungen sind auch gesundheitliche Probleme wie Lahmheit und übergewachsene Klauen häufig. [2] Das Publikum lernt somit nichts über das natürliche Verhalten und die Lebensverhältnisse der Tiere. Giraffen im Zoo sterben häufig deutlich vor dem Erreichen ihrer natürlichen Lebenserwartung. [1] Aufgrund ihrer empfindlichen Anatomie sind die Paarhufer durch enge Boxen, rutschige Böden und riskante Transporte einem hohen Risiko für Stürze, tödliche Verletzungen und erhöhte Sterberaten ausgesetzt. Mindestens 40 Giraffen sind zwischen 2007 und 2022 in deutschen Tierparks verfrüht gestorben.

Giraffenhaltung leistet keinen Beitrag zum Artenschutz

Obwohl einige Zoos an internationalen Zuchtprogrammen teilnehmen, die als Beitrag zur Erhaltung bedrohter Arten deklariert werden, dienen diese Nachzuchten hauptsächlich dazu, die Populationen in den Einrichtungen selbst aufrechtzuerhalten, nicht aber zur Wiederauswilderung in die freie Natur. Denn Giraffen, die in deutschen Tierparks geboren wurden, sind nicht auf das Leben in der Wildnis vorbereitet. Sie haben weder die notwendigen Überlebensfähigkeiten entwickelt, noch sind sie an die natürlichen Herausforderungen wie Nahrungssuche, Raubtiere oder die Vermeidung von Konflikten mit menschlichen Siedlungen gewöhnt. Zudem müssten ausgewilderte Tiere strenge Quarantänemaßnahmen durchlaufen, um sicherzustellen, dass sie keine Krankheiten in die Wildpopulation einbringen. Derzeit werden Millionen an Steuergeldern für die Aufrechterhaltung der deutschen Zoobetriebe aufgebracht. PETA fordert, diese stattdessen direkt in Artenschutzprojekte in den Herkunftsländern bedrohter Tierarten zu investieren, um ihr Überleben dort zu sichern.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Born Free USA (2022): Confined Giants: The Plight of Giraffe in Zoos, online abrufbar unter: https://www.bornfreeusa.org/campaigns/animals-in-captivity/confined-giants. (24.09.2024)
[2] Dadone, Liza. (2018). Lameness Diagnosis and Management in Zoo Giraffe. Erschienen in Fowler’s Zoo and Wild Animal Medicine Current Therapy, Band 9, Seite 623-629

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