Die hessische Gemeinde Selters hat ein Kopfgeld auf Waschbären ausgesetzt. Jägern werden pro getötetem Waschbär 25 Euro gezahlt. PETA kritisiert dies scharf. Nach Auffassung der Tierrechtsorganisation ist die Aussetzung der Prämie rechtswidrig: Zum einen ist die Bejagung der Waschbären kein geeignetes Mittel, um das erklärte Ziel, die Reduktion der Population, zu erreichen. Zum anderen würden hierfür mildere Methoden des „Waschbärmanagements“ zur Verfügung stehen, beispielsweise Kastrationsprojekte und tierfreundliche Vergrämungsmaßnahmen. Aus diesem Grund hat die Tierrechtsorganisation vergangene Woche eine Beschwerde an die Kommunalaufsicht des Landkreises Limburg-Weilburg gesandt und eine Untersagung der Tötungsprämie nahegelegt.
„Die Tötungsprämie wird die Anzahl der Waschbären nicht verringern, aber dafür viel Tierleid verursachen. Wir fordern die Gemeinde Selters dazu auf, den Beschluss zurückzunehmen und stattdessen in tierfreundliche Vergrämungsmaßnahmen und Kastrationsprojekte zu investieren“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Waschbären reagieren mit einer erhöhten Fortpflanzungsaktivität auf die intensive Bejagung. Dass die Verfolgung der Tiere nur das Gegenteil bewirkt, ist seit Jahren an den steigenden Abschusszahlen zu sehen.“
Waschbären zu Unrecht am Pranger
Wissenschaftlern zufolge steigt bei hohem Jagddruck der Anteil der sich fortpflanzenden weiblichen Tiere: Je mehr Waschbären getötet werden, desto mehr Jungtiere kommen zur Welt. Verluste durch die Jagd werden so rasch wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert. [1] Langjährige Forschungsergebnisse von führenden Waschbär-Experten in verschiedenen Habitaten zeigen, dass der Waschbär keine wesentliche Gefahr für die Natur und Artenvielfalt darstellt. Die Tiere ernähren sich in der Regel vornehmlich von leichter Beute wie Regenwürmern, Insekten oder Obst. [2, 3, 4] Für Populationsrückgänge betroffener Arten, wie beispielsweise der Sumpfschildkröte, ist in erster Linie der Mensch verantwortlich. Durch Lebensraumverlust und den lebensgefährlichen Straßenverkehr sind die Reptilien mittlerweile am Rande des Aussterbens. [5]
Jäger stoppten Kastrations-Pilotprojekt in Kassel
Die Stadt Kassel hat 2025 auf Initiative und unter Leitung des Bundesverbands der Wildtierhilfen gGmbH ein Pilotprojekt gestartet, um die Population mittels Einfangen, Kastrieren und Wiederaussetzen zu verringern. Dadurch können sich die Tiere zum einen nicht vermehren, zum anderen halten sie die Reviere besetzt und es können keine neuen Tiere nachziehen. Entscheidend für die Ausbreitung von Tierpopulationen ist vor allem geeigneter Lebensraum. Eine intensive Bejagung im urbanen Raum wird von den Verantwortlichen nicht als wirksames Mittel zur Eindämmung oder gar der Reduzierung der Population angesehen. [6] Der Landesjagdverband Hessen versuchte, das Projekt nur wenige Wochen nach dem Start zu stoppen. Das Bundesumweltministerium stellte Anfang des Jahres klar, dass das Sterilisationsprojekt im Einklang mit der EU-Verordnung steht – denn es dient der Verringerung der Population. [7] Dennoch ruht das Projekt derzeit.
Listung von Waschbären auf Unionsliste der invasiven Arten hat massive Folgen
Die intensive Land- und Forstwirtschaft ist maßgeblich für den Verlust der biologischen Vielfalt in Europa verantwortlich. Die Listung von Waschbären auf der Unionsliste invasiver Arten hat zur Folge, dass die Tierart systematisch verfolgt und getötet wird – oft mit Methoden, die für die Tiere besonders schmerzhaft sind. In einigen Bundesländern Deutschlands wurden Schonzeiten verkürzt. Das kann zur Folge haben, dass vermehrt Elterntiere getötet werden und ihr noch zu versorgender Nachwuchs daraufhin qualvoll stirbt. Viele auf regionaler Ebene tätige politische Entscheidungstragende, Behördenvertretungen und Medien gehen von der falschen Annahme aus, dass die Nennung des Waschbären auf der Unionsliste einem Jagdauftrag gleichkomme. [8] Für viele Hobbyjäger ist die Listung auch ein willkommener Vorwand, um noch mehr Tiere zu töten.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
