Tierqualausstellung in Kassel: PETA kritisiert 34. Internationalen TaubenMarkt und fordert Verbot von Brieftaubenzucht und Taubenwettflügen

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Tierquälerische „Freizeitbeschäftigung“:Am kommenden Wochenende findet in der Messe Kassel der 34. Internationale TaubenMarkt statt. Bei der größten Brieftaubenmesse der Welt sollen ca. 20.000 Tauben von Züchtern und Züchterinnen „ausgestellt“ oder zum Verkauf angeboten werden. PETA kritisiert die Veranstaltung scharf und ruft dazu auf, den „Taubenmarkt“ zu meiden. Die Aussteller setzen die Vögel für solche Veranstaltungen schon während der oft langen Transportwege enormem Stress aus. Die sensiblen Tiere können sich in den engen Transportbehältern kaum bewegen und haben meist keinen Zugang zu Wasser oder Nahrung. Zudem weist die Tierrechtsorganisation darauf hin, dass bei dem sogenannten Brieftaubensport jährlich zahlreiche Vögel qualvoll sterben. Bei den Wettflügen steht die Leistung der Vögel im Vordergrund – das Wohlbefinden der Tiere spielt meist keine Rolle. PETA fordert daher ein Verbot der Taubenzucht und der Taubenwettflüge in Deutschland.

„Bei Taubenwettflügen werden die treuen Vögel mit ihrem bemerkenswerten Orientierungssinn für ein ‚Freizeitvergnügen‘ schonungslos missbraucht. Bei den Flügen sterben zahlreiche Tiere an Dehydration, Hunger, Erschöpfung oder Verletzungen“, so Monic Moll, Fachreferentin bei PETA. „Hinzu kommt der extreme Stress, dem die ausgestellten Vögel auf langen Transportwegen und während der Ausstellungen ausgesetzt sind. Vögel zur Unterhaltung und für Profitzwecke in so kleine Käfige zu sperren ist tierschutzwidrig. Ein Verbot der Brieftaubenzucht und der Wettflüge ist daher längst überfällig.“

Horrende Verlustraten bei Wettflügen sind belegt

In einer Studie beziffern Dr. med. vet. Warzecha et al. bei Taubenwettflügen Verlustraten von durchschnittlich 53 Prozent. [1] Sogar nach eigenen Angaben der Züchter betragen die „Verluste“ 20 bis 25 Prozent der Tauben pro Saison. [2] Doch in Wahrheit schaffen es je nach Gegebenheiten in einer Saison bis zu 50 Prozent und mehr der Tauben nicht zurück in den Schlag. [3] Einer Studie des Schweizer Tierschutzes (STS) zufolge liegen die Verlustraten bei untersuchten Wettflügen in der Schweiz bei rund 75 Prozent. [4] Bleiben die Vögel hinter den Erwartungen zurück und sind für die weitere Zucht ungeeignet, töten Züchter sie oftmals ohne Betäubung, indem sie am Hals der Tauben ziehen oder ihren Kopf umdrehen. Auch diese gängige, tierschutzwidrige Praxis ist belegt. „Züchter und Veranstalter schicken bewusst viele Tiere in den Tod, entweder um ihren Prestige zu steigern oder um Preisgelder zu gewinnen. Das ist vorsätzliche Tierquälerei hat weder etwas mit Tradition noch mit Tierliebe zu tun“, kritisiert Moll.

Wettflüge erhöhen die Taubenpopulation in Städten

In Deutschland gibt es Schätzungen zufolge noch ca. 30.000 Züchter sogenannter Brieftauben, die jährlich Tiere nachzüchten und teilweise auch auf den regionalen, nationalen und internationalen Wettflügen einsetzen. Schätzungsweise leben 2,5 Millionen „Brieftauben“ in deutschen Taubenschlägen. [5] In Städten haben sie aufgrund ihrer Konditionierung auf Spezialnahrung und ihrer Domestikation schlechte Überlebenschancen. Die „gestrandeten“ Tiere sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt und führen in den Städten oft ein Leben am Rande des Hungertodes. [6] Die hohe Fortpflanzungsrate wurde ihnen angezüchtet. Die städtischen Taubenpopulationen werden stetig mit „gestrandeten“ Tieren aus Wettflügen und deren Nachkommen gespeist. PETA fordert, dass das Taubenmanagement der Stadtverwaltungen neben der Errichtung betreuter Taubenschläge unbedingt ein Verbot von Wettflügen beinhaltet.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Warzecha, M., Kahlcke, K. und Kahlcke, M. (2009): Beitrag zur Ermittlung von Kennzahlen zu Verlusten bei Wettflügen von Brieftauben (Untersuchungszeitraum: 2004–2008).
[2] Leipziger Volkszeitung (2018): Leipziger Brieftaubenzüchter wehren sich gegen Peta. Online abrufbar unter: https://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Leipziger-Brieftaubenzuechter-wehren-sich-gegen-Peta. (12.04.2023).
[3] Gutachten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV NRW) vom 31.10.2019
[4] Tagesanzeiger (2017): Wettflug in den Tod. Online abrufbar unter: https://www.tagesanzeiger.ch/sonntagszeitung/Wettflug-in-den-Tod/story/25536547. (12.04.2023).
[5] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2009) Tierschutz im Brieftaubensport. Merkblatt Nr. 121.
[6] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. (2009) ebd.

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