Artgerecht ist nur die Freiheit: Dem Zoo Dresden fehlen laut Medienberichten rund 858.000 Euro. Grund dafür seien neben gestiegenen Kosten auch rückläufige Besucherzahlen. Um das Defizit auszugleichen, soll der Finanzausschuss des Stadtrats am Montag über eine zusätzliche Unterstützung in Höhe von 500.000 Euro entscheiden. Schon heute erhält der Zoo jährlich rund 2,6 Millionen Euro Zuschuss von der Stadt. [1] In einem Schreiben appelliert PETA nun an den Oberbürgermeister Dirk Hilbert und die Stadtratsmitglieder, den defizitären Zoo nicht noch stärker zu bezuschussen. Stattdessen sollten die Haltungen mittelfristig auslaufen.
„Der Zoo Dresden ist längst ein finanzielles Fass ohne Boden und auch ethisch nicht tragbar“, so Dr. Yvonne Würz, Biologin und PETAs Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Immer mehr Menschen erkennen, dass es nichts mit Artenschutz zu tun hat, Tiere zwischen Glas und Beton auszustellen. Der Stadtrat sollte dieses Signal ernst nehmen, statt Jahr für Jahr neue Finanzlöcher mit Steuergeld zu stopfen.“
PETA hatte sich auch im Vorfeld dafür eingesetzt, den 22 Millionen Euro teuren Neubau des Orang-Utan-Hauses zu verhindern. Die Organisation forderte, die Tiere stattdessen in eine Auffangstation abzugeben und nicht mehr für die Zucht zu missbrauchen. Dennoch wurde das Bauvorhaben umgesetzt und das Orang-Utan-Haus im Juni 2024 eröffnet. Die Zoobetreiber hatten sich durch diesen Neubau mehr Besucher erhofft und somit auch mehr Einnahmen. Diese blieben jedoch aus.
Zoos werden zunehmend gesellschaftlich infrage gestellt
Die Tierrechtsorganisation sieht in dem anhaltenden Besucherrückgang ein deutliches Signal: Immer mehr Menschen lehnen Zoos ab und entscheiden sich gegen den Besuch solcher Einrichtungen. Beispielsweise zeigte eine von PETA in Auftrag gegebene INSA-Meinungsumfrage vom April 2020, dass mit 41 Prozent die relative Mehrheit der Befragten ein Ende der Zucht und Haltung von Menschenaffen in deutschen Zoos befürwortet. Deutschlandweit kämpfen Zoos mit ähnlichen Problemen – in Sachsen beispielsweise aktuell der Tierpark Weißwasser. 2024 musste der Tierpark Neumünster sogar mit städtischer Hilfe vor der Insolvenz bewahrt werden. Auch viele weitere Zoos und Tierparks verzeichnen rückläufige Besucherzahlen und stehen vor finanziellen Problemen.
Zoos leisten nahezu keinen Beitrag zum Artenschutz. PETA plädiert daher dafür, die Millionen Euro, die Zoos jedes Jahr an Steuergeldern aus den Stadtsäckeln erhalten, für den Schutz der natürlichen Lebensräume der Tiere zu verwenden. Nur so können gefährdete Arten effektiv geschützt werden.
Auch dem rechtlich verankerten Bildungsauftrag werden Zoos nicht gerecht. Das Zoopublikum lernt durch die Zurschaustellung von Tieren in Gefangenschaft nichts über deren natürliches Verhalten. Stattdessen wird vermittelt, dass es in Ordnung sei, Lebewesen zur menschlichen Unterhaltung in einer künstlichen Umwelt einzusperren.
PETA setzt sich grundsätzlich für ein Ende der Zucht und Haltung von Tieren in Zoo-Gefangenschaft ein, weil die artwidrigen Haltungsbedingungen Tierleid verursachen.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
