Stuttgart: Mehrere Reptilien beschlagnahmt – PETA fordert Handels- und Haltungsverbot für „exotische“ Tiere

PETA Logo

Einer Mitteilung der Stadt Stuttgart zufolge haben Mitarbeitende der Stadtverwaltung nach einem Hinweis aus der Bevölkerung in einer Stuttgarter Privatwohnung mehrere Reptilien sichergestellt. Bei den Tieren handelte es sich um sechs Schlangen, darunter eine Kobra, sowie einen Waran und eine Skorpion-Krustenechse. Da es sich um geschützte Arten handelt und für die Reptilien keine ausreichenden Herkunftsnachweise vorlagen, wurden sie beschlagnahmt und in eine Reptilienauffangstation nach München gebracht. PETA fordert Cem Özdemir und Manuel Hagel auf, im Koalitionsvertrag ein “Gefahrtiergesetz” für Baden-Württemberg zu vereinbaren.

„Der aktuelle Fall in Stuttgart zeigt einmal mehr, dass Wildtiere nichts in Privathand zu suchen haben“, sagt Jana Hoger, Fachreferentin für Tierische Mitbewohner bei PETA. „Obwohl die anspruchsvollen und teilweise auch gefährlichen Tiere in Privathaushalten niemals artgerecht gehalten werden können, sind sie auf Tierbörsen und im Internet regelmäßig frei verkäuflich. Immer wieder sind Halter schnell überfordert, setzen die Tiere aus oder lassen sie einfach sterben. Zum Schutz von Mensch und Tier muss die neue Regierung in Baden-Württemberg dringend handeln und im Koalitionsvertrag endlich ein Gefahrtiergesetz vereinbaren.“

Erst vor wenigen Wochen haben die Behörden in Stuttgart einen schwerwiegenden Fall von Tierquälerei aufgedeckt. Ein privater Reptilienhalter soll 13 seiner Schlangen durch Vernachlässigung getötet haben, 34 lebende Schlangen waren abgemagert, dehydriert und lethargisch. Teilweise sollen sie Narben, Verletzungen und Abszesse aufgewiesen haben, fast alle seien hochgradig mit Parasiten befallen. Auch sie wurden in eine Auffangstation in München gebracht. PETA erstattete in diesem Fall Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den Halter.


PETA fordert generelles Haltungsverbot von „Exoten“ in Privathaushalten
Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass der Kauf von anspruchsvollen und teils gefährlichen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen noch immer erlaubt ist. In der Folge brechen immer wieder „exotische“ Tiere aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Personen einfach ausgesetzt. Tierheime und Tierauffangstationen sind häufig überfüllt, mit „exotischen“ Tieren, die einen besonders großen Anspruch an ihren Lebensraum haben. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten. [1]
 
Das Ergebnis einer Studie, welche vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) 2020 vorgestellt wurde, bestätigt zudem, dass der Handel mit „exotischen“ Wildtieren zum weltweiten Artensterben beiträgt und dass besonders aus Gründen des Arten- und Naturschutzes dringend entsprechend gehandelt werden muss. Sterberaten beim Fang und Transport von bis zu 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich. [2]


Auch wenn es sich um ungiftige Tiere handelt, können „Exoten“ gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen – vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von „exotischen“ Tieren her. [3]

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Schmidt, Volker (2008): Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress.

[2] Toland, Elaine; Warwick, Clifford;  Arena, Phillip (2012): Pet Hate. In: The Biologist, 59(3).

[3] Robert Koch-Institut (2013): Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.

Kontakt

Kontakt
Kopieren