Am 23. und 24. Mai dieses Jahres fand auf Sylt der Julius Bär Beach Polo World Cup statt. PETA erhielt daraufhin eine Whistleblower-Meldung, die von Gewaltanwendung an Pferden berichtet. Nach dem Hinweis der Tierrechtsorganisation darauf hat der Veranstalter SYLT Media & Events GmbH entschieden, den hauptsächlich Verantwortlichen künftig von Polo-Veranstaltungen auszuschließen und alle Beteiligten zu sensibilisieren. Auf den mitgesendeten Videos der Meldung ist zu sehen, wie mehrere Pferde in einen Hänger getrieben und dabei wiederholt und teils heftig mit einem Seil geschlagen werden. Ein Mann mit Julius Bär-Mannschaftstrikot und Cowboyhut schlägt häufig mit seiner Hand auf ein Pferd ein und tritt ihm reitend mit den Hacken in die Flanken. Die Tiere wirken dabei gestresst und verängstigt. Die Tierrechtsorganisation erstattete Ende Mai Anzeige beim Kreisveterinäramt Nordfriesland. PETA forderte zudem das Finanzinstitut Julius Bär auf, vom Sponsoring von „Pferdesport”-Events künftig Abstand zu nehmen.
„Wir begrüßen die Maßnahmen des Veranstalters. Allerdings sind Polo-Veranstaltungen generell nicht mit dem Tierschutz vereinbar, denn die Tiere werden mit scharfen Gebissen, Hackentritten und dem Einsatz von Gerten zur Teilnahme gezwungen. Was die Pferde zudem bei den Transporten teils durchmachen müssen, gelangt nur selten ans Tageslicht“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Wir hoffen daher, dass Unternehmen wie Julius Bär künftig solche Events nicht mehr unterstützen.“
Eine Sprecherin des Finanzinstituts Julius Bär sagte, dass ein respektvoller Umgang mit Tieren für das Unternehmen eine zentrale Voraussetzung für jedes Engagement sei. Man habe die Vorwürfe sehr ernst genommen und wolle das Thema in Zukunft mehr mit einbeziehen.
Pferde vielfach als Sportgeräte missbraucht
Ganz gleich, ob Dressur, Springreiten, Vielseitigkeit, Pferderennen, Disziplinen aus dem Westernreiten oder Polo: Die Branche missachtet ständig die natürlichen Bedürfnisse der Tiere und zwingt sie mit „Hilfsmitteln“ wie scharfen Gebissen, Ausbindern, Sporen und Gerte zu Höchstleistungen. PETA weist darauf hin, dass beim Beach-Polo unter anderem das abrupte Stoppen, Losrennen und Kurvenlaufen auf sandigem Untergrund für die Knochen, Sehnen und Gelenke der Tiere gesundheitsschädlich sein kann. Im Vordergrund stehen in der Regel Prestige, Preisgelder, „Entertainment“ sowie die Interessen der Reiterinnen und Reiter und Verbände – nicht aber die Bedürfnisse der Pferde. Werden Pferde mit viel Gewicht, falschem Sitz oder unnatürlichen Bewegungen geritten, können langwierige gesundheitliche Probleme folgen. Pferde leben normalerweise in Herden und bewegen sich bis zu 16 Stunden täglich. Bewegungsmangel und falsche Haltung ziehen regelmäßig Verhaltensstörungen und Schäden an Muskeln, Sehnen und Skelett nach sich. Zudem können sich eine permanente Boxenhaltung und häufige Lkw-Transporte negativ auf die Selbstreinigungsmechanismen der Atemwege der Tiere auswirken.
Anhänger sind für Pferde oft mit Angst und Gefahr verbunden
Wenn Pferde in einen Anhänger bugsiert werden sollen, bedeutet das für sie oft akuten Stress. Ein Anhänger ist ein enger, dunkler und potenziell gefährlicher Raum, der bei den Fluchttieren Angst auslösen kann. Fremde Geräusche, Gerüche, das Knallen der Rampe und das ungewohnte Schaukeln verstärken diese Unsicherheit. Viele Tiere haben zudem bereits in der Vergangenheit negative Erfahrungen mit Transporten gemacht – etwa Rutschen, Stress, Trennung von der Herde oder hastiges Treiben – und verknüpfen den Anhänger deshalb dauerhaft mit Gefahr. Da Pferde Situationen schnell emotional abspeichern, reicht häufig schon der Anblick des Hängers aus, um Stress auszulösen. Fehlende Routine, unruhige Menschen und schlecht gestaltete, dunkle Anhänger verschärfen die Angst zusätzlich. Insgesamt ist die Verladeangst eine nachvollziehbare Schutzreaktion und kein Ungehorsam, sondern Ausdruck eines natürlichen Sicherheitsbedürfnisses.

Der Screenshot kann hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.
Videomaterial senden wir auf Anfrage gern zu.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
