Laut einem Medienbericht entdeckten Passanten am Mittwoch, dem 8. Juli, zwei ausgesetzte Königspythons in der Pertisaustraße in Berg am Laim. Ein Unbekannter hatte die stark abgemagerten Tiere dort in einem Karton abgestellt. Darauf befand sich ein Zettel mit der Aufschrift „Bringst du mich bitte ins Tierheim“. Die beiden Schlangen werden nun in einer Reptilien-Auffangstation versorgt. Hinweise nehmen das Veterinäramt München oder die Polizeiinspektion 21 (Am Neudeck 1) entgegen. Anlässlich des Fundes fordert PETA Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer auf, den Handel mit Wildtieren und ihre Haltung durch Privatpersonen bundesweit einheitlich zu verbieten.
PETA setzt Belohnung aus
Um den Fall aufzuklären, setzt PETA eine Belohnung in Höhe von 500 Euro für Hinweise aus, die zur rechtskräftigen Verurteilung der tatverantwortlichen Person oder Personen führen. Wer etwas beobachtet oder anderweitig mitbekommen hat, wird gebeten, sich bei der Polizei oder telefonisch unter 0711-8605910 oder per E-Mail bei der Tierrechtsorganisation zu melden – auch anonym.
„In Deutschland boomt der Handel mit ‚exotischen‘ Tieren. Viele Menschen sind jedoch schnell mit den Bedürfnissen und den Haltungskosten überfordert. Immer wieder werden Wildtiere deshalb ausgesetzt und kämpfen anschließend in Städten oder in der Natur ums Überleben, weil sie an die Umgebung und die Temperaturen nicht angepasst sind“, so Lisa Redegeld, Fachreferentin bei PETA. „Wildtiere gehören nicht in Wohnungen oder Terrarien. Obwohl die anspruchsvollen Tiere in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden können, sind etliche von ihnen im Internet frei verkäuflich.“
PETA fordert generelles Haltungsverbot von Wildtieren in Privathaushalten
Die Tierrechtsorganisation kritisiert, dass der Kauf von gefährlichen und anspruchsvollen Tieren unabhängig von dringend erforderlichem Fachwissen noch immer erlaubt ist. In der Folge brechen jedes Jahr Hunderte wilde Tiere aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Personen einfach ausgesetzt. Tierheime und Tierauffangstationen sind häufig überfüllt mit Wildtieren, die einen besonders großen Anspruch an ihren Lebensraum haben. Eine tierärztliche Fallstudie, bei der rund 150 verstorbene Reptilien untersucht wurden, kam zu dem Ergebnis, dass 51 Prozent der Tiere an durch Haltungsfehler verursachten Krankheiten litten. [1]
Das Ergebnis einer Studie, welche vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) 2020 vorgestellt wurde, bestätigt zudem, dass der Handel mit „exotischen“ Wildtieren zum weltweiten Artensterben beiträgt und dass besonders aus Gründen des Arten- und Naturschutzes dringend entsprechend gehandelt werden muss.
Auch wenn es sich um ungiftige Tiere handelt, können Wildtiere gefährlich für den Menschen sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten; geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen. Vor allem Kinder sowie immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von „exotischen“ Tieren her. [2]
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.
