Aktuelles Bildmaterial: PETA-Aktivistin stürmt H&M-Filialen in Hamburg – „Schluss mit leeren Tierwohl-Versprechen, Verkauf von Tierqualprodukt Wolle muss enden“


Eine PETA-Aktivistin hat gestern in zwei Filialen der Modekette H&M in Hamburg mit einer eindringlichen Rede auf das Leid von Schafen in der Wollindustrie aufmerksam gemacht. Lautstark kritisierte sie den Verkauf von Produkten mit Labels, die der Kundschaft vermeintliches „Tierwohl“ versprechen sollen. Sie appellierte an H&M, das Tierqualprodukt Wolle gänzlich aus dem Sortiment zu nehmen. Mitarbeitende des Sicherheitsdienstes führten sie anschließend aus dem Geschäft beziehungsweise hielten sie fest, bis die Polizei eintraf. Anlass der Protestaktion ist eine Recherche von PETA Asien, die aufzeigt, dass auch hinter den „Tierwohl“-Labels wie „NATIVA“ und dem Responsible Wool Standard Tiere leiden und Marketingversprechen zum Tierwohl unerfüllt bleiben.

„Sogenannte Tierwohl-Zertifizierungen verschleiern das Leid von Millionen von Schafen. Die Kundschaft wird in dem Glauben gelassen, sie würde mit gutem Gewissen einkaufen, obwohl hinter der Wolle weiterhin Tierleid steckt. Wir fordern H&M auf, die Tierqualprodukte endlich auszulisten“, so Ayshea Kelly, Aktionskoordinatorin bei PETA.

Eine PETA-Aktivistin stürmte zwei H&M-Filialen in Hamburg, um auf das Tierleid in der Wollindustrie aufmerksam zu machen. / © PETA Deutschland e.V.

Dieses und weitere Bilder können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.

Tierwohlzertifikat als Marketingkonzept

Die H&M Gruppe kündigte an, dass bis Ende 2025 sämtliche Schurwolle und alle verwendeten Tierhaare aus Farmen stammen sollen, die nach glaubwürdigen Tierschutzstandards zertifiziert sind. Dazu zählen unter anderem „Tierwohl“-Labels wie der Responsible Wool Standard und der NATIVA Wool Standard. PETA Asien recherchierte daraufhin verdeckt auf einer Farm, die NATIVA-Wolle verkauft und „die führende Marke für verantwortungsvoll gewonnene, zu hundert Prozent rückverfolgbare Naturfasern“ ist. Beschäftigte traten Schafe gegen den Kopf, schlugen sie mit Schermaschinen und einem Stück Holz und rissen Lämmer an den Beinen aus ihrer Herde.

Der untersuchte Betrieb ist zudem nach dem Responsible Wool Standard (RWS) und dem Responsible Mohair Standard (RMS) zertifiziert. Die Ermittlerinnen und Ermittler stellten fest, dass es sich um ein Marketing-Konzept, sogenanntes „Humane Washing“, handelt. Verbraucherinnen und Verbraucher verlassen sich auf Schlagworte wie „verantwortungsvoll“ und „rückverfolgbar“, während die Tiere in der Modeindustrie weiterhin leiden.

Tierleid in der Wollindustrie

Um aus dem Fell von Schafen Wolle herzustellen, wurden die Haare der Tiere früher während des natürlichen Fellwechsels ausgezupft. Da der Mensch die Tiere jedoch besser „nutzbar“ machen wollte, züchtete er dem Wildschaf den Fellwechsel weg. Nach der Erfindung des Schermessers wurde den Tieren zudem ein ständiges Vlieswachstum angezüchtet, um möglichst viel weiche Unterwolle nutzen zu können. [1]

Schafherden in der Wollindustrie bestehen gewöhnlich aus Tausenden von Tieren. Dadurch wird es unmöglich, den individuellen Bedürfnissen der Schafe nachzukommen oder Krankheiten wie Schmeißfliegenbefall, Fußfäule und Infektionen zu behandeln. Durch die mangelnde Pflege sind die Todesraten bei Schafen teilweise extrem hoch.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Gibson-Roberts, Priscilla (2000): Scandinavian Sheep, Knitters Magazine.

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