In der vergangenen Woche erhielt PETA einen Whistleblower-Hinweis zu einem Kaninchen in Einzelhaltung in der Gemeinde Hünstetten. Der Käfig, in dem das Tier lebt, sei zu klein, vollgekotet, ohne Rückzugsmöglichkeiten und genügend Einstreu, so die Meldung. Das Tier wurde ohne Witterungsschutz auf einem Balkon gehalten, bekam keine artgerechte Ernährung und hatte kaum Wasser zur freien Verfügung. PETA meldete den Fall umgehend beim Veterinäramt Rheingau-Taunus-Kreis. Nur zwei Tage später gab es die positive Rückmeldung von der Behörde: Das Kaninchen sei aus der Haltung genommen worden.
„Wir sind sehr erleichtert, dass das Kaninchen endlich aus dieser quälenden Einzelhaltung in einem stark verdreckten und viel zu kleinem Käfig gerettet werden konnte“, so Lisa Redegeld, Fachreferentin für Whistleblower-Fälle bei PETA. „Wir bedanken uns beim zuständigen Veterinäramt für die schnelle Reaktion. Damit konnte größeres Leid verhindert werden. Leider bringen viele Menschen, die Tiere halten, nicht genug Verantwortungsbewusstsein mit. Dass Kaninchen in Gartencentern, Baumärkten und im Internet regelrecht verramscht werden, trägt dazu bei, dass einige Menschen nicht sorgsam mit ihnen umgehen.“
Kleine Tiere mit großen Haltungsanforderungen
Kaninchen sind Fluchttiere und haben einen hohen Bewegungsdrang. In Gitterkäfigen können sie ihren natürlichen Bedürfnissen in keiner Weise nachgehen. Die dauerhafte Unterbringung in Käfigen verstößt zudem gegen die Vorgaben für Tierschutz der Tierärztlichen Vereinigung. Diese sehen bei zwei Kaninchen eine Grundfläche von mindestens sechs Quadratmetern vor. Für jedes weitere Tier muss die Fläche um mindestens zwanzig Prozent vergrößert werden. Kaninchen leben in Familiengruppen und finden Rückzug in Bauten und Höhlen. Ihr Tagesrhythmus wird durch enge soziale Beziehungen, gemeinsames Ruhen und Bewegen, soziale Körperpflege sowie viele kleine Mahlzeiten bestimmt. Dies setzt einen großzügig gestalteten Lebensraum sowie Rückzugsorte und ständigen Auslauf voraus. Das Gehege muss groß genug sein, damit die Bewohner frei hoppeln, weit rennen und sich gegebenenfalls auch aus dem Weg gehen können. Kaninchengruppen auf zu engem Raum führen zu großem Tierleid wie Spannungen, aggressiven Auseinandersetzungen, Verhaltensstörungen und Unruhe.
PETA fordert „Führerschein“ für alle Heimtiere
Ein verpflichtender Sachkundenachweis könnte vorsehen, dass vor Aufnahme eines Tieres ein Theoriekurs absolviert werden muss, in dem das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und ihre Bedürfnisse erworben werden. Spontankäufe könnten so weitgehend unterbunden werden. PETA weist darauf hin, dass die kommerzielle Nachzucht von Tieren zudem die Situation für Tierheimtiere verschärft. In deutschen Haushalten leben bereits rund 4,9 Millionen Kleintiere [1]. Um die Nachfrage nach bestimmten „Rassen“ zu befriedigen, „produzieren“ Züchter jedoch weiterhin reichlich Nachwuchs – dabei werden jährlich allein in Deutschland insgesamt etwa 350.000 Tiere im Tierheim abgegeben oder einfach ausgesetzt. 25 bis 30 Prozent der Tiere bleiben ein Jahr oder länger im Tierheim. PETA appelliert daher an alle Tierfreunde, die Zucht nicht zu unterstützen und stattdessen einem Tier aus dem Tierheim ein Zuhause zu schenken.

Dieses und ein weiteres Motiv können hier heruntergeladen und für die Berichterstattung verwendet werden.
PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen. Daneben wird auch zwischen verschiedenen Tierarten unterschieden: So empfinden viele Menschen Hunde und Katzen als Familienmitglieder und lehnen es ab, sie zu halten, auszubeuten und zu töten, wie Schweine, Rinder oder Hühner. Trotzdem betrifft Speziesismus auch sogenannte Haustiere: Sie werden zur menschlichen Unterhaltung benutzt, oftmals unter tierschutzwidrigen Bedingungen (qual-)gezüchtet und wie Ware verkauft. Auch für Tierversuche werden sie missbraucht.
