Esel-Misshandlung auf dem Erbacher Weihnachtsmarkt: PETA appelliert an Bürgermeister Dr. Peter Traub, künftig keine Tiere mehr als „lebende Krippe“ zuzulassen  

Esel in einem kargen Gehege.

Tiere schutzlos ausgeliefert: Auf dem Erbacher Weihnachtsmarkt wurden Pressemeldungen zufolge in der Nacht auf den 5. Dezember die Esel Max und Lilly von unbekannten Jugendlichen mit Schlägen misshandelt. Zudem soll randaliert worden sein. PETA hat sich heute an in einem Schreiben an Bürgermeister Dr. Peter Traub gewandt und ihn aufgefordert, künftig keine Tiere mehr auf dem Weihnachtsmarkt auszustellen. Neben möglicher Gewaltanwendungen bedeutet die Zurschaustellung inmitten von Besuchermengen Dauerstress. Andere Städte haben dem Tierschutz jüngst Priorität eingeräumt: Der Dresdner „Advent auf dem Neumarkt“ hat Anfang Dezember bekannt gegeben, künftig keine Tiere mehr auszustellen. Der Stuttgarter Gemeinderat beschloss im April das Ende für „lebende Krippen“ auf den Weihnachtsmärkten der Landeshauptstadt.

 „Ausreichende Sicherheitsvorkehrungen, die Übergriffe auf Tiere verhindern, sind auf Weihnachtsmärkten kaum zu finden. Daher sind Gewalt, Belästigungen oder die Gabe falscher Nahrung keine Seltenheit. Max und Lilly waren ihren Peinigern schutzlos ausgeliefert. Wir hoffen, dass der traurige Vorfall in Erbach dazu führt, dass sich die Stadt in die Liste tierfreier Weihnachtsmärkte einreiht“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. „Denn für die sensiblen Lebewesen muss das Risiko weiterer Gewalt aber auch der ‚normale‘ Weihnachtsmarktstress mitten in der Innenstadt, abseits ihres gewohnten Zuhauses, erspart bleiben.“

Zurschaustellung auf dem Weihnachtsmarkt ist tierschutzwidrig
Laut Tierschutzgesetz müssen Tiere ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten und versorgt werden. Auf einem Weihnachtsmarkt mitten in der Stadt ist dies nicht möglich. Für die vermeintliche Attraktion werden die sensiblen Tiere aus ihrer gewohnten Umgebung herausgerissen, von ihren Herden getrennt und teilweise mit artfremden Tieren in ein Gehege gesperrt. Der ungewohnte Trubel durch Besuchermassen und der damit verbundene Lärmpegel sowie die verschiedenen Lichter bedeuten enormen Stress für die Tiere. Aufgrund des empfindlichen Gehörsinns reichen provisorische Hütten nicht als Rückzugsort aus. Stehen sie dauerhaft auf feuchtem oder schmutzigem Boden, kann dies zu Huf- und Klauenerkrankungen führen.

Zum anderen ist häufig zu beobachten, dass Besucher die Tiere trotz Warnschildern mit ungeeigneter Nahrung wie Lebkuchen oder Waffeln füttern. Dies kann zu gesundheitlichen Problemen und schlimmstenfalls sogar zum Tod führen. Tote Lämmer, Tierdiebstähle und Übergriffe auf diversen Weihnachtsmärkten in Deutschland sind mehrfach dokumentiert. [1-3]

Tiere zu Unterhaltungsobjekten degradiert
Tiere auf Weihnachtsmärkten vermitteln unterschwellig ein falsches Bild. Vielen Menschen –insbesondere Kindern – wird suggeriert, dass Tiere da seien, um uns zu unterhalten. PETAs Ansicht nach sollten Kinder Tiere als Individuen mit eigenen Bedürfnissen kennenlernen, nicht als Unterhaltungsobjekte.

Dass eine stimmungsvolle vorweihnachtliche Atmosphäre auch ohne die Zurschaustellung von Tieren möglich ist, beweisen zahlreiche deutsche Städte, die auf ihren gut besuchten Weihnachtsmärkten beispielsweise lebensgroße Holzfiguren aufstellen. Ein gelungenes Krippenspiel mit ausschließlich menschlichen Darstellern könnte ebenfalls zahlreiche Besuchende anlocken. Bad Salzuflen ging mit gutem Beispiel voran und hat 2019 lebende Tiere vom „Weihnachtstraum“ verbannt. Begründet hat die tierfreundliche Stadt dies damit, dass der im Grundgesetz verankerte Tierschutz Vorrang vor dem Unterhaltungsfaktor hat. [4]

Die Tierrechtsorganisation empfiehlt allen tierfreundlichen Menschen, die eine „lebende Krippe“ auf dem Weihnachtsmarkt entdecken, sich mit einer Beschwerde an die Stadtverwaltung, die Veranstalter und das Veterinäramt zu wenden.

Esel in einem kargen Gehege.
In diesem Gehege werden auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt Tiere zur Schau gestellt. / © PETA Deutschland e.V.

PETAs Motto lautet: Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Form von Diskriminierung, bei der Tiere aufgrund ihrer Artzugehörigkeit abgewertet werden. Der Mensch wird hierbei allen anderen Spezies gegenüber als überlegen angesehen.

Quellen

[1] Lippische Landes-Zeitung (1. Dezember 2014): Lebendige Krippe auf dem Paderborner Weihnachtsmarkt aufgebrochen. Online abrufbar unter: http://www.lz.de/ueberregional/owl/20267891_Lebendige-Krippe-auf-dem-Paderborner-Weihnachtsmarkt-aufgebrochen.html?em_cnt=20267891. (08.12.2025).
[2] Angelika Hirschberg (12. Dezember 2017): Totes Schaf auf Kaufbeurer Weihnachtsmarkt heizt die Diskussion um „lebendige Krippe“ an. Kreisbote.de. Online abrufbar unter: https://www.kreisbote.de/lokales/kaufbeuren/totes-schaf-kaufbeurer-weihnachtsmarkt-heizt-diskussion-lebendige-krippe-9442649.html#:~:text=Kaufbeuren%20%2D%20Ein%20totes%20Schaf%20und,seinem%20Gehege%20auf%20dem%20Kirchplatz. (08.12.2025).
[3] Merkur.de (18. Mai 2020) Diebstahl auf Weihnachtsmarkt schockiert – Baby-Schaf von Mutter getrennt. Online abrufbar unter: https://www.merkur.de/deutschland/regensburg-weihnachtsmarkt-lamm-tiere-diebstahl-bayern-laemmer-schaf-zr-13358619.html. (08.12.2025).
[4] Alexandra Schaller (30. September 2019) Aus für die „Lebende Krippe“ auf dem Salzufler Weihnachtstraum. Lippische Landes-Zeitung. Online abrufbar unter: https://www.lz.de/lippe/bad_salzuflen/22575511_Aus-fuer-die-Lebende-Krippe-auf-dem-Salzufler-Weihnachtstraum.html. (08.12.2025).

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